Islamisten im Aufwind

10. Dezember 2011, 12:19
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    foto: ap/djarboub

    Der altersschwache algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika bekommt Konkurrenz aus der islamistischen Ecke. 2014 will Bouguera Soltani gegen ihn kandidieren.

In einem halben Jahr finden Parlamentswahlen statt - Zwei Islamisten-Führer beantragen nun eine Zulassung für neue Parteien

Nach dem Wahlsieg in Tunesien sind sie voller Optimismus.

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Nach den Wahlsiegen ihrer Gesinnungsgenossen in Tunesien, Marokko und Ägypten sehen sich auch die Islamisten in Algerien im Aufwind. "Die algerische Gesellschaft will von Islamisten regiert werden" , gibt sich Bouguera Soltani ein halbes Jahr vor den Parlamentswahlen selbstsicher. Der 57-Jährige ist Chef der Gesellschaftlichen Bewegung für den Frieden (MSP). Die einst unter dem Namen Hamas gegründete Formation sitzt zusammen mit der Unabhängigkeitspartei FLN und deren Abspaltung RND seit 1997 in der Regierung. 52 der 389 Abgeordneten im algerischen Parlament gehören den Islamisten an.

Nachdem Soltani im November den Gründer der in Tunesien siegreichen Ennahda, Rachid Ghannouchi, empfing und dessen öffentliche Unterstützung erhielt, ist sein Optimismus nicht mehr zu bremsen. "Wenn die nächsten Wahlen sauber über die Bühne gehen, werden wir sie gewinnen" , prophezeit er. 2014 will er sich gar um die Nachfolge des altersschwachen Staatschefs Abdelaziz Bouteflika bewerben. Um die Wähler zu überzeugen, versucht Soltani mit der MSP den Spagat zwischen einem verantwortungsbewussten Koalitionspartner und der Stimme der religiösen Opposition. Einige der konservativsten Gesetze, wie das zum Verbot der Einfuhr von Alkohol, gehen auf Initiativen der MSP zurück.

Uneinigkeit unter Islamisten

Soltani ruft zur Einheit aller Islamisten auf. Bisher ohne Erfolg. "Das interessiert mich nicht" , antwortet der bekannte Islamist Abdallah Djaballah, der 1999 und 2004 gegen Staatschef Bouteflika antrat. Auch Mohamed Said, ein anderer gescheiterter islamistischer Präsidentschaftskandidat (2009), erteilt der MSP eine Absage. Djaballahs Front für Gerechtigkeit und Entwicklung (FJD) und Saids Partei für Gerechtigkeit und Freiheit (PJL) bereiten für 2012 ihre eigenen Kandidaturen vor. Nach der Verabschiedung eines neuen Parteiengesetzes am vergangenen Dienstag werden sie ihre Zulassung beantragen. Das Innenministerium muss binnen 60 Tagen über die Anträge entscheiden. "Die arabischen Länder haben alle politischen Theorien ausprobiert: vom Kommunismus im Sudan über den Marxismus im Südjemen bis zur Baas-Theorie und dem wirtschaftlichen Liberalismus. Jetzt kommen die islamistischen Bewegungen. Ich denke, dass die arabo-islamischen Gesellschaften bereit sind, diesen Bewegungen ihre Chance zu geben" , erklärt Said. Wie seine beiden Kollegen Soltani und Djaballah hat er die Wähler der ehemaligen Islamischen Heilsfront (FIS) sowie die arbeitslose Jugend im Visier. Die FIS gewann 1990 die Kommunalwahlen und 1991 die Parlamentswahlen. Das Militär brach daraufhin den demokratischen Prozess ab und drängte die FIS in den Untergrund. Beim bewaffneten Konflikt zwischen Armee und Islamisten verloren in den 1990ern 200.000 Menschen ihr Leben. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 121
1 2 3
gffh gh
 
01
11.12.2011, 21:07
Was, die trauen sich schon wieder?

Als die Militärs mit freundlicher Ignoranz des Westens 200 000 ihrer eigenen algerischen islamischen Büger abgemurkst haben, weil die Wahlsieger um ihren Wahlsieg geprellt wurden regte sich doch niemand auf hier im humanen Westen. Das kann anstandslos wiederholt werden. Unsere Presse schreibt statt Zivilisten einfach Islamisten und schon hat jedes Blutbad eine christliche Weihe und wird allgemein von Krone bis Standard ignoriert oder begrüßt.

roundabout
14
11.12.2011, 14:19
Ach was.

Die Islamisten wollen doch nur Friede, Freude, Eierkuchen.

Fantastic Fox
40
11.12.2011, 13:30
Da passiert jetzt überall das,

was vor 30 Jahren im Iran passiert ist.

Der Diktator, der vor den Amis nicht genug kuscht, wird abgesägt, und die Mullahs übernehmen.

Nichts ist wahr, (fast) alles ist erlaubt
 
21
11.12.2011, 10:23

Rein aus Interesse, das sind schon andere Muslimbrüder/Muslimbrüderschaft, als hier erwähnt wird, oder?
"Die Ideologie der Muslimbruderschaft, die aus dem Koran abgeleitet wurde, schien sich in einigen Punkten mit der der [...]"
http://de.wikipedia.org/wiki/13._... che_Nr._1)

living reef
01
11.12.2011, 08:54
das ganze volk will islamistisch regiert werden

man kann gar nicht so viel essen wie man koxxen möchte...

peter mueller2
40
11.12.2011, 04:01
Überall Gaza und Westbank?

Welche Alternative gibt es dazu, zu akzeptieren, dass alle Völker der Welt christlich sind? Wenn die Leute dort islamisch geprägte Gesellschaften wollen, sollen sie dann alle gazaisiert werden?
Dort hat man vergleichbare Erfahrungen wie hier mit dem Christentum nicht gemacht - und hoffentlich bleibt ihnen das auch für alle Zeiten erspart. Wenn hier C-Parteien regieren können, dann erst Recht dort I-Parteien. Die eigentliche Frage ist doch, ob auch künftig die Regierungen von den USA oder EU bezahlt werden, und deshalb die Bevölkerungen geknebelt werden müssen.
Wenn sie erfolgreich sind, können wir davon vielleicht lernen: Soziale Netzwerke sind besser als neoliberaler Sozialabbau und Scharia-Banken besser als Kasino-Kapitalismus.

Leukozyt
 
32
11.12.2011, 03:46
In diesem Zusammenhang interessant,

Straches Partei als christistisch zu sehen. Der zeigt uns, wie man mit der Geiß ackert: primär schimpfen sie auf die anderen (v.a. jene aus anderen Religionen), und manchmal dann herumfuchteln, mit Kreuzen und Gebetsketten.
Aber beim Aufstieg dieser christistischen Fundis brauchen wir uns jetzt nicht so wundern, warum islamistische Fundis woanders aufsteigen...

"macht euch die Erde Untertan". Steht das im Koran oder wo? Der Islam kann genauso altruistisch oder egoistisch interpretiert werden wie die Bibel.
Ich kenne genug bekennende Muslime die nicht Frauen unterdrücken etc.. Natürlich aber auch solche. Aber auch frauenunterdrückende Christen (und die Bibel ist extrem frauenfeindlich). A-Löcher gibts überall.

Chien de Pique
00
12.12.2011, 02:23
Außerdem glauben Sie wohl hoffentlich nicht im Ernst, dass die Masse der WählerInnen in Nordafrika ihre Wahlentscheidung danach ausrichtet, was zB eine mittelgroße Partei in einem nicht einmal frankophonen Kleinstaat auf

einem anderen Kontinent tut (primär die 2 Aktionen, die Sie anführten, viel mehr gibt es eh schon nicht).
Und Islamisten haben mit Christisten generell sicher kein Problem (und umgekehrt, da herrscht oft durchaus ein gewisser gegenseitiger, teilweiser Respekt), eher würde schon ein in Nordafrika wahrgenommenes Übermaß an Gottlosigkeit in Europa eine islamistische Wahlentscheidung partiell erklären können.
Sicher ist es aber so, wie schon anders and unten schrieb, dass die an sich nicht wirklich an Christentum interessierte FPÖ (die konfessionslose B. Rosenkranz mit ihren Sonnwendfeiern ist ja fast typisch für die ältere Richtung) und ihre ähnlich gearteten Wähler so ein Zeichen gegen gesellschaftlich-kulturelle Veränderung setzen wollen.

anders and
 
12
11.12.2011, 12:36

"extrem frauenfeindlich" ist schon massiv übertrieben,

und "macht euch die Erde Untertan" ist nach dem Herrschaftsverständnis der Bibel (weise, gerecht, zum Wohle der Untertanen) nun wirklich keine negative Forderung.

Die Fixierung der Freiheitlichen auf das Christentum (die ich für ekelerregend halte) ist eine Folge des freiheitlichen Kampfes gegen den (fundamentalistischen) Islam - Sie bringen da Ursache und Wirkung durcheinander.

Chien de Pique
00
12.12.2011, 02:14
Das ist sie wohl nicht wirklich. Traditionell war das deutschnationale Lager antiklerikal - unter Haider hat sich das sicher etwas geändert, aber Strache, auch wenn er einmal mit einem Kreuz gewedelt hat und die Nähe zu den Orthodoxen sucht, ist

schon durch seinen flotten, max. seriell monogamen Party-Lebensstil kein Christist - und sonst gibt es in der Richtung auch nicht viel, Stadler ist ja beim BZÖ. Man setzt jetzt sicher tw. auf eine Art Kulturchristentum (wobei das schon durch das Werben um großstädtisch-entchristlichte WählerInnen rasch an seine Grenzen stößt), aber von Fundamentalismus ist wohl keine Rede, da geht es mehr um Dinge wie den Erhalt von Nikolaus im Kindergarten und Weihnachtsfeier in der Firma (religiös irrelevant).
Wenn DAS schon zur Partei der "Christisten" stempelt (ich habe kein Problem, zB einen Stadler so zu sehen), müsste man wohl selbst die linken, SÄKULAREN arabischen Parteien als Islamisten sehen: die taten weit mehr, zB Teile der Scharia einführen!

Toni Mayr
24
11.12.2011, 10:14

Das christliche Gedankengut ist Sozialismus pur! Alles andere ist Missbrauch der Reden Jesus bzw. der Aussagen der Bibel. Jesus hat nie über Gewinn, Eigentum oder Liberalisierung gesprochen. Er sagte: "Geben ist seliger als Nehmen" Darum hat er Marx und Engels die Grundlagen geliefert. Die Kirche heute ist mehr von Jesus entfernt als Chavez!

hallo tschüss
00
11.12.2011, 16:05

Ich würde das wirklich gerne unterschreiben, aber das Christentum hat soviel mit Sozialismus zu tun, wie Feuer mit Wasser. Marx und Engels waren Atheisten!

Toni Mayr
02
11.12.2011, 21:47

Ok, dann nicht das Christentum, aber Jesus bestimmt!

anders and
 
11
11.12.2011, 17:01

aber geistig von Christentum und Judentum mitgeprägte Atheisten...

hallo tschüss
00
11.12.2011, 17:45

Nein. Vom Christentum und Judentum mitgeprägte Atheisten?...Das widerspricht sich doch komplett!

Geisitg geprägt sind Sie von der Aufklärung! Die Religionen schmücken sich gerne mit fremden Federn z.B.: tun viele Christen so, als ob sie die Menschenrechte erfunden hätten, dabei mussten die Menschenrechte GEGEN den harten Widerstand der Religionen eingeführt werden.

anders and
 
22
11.12.2011, 18:18

Die Dinge lassen sich nicht so einfach und klar trennen. Die Aufklärung und die Menschenrechte sind keine Erfindung des Christentums, doch haben sie auch christliche Vorläufer und Einflüsse; etwa die Schule von Salamanca.

Bertrand Russel musste 80 Jahre alt werden bevor er bemerkte wie tiefgreifend ihn das Christentum beeinflusst hatte:

http://books.google.at/books?id=... &q&f=false

Vielleicht schaffen Sie es etwas früher?

hallo tschüss
10
11.12.2011, 19:54

Menschenrechte, Gleichbehandlung und Demokratie mussten doch in Europa gegen die katholische Kirche erkämpft werden. Der einzige Staat Europas der die Menschenrechte nicht ratifiziert hat, ist der Vatikan. Noch bis ins Jahr 1907 mussten katholische Theologen den Antimodernisierungseid schwören. (Bin mir beim Jahr jetzt nicht 100% sicher)

Natürlich gibt es einzelne Außnahmen innerhalb der Religion die sich für Menschenrechte etc. einsetzen wie die Schule von Salamanca. Sie schreiben so schön christliche Vorläufer und Einflüsse -> sie müssen es ergänzen mit negative Einflüsse.

Nein danke, ich werde es nicht schaffen! Ich bin froh, dass ich in einer Zeit lebe wo das Christentum an Bedeutung stark verloren hat!

anders and
 
21
11.12.2011, 20:05
jetzt setzen Sie - ob mit Absicht oder aus Naivität-

die katholische Kirche mit dem Christentum gleich.

Was soll schon dabei herauskommen, wenn man eine Idee (Menschenrechte, Aufklärung) mit einer Institution vergleicht? Keinerlei Erkenntnis, sondern nur Polemik.

Welche vorzeigbare Institution der Aufklärung können Sie denn anführen?

hallo tschüss
00
11.12.2011, 20:44

Natürlich mit Absicht. Wenn wir schon die wenigen positiven Aspekte einer Religion aufzählen, dann müssen wir auch über das große Negative einer Religion sprechen - der Institutionalisierung. Wenn wir schon über das Christentum sprechen, dann müssen wir auch über das Gesamtpaket Christentum diskutieren. & die katholische Kirche spielt doch leider keine unwesentliche Rolle im Christentum.

Natürlich gab es Erkenntnisse, nämlich dass das Weltbild der katholischen Kirche in jeglicher Hinsicht ein falsches ist. Oder kennen sie etwas Positives?

anders and
 
11
11.12.2011, 21:06
das Problem ist: ohne Institutionalisierungen können Sie nichts bewirken

und auch die institutionalisierte Aufklärung ist wirklich nicht besonders ansprechend.

Positiv an der katholischen Kirche ist die Sorge für Arme, Kranke, Alte, die in der Gemeinschaft mitgetragen werden sowie das Fehlen von Rassismus und Nationalismus. Die Aufklärung hatte da ein anderes Weltbild.

Wobei ich ehrlicherweise keine besonders große Lust verspüre die Kirche zu verteidigen.
Aber wenn Sie überhaupt keine positiven Seiten sehen wollen - was bleibt mir denn übrig?

hallo tschüss
00
11.12.2011, 22:19

Natürlich gibt es Diskriminierung in der katholischen Kirche. z.B.: Caritas. In der Caritas darf man nur arbeiten wenn man Mitglied der katholischen Kirche ist! & noch dazu wird die Cartias zu 70% vom Staat finanziert und nur 10% von der katholischen Kirche! (der Rest durch private Spenden).

Ich habe nie behauptet das die katholische Kirche nur negative Seiten hat, diese überwiegen aber extrem.

Verstehe nicht wie man so einen Glauben verteidigen kann, aber wir sind jetzt schon zu weit von der ursprünglich Diskussion weggekommen..

Hoffentlich erkennen Sie einmal den widerspruch zwischen Christentum und den Errungenschaften der Moderne.

anders and
 
11
11.12.2011, 22:41

wie kommen Sie auf den Schmarrn?

Sie können auch bei der Caritas arbeiten ohne katholisch zu sein.

hallo tschüss
00
11.12.2011, 22:56

versuchen sie mal als Konfessionsloser bei der Caritas zu arbeiten. Es wird ihnen nahe gelegt der katholischen Kirche beizutreten, um es freundlich auszudrücken.

hallo tschüss
10
11.12.2011, 22:13

Bei der Aufklärung ist das Problem, dass es innerhalb der Aufklärung viele verschiedene und auch widersprüchliche Weltbilder gibt (z.B.: Geschlechtsrollen wurde von einigen Leuten in der Zeit der Aufklärung biologisch/naturalistisch begründet -> wobei diese Geschlechtsrollen natürlich kompletter Schwachsinn sind). Trotzdem stammen die entscheidenden Errungenschaften der Menschheit aus dem antiken Griechenland, der Aufklärung & nicht aus dem Christentum oder dem Judentum.

Direkt predigt die katholische Kirche natürlich keinen Rassimus oder Nationalismus. Aber sehen sich doch alleine die Missionierungen in Lateinamerika an und der fast vollständigen Ausrottung der indigenen Bevölkerung -> die mehr Opfer gefordert hat als der Nationalsozial.

Chien de Pique
12
12.12.2011, 02:50
Das Beispiel Lateinamerika ist völlig unbrauchbar. Erstens starben die Menschen nicht durch die Missionierung, sondern in allererster Linie durch Seuchen (da hätte es nichts geändert, wenn Ihre kostbaren Griechen gekommen wären (die mit noch weniger

Skrupeln getötet, versklavt, gesiedelt hätten), die Araber, Chinesen oder moderne, aufgeklärte Atheisten, die Viren und Bakterien wären mit jeder Gruppe von Menschen aus den drei alten Kontinenten und ihrem Vieh mitgereist), daneben durch Vertreibung, Hunger, Waffen. Danach erfing sich die Zahl ja auch wieder.
Die Herrscher Europas und div. Abenteurer lockten Land, Seewege, Gold, Silber, exotische Güter, nicht wirklich die Möglichkeit, das Evangelium zu verbreiten, auch wenn das natürlich eine Legitimation war. Die Kirche ging primär mit (und zB die Jesuitenreduktion war fast noch ein Lichtfleck im Dunkel). Es wäre wohl eher noch schlimmer gekommen, wenn nicht die Vorstellung gewesen wäre, dass auch die Indigenen Menschen samt Seele sind.

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