Staatsholding kämpft an mehreren Fronten

Luise Ungerboeck Andreas Schnauder, 9. Dezember 2011, 21:29

Die ÖIAG hat bei der Telekom Austria und OMV genug Probleme, aber kaum Spielraum

Wien - Die Wirtschafts- und Währungskrise in Weißrussland und die daraus resultierenden Probleme der Telekom Austria (TA) mit ihrer Tochter Velcom in Minsk haben auch die Staatsholding ÖIAG aufgescheucht. Kapitalvertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat äußern sich sehr besorgt über das 2007 getätigte Milliardeninvestment und dessen Auswirkungen auf die TA.

Die könnten, wie berichtet, heftig ausfallen. Denn die TA muss sich bilanziell für die Hyperinflation in der Ex-Sowjetrepublik rüsten. Das sollte zwar die dünne Eigenkapitaldecke der TA nicht schmälern, wohl aber Ergebnis und Gewinn kosten. Womit die bereits kritisierte Dividendenstrategie der TA (für 2011 und 2012 sind 0,76 Euro je Aktie avisiert, was pro Jahr rund 330 Mio. Euro kostet) auch bei ÖIAG-Aufsehern Kopfschütteln auslöst. Wiewohl als Großaktionär Hauptprofiteur hoher Ausschüttungen, mehren sich auch in Regierungskreisen die Stimmen, die "mit der TA-Dividendenpolitik nicht glücklich sind" und - hinter vorgehaltener Hand - eine Dividendenkürzung fordern. Auch Neo-TA-Großaktionär Marathon, vertreten durch Investor Ronny Pecik, soll eigenkapitalstärkende Maßnahmen befürworten. Das Problem: Seit sich Marathon (mit Ex-Orascom-Eigner Naguib Sawiris an Bord) in die TA eingekauft hat, fehlt der Verstaatlichtenholding ÖIAG jeder Spielraum. Drängt sie TA-Chef Hannes Ametsreiter und Finanzchef Hans Tschuden zur Dividendenkürzung, gibt der Aktienkurs nach und der Neogroßaktionär kann sich noch billiger einkaufen.

"Aktiver Eigentümer" Pecik

Hält die TA am Dividendenversprechen fest, verringert sich die auf zehn Prozent geschmolzene Eigenkapitaldecke des Konzerns weiter. Peciks Ankündigung, "eine aktive Eigentümerrolle" spielen und eigenkapitalstärkende Maßnahmen forcieren zu wollen, kann zweierlei bedeuten: Dividendenbremse oder Kapitalerhöhung. Laut Presse soll Pecik vier Sitze im achtköpfigen Aufsichtsrat und "drei bis vier" statt derzeit zwei Vorstände fordern.

Auch eine Kapitalerhöhung bedeutet für die ÖIAG Ungemach, denn dann müsste sie TA-Aktien kaufen, um ihre 28,42 Prozent zu erhalten. "Eigenkapitalbedarf und ein unwilliger Kernaktionär, das ergibt ein explosives Gemisch" , ätzen Experten. TA-Korruptionsskandal und Untersuchungsausschuss runden das Bild ab. "Telekom und ÖIAG sind gelähmt" , sagt ein Aufsichtsratsmitglied.

OMV im Partnerclinch

Auch an einer zweiten Front gleicht die von Peter Michaelis im Juni an Ex-Industrie-General Markus Beyrer übergebene ÖIAG eher einem Tollhaus denn "einem wohlbestellten Haus" . Bei der OMV deutet einiges auf einen Clinch mit Langzeit-Partner IPIC aus Abu Dhabi (24,9 Prozent) hin.

Dem Vernehmen nach wollten die Investoren aus Abu Dhabi der OMV die gemeinsame Kunststoff-Beteiligung Borealis und die vor wenigen Jahren von OMV und Borealis in der Raffinerie Schwechat um 400 Mio. Euro errichtete Produktion von Crackern (Vorprodukt für Kunststoffe) abnehmen. Die OMV lehnte ab, nun schiele IPIC auf die ganze OMV, sagen Auskenner.

Andere Quellen sehen die Lage weniger dramatisch. IPIC habe bei den Wettbewerbsbehörden die Anteilsaufstockung als Vorsorgemaßnahme gemeldet, um für einen allfälligen Aktienrückkauf der OMV gerüstet zu sein. Der Hintergrund: Kaufte OMV ihre unterbewerteten Aktien zurück, würde der IPIC-Einfluss automatisch über 25 Prozent steigen. Deshalb seien, so das Argument der Anwälte, vorsorglich die Kartellwächter eingeschaltet worden.

AK-Direktor Werner Muhm findet harte Worte für die ÖIAG. Mit Telekom und OMV seien nun zwei wichtige Betriebe Übernahmekandidaten. Jetzt zeige sich, dass man mit 25 oder 28 Prozent Anteilen nichts in der Hand habe. Die ÖIAG bezeichnet Muhm als "Inzuchtverein" im Dunstkreis der Industriellenvereinigung. Die Telekom sei zu so hohen Dividenden genötigt worden, dass ihre Eigenkapitalausstattung bedrohlich geschrumpft sei. Ab acht Prozent sei ein Restrukturierungsverfahren einzuleiten. Allerdings erfüllt die TA die acht Prozent Eigenkapitalquote locker, sie bezieht sich auf HGB. Dünn ist die Eigenkapitaldecke gemäß internationalen Bilanzregeln (IFRS).

Ausreichend Schutz vor einer feindlichen Übernahme sieht Muhm nur bei der Post. Er glaubt nicht, dass hier ein neuer Anlauf für einen Einstieg der Deutschen Post vorbereitet wird. Gerüchten zufolge soll eine Partnerschaft der Konzerne Thema beim Treffen von Bundeskanzler Werner Faymann mit Amtskollegin Angela Merkel in Berlin gewesen sein. (Luise Ungerboeck, Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10./11.12.2011)

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1 2
gebdensenfdazu
00
10.12.2011, 20:24

Hilfe Hilfe unsere Boni sind in Gefahr!, dabei trifft uns gar keine Schuld, wir haben in den Zukunftsmarkt "Weißrussland" investiert ....

Mahan welche Leute haben da das Sagen???

Wann werden solche Typen endlich in ner Anstalt auf geistige Zurechnungsfähigkeit geprüft?

Wer investiert in die letze Diktatur Europas? klarer fall die TA :)

.........1
01
10.12.2011, 18:49
ein erbe von schwarz blau, den grossen wirtschaftsexperten

locken
10
10.12.2011, 14:14
Öiag Abschaffen !

Böotier
23
10.12.2011, 14:06

Die OMV ist mMn eines der schlechtest geführten Unternehmen die ich kenne. Man vergleiche nur die Kursentwicklung im Vergleich zu den anderen Ölkonzernen und erinnere sich an die plumpen Übernahmsversuche.

Der politische Einfluss kommt auch hier negativ zum Tragen und schlägt sich leider im Kurs nieder. Überall wo Politiker ihre Freunderl platzieren wird Vermögen vernichtet, obwohl es offensichtlich sein müsste, dass so ein Konzern ein Topmanagement benötigen würde.

Wenn sich nichts ändert, wird die OMV ohnehin bald ein wirklicher Übernahmekandidat - bei dem Kurs würde es mich nicht wundern. Es kann jedenfalls nur besser werden.

Bastibastibasti
00
11.12.2011, 13:58

andere einflussfaktoren gibt es ihrer meinung nach nicht?

hoffe sie handeln keine aktien....

Kritiker1A
02
10.12.2011, 16:06
Es braucht kein Topmanagement , es reicht schon wenn keine Parteisoldaten-Schmarotzer am Ruder sitzen.

Walter Kaiser.
00
10.12.2011, 20:34
Ein Kovats wär grade zu haben.

Entspricht genau ihren Anforderungen. Oder wie wärs mit dem Herrn Welsbach? Allerdings dauerts noch ein bissl bis der frei wird.

Confusius
21
10.12.2011, 11:06
ÖIAG raus, Wealth-Fund rein

Staatliche Industriepolitik als Eigentümer ist zum Scheitern verurteilt.
Es ist zu begrüßen, wenn der Staat Vermögenswerte hält. Insbes. wenn diese werthaltig sind, und eine höhere Rendite erwirtschaften als das Fremdkapital, mit dem sie finanziert werden.
Dies sollte aber lediglich auf Anlegerbasis erfolgen, nicht mit dem Ziel industrielle Führerschaft zu erlangen.
Daher: die ÖIAG in ihrer jetzigen Form abschaffen, Einrichtung eines Wealth-Funds, der nimmt dann Beteiligungen von max. 10% an gewinnträchtigen Unternehmen (egal wo diese sein mögen!) vor, und hält sich aus der Geschäftsführung raus.
Vorbild ist Norwegen - auch wenn die Ihre Beteiligungen aus Eigenkapital, und nicht durch Schulden finanziert haben ..

Kritiker1A
00
10.12.2011, 16:09
Die ÖIAG ist ja eigentlich ein vollkommen sinnloses Konstrukt, weil die ÖIAG selbst ja keinen Einfluß auf eine Aktiengesellschaft nehmen kann.

Nur Verstände oder Aufsichtsräte können in einer AG mitreden. Eigentümer können zwar bei Versammlungen Ihre Stimme abgeben, dass wars dann aber schon.
Dazu braucht man aber keine eigene Firma mit Gehältern, die jenseits von Gut und Böse angelagert sind.

Daher sit Alles was in der ÖIAG gemacht wird vollkommen sinnlos.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
44
10.12.2011, 09:55
Mehrfrontenkrieg vermeiden..

Waere in diesem Fall sehr einfach, fuer den oesterreichischen Steuerzahler profitabel: Einfach den ganzen Krempel - inklusive OeBB - auf dem freien Markt verkaufen.

Privatisierung waere auch der politischen Hygiene zutraeglich: Ein Sektor mehr, wo Leistung mehr zehlt als parteipolitische (oder sonstige) Verbindungen.

Titus Petronius
40
10.12.2011, 12:09

Das wär ja was. Der Staat würde sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren, anstatt Unternehmer zu spielen.

Ich kann die Sozis, die roten wie die braunen, jetzt schon jaulen hören 'das Taaaafelsilber wird verscherbelt, das Taaafelsilber!!' Thihi :))

centerum censeo
00
10.12.2011, 09:45
super-spassig

das schöne an der post ist, daß bei diesem verein wirklich kaum eine feindliche übernahme passieren wird. besonders spassig ist freiliche die angeblich zwischen faymann und merkel besprochene kooperation. wie kooperationen mit ( deutlich größeren ) deutschen und österreichischen firmen laufen, ist ja hinlänglich bekannt.

Müffeltiger
 
02
10.12.2011, 01:20
Auskenner?

endlich mal ein erfrischendes Vokabel anstatt der ewigen "Experten" ;-)

madathara
217
9.12.2011, 22:22

im zuge der großen umverteilung vom volk zu den oberen 1-5% wird es nicht lange dauern und sämtliches österreichisches familiensilber wird verscherbelt sein. schuldenbremse und stabilitätspakt sind gute instrumente um staaten dazu zu zwingen ihr letztes vermögen den superreichen und den banken zu überschreiben um die schulden nicht weiter steigen zu lassen. und was ist wenn alles verscherbelt ist? dann haben wir nach wie vor schulden aber besitzen nichts mehr. diese ausbeuterei des volkes und der staaten muss endlich ein ende haben. reicht es nicht schon, dass 10% der bevölkerung 90% des vermögens besitzen? wollen die wirklich alles haben?

scrollradl
 
00
10.12.2011, 19:45
aus familiensilber wurde katzengold

verkauft den krempel solange er noch etwas wert ist

madathara
00
10.12.2011, 23:42

wieso soll die bundesimmobiliengesellschaft mit zigtausend wohnungen in östereich nix wert sein oder werden? oder eine komplette bahngesellschaft mit sämtlicher infrastruktur? oder die voest ? oder die post?

schaffen sie das mal aus dem nichts, dann sehen sie wie teuer "nix wert" sein kann.

deswegen wollen ja mit der schulden und zinspresse die oberen 1-5% uns diese unternehmen abpressen. diese unternehmen stellen einen enormen wert dar und sehr viel macht und das wissen die superreichen und deswegen wollen sie auch das das alles privatisiert wird.

Sommerwiese
00
10.12.2011, 15:57

man kann ja auch wieder verstaatlichen (siehe hugo chavez)

madathara
00
10.12.2011, 23:44

bei uns gehts aber ganz in die andere richtung. sämtliches volksvermögen wird momentan zu den oberen 1-5% umverteilt. und die eu und auch österreich machen dazu die schutzgesetze für die superreichen und die finanzelite.

FrostY Iceberg
31
10.12.2011, 09:35

Wenn wir noch warten, dann müssen wir noch hunderte Millionen zahlen damit die Firmen wer nimmt, siehe AUA.
Sozialismus ist leider auch nicht die Lösung.

madathara
02
10.12.2011, 12:24

ja wenn wir weiter nach den spielregeln der oberen 1-5% spielen. aber es ist zeit endlich spielregeln für die menschen, für das volk zu machen. dafür hätten wir eigentlich die politiker gewählt. aber die verschärfen die spielregeln für uns soagar noch zugunsten der superreichen und der finanzelite.

FrostY Iceberg
00
10.12.2011, 13:35

Wenn ich mir den Vorweihnachtlichen Einkaufswahnsinn ansehe habe ich wenig Hoffnung. Die Leute sind auf höher schneller weiter fokussiert.

Schnurz Homunculus
11
10.12.2011, 08:55
wer sich freiwillig verschuldet,

muss sich auch gefallen lassen, dass ihm Daumenschrauben angelegt werden.

madathara
12
10.12.2011, 12:14

die daumenschrauben gehören den oberen 1-5% angelegt die einen großteil des vermögens besitzen den sie ungerechtfertigt auf kosten des volkes anhäufen konnten.

madathara
01
10.12.2011, 12:13

das volk hat sich nicht freiwillig verschuldet. die gesetzgebung hat jahrzehntelang zugelassen, dass einige wenige unverhältnismäßig viel bekommen haben. dieses mehrvermögen von diesen oberen 1-5% fehlte dann natürlich beim staat bzw. beim volk. um das auszugleichen nahm der staat schulden auf. nur die verursacher, die oberen 1-5% haben das ganze ausgelöst weil sie auf kosten des staates und des volkes irrsinnige vermögen angehäuft haben. und um diese vermögen jetzt zu schützen soll das volk bluten? nein danke, die oberen 10% besitzen 90%, das sagt ja schon alles!

Schnurz Homunculus
00
11.12.2011, 09:42
träumen Sie weiter von heißen Eislutschern...

und lassen Sie nur die Scheuklappen bei den Augen.

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