Trauner erhängte sich nach einem Amoklauf - Grüne bekritteln, warum der Suizidgefährdete eine Einzelzelle bekam
Der Amoklauf von Johann Neumüller, der in Traun einen 63-jährigen Mann ermordete und dessen Gattin und dessen Sohn lebensgefährlich verletzte, wirft Fragen auf. Wie die Wochenzeitung „Falter" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, verübte der Trauner die Tat am selben Tag, an dem der Attentäter Anders Behring Breivik seine Blutspur durch Norwegen zog und 77 Menschen tötete. Der Österreicher hatte nicht nur denselben Zeitpunkt gewählt, sondern auch dasselbe Mordmotiv: den Hass auf Ausländer. Seine drei Opfer kamen aus Rumänien.
Umstritten ist nicht nur, warum der Mörder eine Kleinkaliberwaffe besaß, obwohl ihm schon vor Jahren der Waffenbesitzschein abgenommen worden war. Unklar ist auch, warum Neumüller in der Linzer Justizanstalt in eine Einzelzelle gesteckt wurde, in der er sich schließlich erhängte. Denn Selbstmordgefährdete werden nie in Einzelhaft gesteckt - und Neumüller hatte eindeutig an Suizid gedacht; das geht aus seinem Schriftstück hervor, das er wenige Wochen vor seinem Selbstmord verfasste. Darin hatte der Attentäter um einen Strick gebeten. Maria Buchmayr, Menschenrechtssprecherin der Grünen, betrachtet dieses Vorgehen der Justizanstalt als "skandalös".
"Wir haben sehr viel getan"
Ob jemand, der in die Justizanstalt eingeliefert wird, Selbstmord-gefährdet ist, wird mit den immer gleichen Fragen des so genannten VISCI-System festgestellt. Das Ergebnis wird in den Ampelfarben dargestellt, nur die Farbe Grün ermöglicht eine Unterbringung in Einzelhaft. "Als Neumüller eingeliefert wurde, war die Ampel grün", sagt Peter Prechtl, Sprecher der Vollzugsdirektion, gegenüber derStandard.at.
Aber warum steckten ihn die Justizwachebeamten nicht in eine Gemeinschaftszelle, nachdem Neumüller um einen Strick gebeten hatte? Prechtl sagt, man habe sehr wohl auf das Schriftstück reagiert. Der Mörder hätte deshalb mit dem Anstaltsleiter sprechen müssen: "Er hat gesagt, er wollte damit nur Aufmerksamkeit erregen. In diesem Zusammenhang sprach er auch mit der Anstaltsärztin und mit der Anstaltspsychologin", sagt Prechtl. "Auch die Psychiaterin hat zweimal mit ihm gesprochen, aber die konnte auch nichts feststellen. Wir haben also sehr viel getan."
Verfahren eingestellt
Erhängt hat sich der Mörder trotzdem. Die Staatsanwaltschaft Linz verkündete, dass das Verfahren gegen den Verdächtigen aufgrund seines Todes eingestellt wurde. Auch ein psychiatrisches Gutachten habe deswegen nicht mehr fertiggestellt werden können.
Seitens der Vollzugsdirektion werde aber zumindest der Selbstmord untersucht. "Wir werden uns den Fall noch einmal anschauen, so wie wir uns jeden Selbstmord noch einmal anschauen", sagt Prechtl. Eine Gruppe, die aus drei Psychologen, einem Psychiater und einer Pädagogin besteht, wird in den nächsten Tagen mit dem Linzer Anstaltsleiter sprechen und den Fall Neumüller durchleuchten.
"Es könnte etwas in der Organisation verändern. Eine Überlegung ist, dass wir die Fragen des VISCI-System überarbeiten", sagt Prechtl. Sollte sich etwas ändern, liege das aber nicht nur am aktuellen Fall Neumüller, sondern an allen Selbstmorden in Haftanstalten. (red/APA)