Im Parlamentsbüro von Graf sind Leute am äußersten rechten Rand schon eine liebe Gewohnheit
In Deutschland wird immer ernsthafter ein Verbot der rechtsextremen Partei NPD erwogen. In Österreich ist ein Rechtsextremer, der aus der steirischen FPÖ rausgeschmissen wurde, Mitarbeiter des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf im Parlament.
Das ist der Unterschied zwischen Deutschlands und Österreichs politischer Kultur. Im Parlamentsbüro von Graf sind Leute am äußersten rechten Rand schon eine liebe Gewohnheit. Der aktuelle Fall ist so rechts, dass er selbst der sehr rechten steirischen FPÖ nicht mehr tragbar erschien. "Er hat sich mit Kräften verbündet, die antidemokratische Ziele verfolgen" , sagte der steirische FPÖ-Obmann Gerhard Kurzmann (der selbst kürzlich wegen Verhetzung vor Gericht stand, aber freigesprochen wurde). Kurzmann weiter: "Skindheads haben kein demokratisches Gedankengut." Für ein Platzerl im Büro des Dritten Nationalratspräsidenten reichte es aber noch.
Vor kurzem beklagte Martin Graf die "bürgerliche Feigheit" jener Aktionäre des Hofburg-Kongresszentrums, die den Ball des "Korporationsrings" der schlagenden Burschenschafter - darunter einige rechtsextreme Verbindungen (auch die von Graf) - nicht mehr in der Hofburg haben wollen. Man wird allerdings eher über die "bürgerliche Feigheit" jener reden müssen, die Graf ins Nationalratspräsidium gewählt haben und ihn nicht abwählen, obwohl es dafür eine Mehrheit gäbe. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2011)