Ungetrübtes Vergnügen

10. Dezember 2011, 12:55
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Die Staatsoper lässt ein Kernstück des Repertoires in neuem musikalischem Glanz erstrahlen: Strauss' "Rosenkavalier" stimmt rundum heiter

Wien - Diese Oper ist ein sonderbar Ding: Prall vor Sehnsucht nach der Vergangenheit, hart an der Kitschgrenze, und dazwischen Momente leiser Ironie und weiser Erleuchtung. Die Musik von Richard Strauss lebt nicht nur von den Plattitüden und Eindeutigkeiten, etwa der Walzerseligkeit, die den Rosenkavalier verschwenderisch durchflutet, sondern vor allem auch von den vieldeutigen Zwischentönen und plötzlichen in die Irre führenden Rückungen.

Dirigent Peter Schneider weiß das ganz genau: Er lässt das hingebungsvoll auftrumpfende Staatsopernorchester nicht nur flirren und vibrieren, sondern auch die labyrinthische Harmonik subtil färben und abschattieren, gestaltet neben den voll ausmusizierten Bögen auch die munter purzelnden Themenbruchstücke mit jener Bedeutung, die ihnen zukommt, will man nicht nur den schönen Schein, sondern auch das Fragile dieses Stücks sehen.

Gesungen wird dementsprechend: Kurt Rydl gibt einen hintergründigen, aus dem Vollen seines mächtigen Basses schöpfenden Ochs, Michaela Selinger ist ein vollendeter Octavian mit gleich großartiger lyrischer und komödiantischer Seite, Chen Reiss eine tadellose Sophie.

Das Rollendebüt von Anja Harteros als Feldmarschallin überstrahlt das alles mit ihrer Symbiose von Leichtigkeit und unaufdringlicher Emphase, ihrer mühelos quer durch die Register modulierenden Stimme und einem perfekten, noblen Piano.

Die Inszenierung von Otto Schenk aus dem Jahr 1968 ist zwar nicht revolutionär, aber dank der Spiellaune aller Beteiligter in dem denkbar homogenen Ensemble recht unterhaltsam. Der kleine Mohr macht zwar nach wie vor gemischte Gefühle; doch Schenks Gags sitzen wie eh und je. (Daniel Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 10./11. Dezember 2011)

12. und 15. 12., 18.30

  • Hintergründiger Humor: Kurt Rydl als auch stimmlich gewichtiger Ochs (mit Chen Reiss als Sophie).
    foto: staatsoper wien

    Hintergründiger Humor: Kurt Rydl als auch stimmlich gewichtiger Ochs (mit Chen Reiss als Sophie).

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