Justizministerin: Keine Voraussetzungen für NPD-Verbot

10. Dezember 2011, 18:34

Leutheusser-Schnarrenberger: "Bund und Länder haben keine einheitliche Position"

Hohenkammer/München - Die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht die Voraussetzungen für den Erfolg eines neuen NPD-Verbotsantrags nach wie vor nicht gegeben. "Für uns als FDP ist klar: Wenn ein Verbotsantrag keinen Erfolg hätte, wäre das ein Desaster", warnte sie am Samstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Die NPD freut sich doch schon auf einen solchen Ausgang, das wäre Munition für den Wahlkampf." Auch die Innenminister von Bund und Ländern hätten keine einheitliche Position, sagte Leutheusser-Schnarrenberger.

Die Ministerin nannte mehrere Punkte, die nach ihrer Einschätzung erfüllt sein müssten, damit ein NPD-Verbotsantrag nicht zum zweiten Mal vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht scheitert. "Wir können einen neuen Verbotsantrag nur anstreben, wenn es keine V-Leute in den Führungsgremien der NPD mehr gibt", sagte Leutheusser-Schnarrenberger "Das bedeutet nicht, dass man generell keine V-Leute mehr einsetzt, würde aber den Bundes- und die vielen Landesvorstände der NPD betreffen."

Nachweis der Aggressivität

Zusätzlich müsste nachgewiesen werden, "dass die NPD aktiv-kämpferisch, mit Aggressivität versucht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bekämpfen. Das sind die Kriterien, die das Bundesverfassungsgericht für ein Parteiverbot entwickelt hat", sagte die bayerische FDP-Landesvorsitzende nach dem Abschluss einer Klausur ihrer FDP-Landesgruppe in Hohenkammer.

Die Gewalttaten der Zwickauer Neonazi-Terrorgruppe NSU seien für einen Verbotsantrag "nur verwertbar, wenn sie vollumfänglich der NPD zugerechnet werden können", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. "Dann hätten wir eine neue Lage. So weit sind wir noch nicht. Die Ermittlungsverfahren sind noch gar nicht abgeschlossen. Jetzt muss zuerst gründlich zu Ende ermittelt werden."

In der Debatte mit der Union über eine gemeinsame Anti-Rechtsextremismus-Datei der Sicherheitsbehörden geht die Justizministerin aber einen Schritt auf Deutschlands Innenminister Hans- Peter Friedrich (CSU) zu: "Ich bin bereit, hier konstruktiv zu verhandeln. In einer solchen Verbunddatei wollen wir nicht nur die erfassen, die gewalttätig sind, sondern auch das unmittelbare Umfeld", sagte sie. "Ich denke, dass wir bei der Neonazi-Datei zu einem Ergebnis kommen werden." Der Hintergrund: Friedrich will "gewaltbereite" Extremisten aufnehmen lassen, während die FDP nur nachgewiesene Gewalttäter registrieren lassen wollte.

Keine schnelle Lösung in Sicht ist jedoch im langen Streit mit der Union über die Vorratsdatenspeicherung. Leutheusser-Schnarrenberger will zuerst die europäische Überarbeitung der Vorratsdatenspeicherung abwarten. "Politisch wäre es nicht vermittelbar, während der Überarbeitung auf die alte Vorratsdatenspeicherung zu pochen", sagte sie.

Über mögliche Sanktionen gegen Deutschland wegen Nichteinhaltung einer Richtlinie entscheide nicht die EU-Kommission, sondern der Europäische Gerichtshof. "Wenn die Kommission Sanktionen will, muss sie das außerdem vorher ankündigen. Das sind die Regeln, die auch die Kommission entwickelt hat. Es wäre unsinnig, in Deutschland zwei Mal in das Gesetzgebungsverfahren zu gehen - einmal vor und einmal nach der Überarbeitung der Richtlinie."(APA)

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13 Postings
dritter.mann
 
10
11.12.2011, 01:34
Leutheusser-Schnarrenberger

ist voll die Wuchtel. Bei diesen Argumenten geht einem schlicht die Luft aus - die FDP ist offensichtlich noch mieser drauf, als bisher anzunehmen war. D.h., sie ist in eine nicht mehr verkennbare Nähe zu FPÖ/BZÖ gerückt. - Liebe Deutsche: Wählt das bitte bald ab!!!

Kowosch
 
00
11.12.2011, 10:29

Gerade Frau Leutheusser-Schnarrenberger in diese Ecke stellen zu wolle, zeugt aber von einer ziemlichen Ignoranz und/oder Ahnungslosigkeit.

Und natürlich muß sich die Justizministerin an die Urteile des Verfassungsgerichts halten. Die zu ignorieren würde nur Parteigängern von NPD und Co. einfallen (und hierzulande (AUT) noch einigen mehr...).

Die Rechtsstaatlickeit ist ein viel zu fundamentales Gut, um sie wegen der braunen Deppen auch nur argumentativ aufzugeben. Das ist es doch, was die wollen, damit sie sich als arme, verfolgte "Opfer" darstellen können (diese Weinerlichkeit des rechten Randes kennt man ja bei diversen Themen). Das hat die Justizministerin wohl auch -s. Artikel - im Gegensatz zu Ihnen durchschaut.

Kondratjew -Zyklus
 
49
10.12.2011, 20:02
Wer die NDP verbieten will, hat NICHTS aus der Geschichte gelernt.

O5
31
10.12.2011, 23:23

Falsch. Wer sie NICHT verbieten will hat nichts aus der Geschichte gelernt. 1933, schon vergessen?

Kondratjew -Zyklus
 
00
11.12.2011, 09:21
1933 - VERBOT des NSdAP in Österreich !

igor w
10
10.12.2011, 19:50
wen wunderts

Zählen doch Richter nebst Lehrern und Polizisten zu jener Berufsgruppe mit den meisten Rassisten im Stall

FrühpensionsTschuschnLesbenHausfrau
00
10.12.2011, 21:59
Bravo, das ist nicht einmal ein Vorurteil!

Dass das stimmt, ziehe ich jedoch trotzdem in Zweifel. Haben Sie sich folgendes schon einmal überlegt: Gerade diese Berufsgruppen haben oft Entscheidungen zu treffen, die danach, bei entsprechender Sicht der Dinge, als 'rassistisch' gedeutet werden können - klarerweise gibt es auch solche, wo dies zutrifft, nur glaube ich nicht in signifikant höherem Ausmaß als anderswo.

nemo sander
00
10.12.2011, 19:25
dass man sich so schwer tut neonazis zu verbieten ist interessant

und spricht für sich, wären es mohammedaner wäre schon alles geklärt.

francesco11
32
10.12.2011, 19:24

keine vorraussetzung für den npd verbot sieht diese (tschuldigung verwend ich sonst nicht:) dumme frau?
was muss noch alles passieren?
die npd hat eine gemäßigte fassade, die schon schlimm genug ist.
die verfassungsschützer müsssten längst mehr wissen, wenn sie nicht ihren rechtsradikalen v-leuten ständig auf den leim gingen...

Lionel Cosgrove
44
10.12.2011, 19:04

ist es den so schwierg diese Bande zu verbieten?

Falls Ja, dann sollte Deutschland dieses Grundgesetz diesbezüglich ändern.

Mehr Mehr und Mehr
02
10.12.2011, 20:18

Nun, hier ists mit der Bande ja eher noch schlimmer ... Die haben sogar mal mitregiert. Aber das war zu einer Zeit als der Verkehrsminister alkoholisiert auf der Autobahn raste, die Bildungsministerin A und O nicht wirklich unterscheiden konnte und der Finanzminister ein Steuerhinterzieher war.

Sir JPS
00
10.12.2011, 21:04
sie meinen

grasser, gehrer und gorbach? :-)

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