Friedensnobelpreis an drei Frauen - Auch toter Preisträger geehrt
Stockholm/Oslo - In Oslo haben die jemenitische Journalistin
Tawakkol Karman, die wiedergewählte liberianische Präsidentin Ellen Johnson
Sirleaf und die ebenfalls liberianische Friedensaktivistin Leymah Gbowee am
Samstag den Friedensnobelpreis erhalten. In Stockholm wurden am Nachmittag die
übrigen Nobelpreise ausgehändigt.
Die Arbeit der Friedensnobelpreisträgerinnen sei eine Warnung für
autokratische Führer in der ganzen Welt, sagte der Vorsitzende des
Nobelpreiskomitees, Thorbjoern Jagland. Das Komitee zeichnete sie für ihren
Einsatz für Frauenrechte aus. "Sie geben dem chinesischen Sprichwort 'Frauen
tragen die Hälfte des Himmels' eine ganz konkrete Bedeutung", sagte Jagland.
Dem arabischen Frühling werde ein Winter folgen, sollten Frauen außen vor
gelassen werden, führte Jagland weiter aus. Der Sturz autoritärer Herrscher sei
nur eine Frage der Zeit. Auch der jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh habe
sich dem Druck des Volkes nicht widersetzen können. Ebenso wenig werde dies dem
syrischen Präsidenten Bashar al-Assad auf die Dauer gelingen. "Das Streben der
Menschheit nach Freiheit und Menschenrechten wird niemals enden."
Unterstützung gefordert
Karman - eine Schlüsselfigur der Demokratiebewegung im Jemen - bedauerte, die
Proteste in ihrem Heimatland hätten nicht so viel Unterstützung von der
internationalen Gemeinschaft erhalten wie andere Revolutionen in der Region. Der
Westen sollte keine Angst vor dem arabischen Frühling haben, mahnte sie. Auf dem
Weg zur Demokratie würden "Unterstützung und Hilfe" benötigt, "nicht Angst und
Vorsicht". Karman ist die erste Araberin, die den Friedensnobelpreis erhielt.
Sirleaf sagte, sie sähe gerne eine Frau an der Spitze der USA. "Ich weiß
nicht, wann es geschehen wird und wer es sein wird, aber ich denke, dass alle es
gerne sehen würden", erklärte Sirleaf. Gbowee sagte, die Zeit sei gekommen, in
der Frauen die Mauern repressiver Traditionen "mit der unbesiegbaren Macht der
Nicht-Gewalt" einrissen. An der Zeremonie im Rathaus von Oslo nahm auch die
norwegische Königsfamilie teil. Die beiden Liberianerinnen erschienen in
traditionellen afrikanischen Gewändern, Karman trug ein buntes Kopftuch.
In Stockholm wurden die Feierlichkeiten von König Carl XVI. Gustaf geleitet.
Literaturnobelpreisträger Tomas Transtroemer, ein schwedischer Lyriker, nahm den
Preis in einem Rollstuhl sitzend entgegen. Der 80-Jährige kann seit einem
Schlaganfall 1990 nur noch wenige, einzelne Wörter sagen und ist halbseitig
gelähmt. Er galt seit vielen Jahren als Favorit auf den berühmtesten
Literaturpreis der Welt.
Stellvertretend für ihren Mann Ralph Steinman übernahm Claudia Steinman den
Medizinnobelpreis. Der Kanadier war Anfang Oktober, wenige Stunden vor der
Zuerkennung des Preises für seine Leistungen als Immunologe, im Alter von 68
Jahren gestorben. Das Nobelpreiskomitee beschloss daraufhin, ausnahmsweise
posthum einen Wissenschafter zu ehren, weil es von dem Tod nicht rechtzeitig
unterrichtet worden sei.
Im Gegensatz zum Friedensnobelpreis blieben die wissenschaftlichen Preise
wieder reine Männersache mit starker US-Dominanz. Den Preis für Physik teilten
sich Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA und Australien) und Adam G.
Riess (USA) für ihre astrophysische Arbeit. Den Chemie-Preis erhielt der Israeli
Dan Shechtman für die Entdeckung einer bisher unbekannten Kristallstruktur.
Den "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften" teilen sich
die US-Ökonomen Thomas J. Sargent und Christopher A. Sims. Die Nobelpreise
werden seit 1901 traditionell am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des
Stifters Alfred Nobels (1833-1896). (APA)