Wahlkommission: Amtierender Präsident Kabila mit 49 Prozent bestätigt - Oppositionsführer Tshisekedi: "Betrachte mich als gewählter Präsident"
Johannesburg/Kinshasa - In der Demokratischen Republik
Kongo hat sich nach der Präsidentenwahl der oppositionelle Herausforderer
Etienne Tshisekedi am Freitag selbst zum Präsidenten ausgerufen. Zuvor war
Amtsinhaber Josef Kabila von der Wahlkommission zum Sieger der Stichwahl erklärt
worden. "Ich betrachte diese Ergebnisse als eine echte Provokation des
kongolesischen Volkes. Als Konsequenz betrachte ich mich ab heute als gewählter
Präsident der Demokratischen Republik Kongo", sagte Tshisekedi dem Sender RFI
Radio.
Der 78-jährige Oppositionsführer dankte seinen Landsleuten "für ihr
Vertrauen". Sie sollten "angesichts der kommenden Ereignisse wie ein Mann hinter
mir stehen". Die "internationale Gemeinschaft" solle ihren Einfluss geltend
machen, um weiteres Blutvergießen auf kongolesischem Boden zu vermeiden. Bei
Zusammenstößen von Anhängern rivalisierender Gruppen waren nach Angaben von
Human Rights Watch zuvor mindestens 18 Menschen getötet worden.
Leere Straßen in Kinshasa
Kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses leerten sich die Straßen der Hauptstadt
Kinshasa. Bereitschaftspolizisten in voller Montur gingen in Stellung.
Gleichzeitig waren in einigen Stadtvierteln Schüsse zu hören. Kabila hat mit dem
Einsatz der Armee für den Fall gedroht, dass Proteste gegen das Wahlergebnis aus
dem Ruder laufen sollten.
Kabila erhielt nach Angaben der Wahlkommission 49 Prozent der abgegebenen
Stimmen und setzte sich gegen zehn andere Kandidaten durch. Sein stärkster
Rivale Etienne Tshisekedi kam demnach auf 32,3 Prozent. Nach dem Wahlgesetz ist
eine Stichwahl nach einer Verfassungsänderung im Jänner nicht notwendig, dem
Sieger reicht eine einfache Mehrheit. Das Wahlergebnis sollte noch vom obersten
Gericht bestätigt werden.
Internationale Beobachter hatten Unregelmäßigkeiten während der Abstimmung
kritisiert. Drei Oppositionskandidaten forderten die Annullierung der Wahl.
Ursprünglich sollte der Gewinner bereits am Dienstag bekanntgegeben werden,
jedoch konnten nach Behördenangaben nicht alle Wahlzettel aus den entlegenen
Gebieten des riesigen Landes rechtzeitig ausgezählt werden. Die Wahlbeteiligung
lag nach offiziellen Angaben bei 58 Prozent der 31 Millionen registrieren
Wähler.
Die Demokratische Republik Kongo ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa
fünf Millionen Menschen starben in einem erst 2003 zu Ende gegangenen
Bürgerkrieg. Im Norden und Osten des Landes kommt es noch immer zu Gewalt.
Kabila übernahm das Präsidentenamt im Jahr 2001 nach der Ermordung seines
Vaters, Präsident Laurent-Desire Kabila. (APA/Reuters)