Der Wechsel von New Orleans' Starspieler Chris Paul nach L.A. war praktisch fix, die Liga hat aber Veto eingelegt und den Deal verhindert: Eine Schock-Entscheidung
New York - Chris Paul, Pointguard bei den New Orleans Hornets, wird nicht zu den Los Angeles Lakers wechseln. Dabei waren sich Los Angeles, Houston und New Orleans bereits einig: Die Lakers wollten Pau Gasol und Lamar Odom zu den Hornets traden und hätten im Gegenzug Chris Paul bekommen, als drittes Team im Geschäft hätten die Rockets von New Orleans Gasol bekommen und dafür im Tausch Luis Scola, Kevin Martin, Goran Dragic erhalten.
Obwohl sich die involvierten Clubs einig waren, stimmte die NBA in Person von Commissioner David Stern gegen den Deal. Er soll nicht "im besten Interesse der Liga gewesen sein". Gerüchteweise soll eine Gruppe von Team-Besitzern, die sich in New York trafen um den neuen Tarifvertrag abzuschließen, heftig gegen einen Paul-Deal zu den bereits mit Stars gespickten Lakers protestiert haben. Stern könnte sich zu einer Intervention überreden haben lassen.
Die Liga wiederum sagt, die Besitzer hätten den Deal nicht verhindert. "Man habe den den Trade aus basketballerischen Gründen abgelehnt", widersprach NBA-Sprecher Mike Bass. Die "New York Times" und "Yahoo! Sports" erhielten aber eine Email von Clevelands Besitzer und Enfant terrible Dan Gilbert, der an Stern adressiert war: In diesem Mail soll Gilbert den Paul-Trade als "Travestie" bezeichnet haben und eine Abstimmung gefordert haben.
Durch das Veto der NBA ist jetzt eine seltsame Situation entstanden, ein Präzedenzfall könnte geschaffen worden sein. Wie reagiert die Liga in Zukunft bei Trades, die die Kräfteverhältnisse in der Liga entscheidend verändern könnten? Paul reagierte auf seiner Twitter-Seite mit einem einfachen "WoW", Lamar Odom äußerte sich via Twitter wie folgt: "Wenn ein Team dich tradet und dann bricht der Deal plötzlich zusammen? Was jetzt?"
Die Sache ist durchaus auch deswegen pikant, weil die NBA seit letzten Dezember Besitzer der Hornets ist, jedoch immer betont hatte, dass das Vereins-Management Basketball-Entscheidungen eigenständig treffen könne.
Neuer Traifvertrag in trockenen Tüchern
Der Lockout ist unterdessen offiziell beendet. Am Donnerstag stimmten Teambesitzer und Spieler dem neuen Tarifvertrag erwartungsgemäß zu. Beide Seiten hatten sich bereits am 26. November auf eine "vorläufige Vereinbarung" geeinigt. Somit ist der viertlängste Lockout des nordamerikanischen Profisports nach 161 Tagen Geschichte.
Am Freitag starten die Teams mit der Vorbereitung auf die 66. Saison, die am 25. Dezember unter anderem mit der Partie zwischen Titelverteidiger Dallas Mavericks und Vizemeister Miami Heat beginnt.
Die Eigner votierten mit 25:5-Stimmen für den neuen, zehnjährigen Vertrag. Nach Angaben der Gewerkschaft NBPA wurde der Kontrakt von 86 Prozent der 200 Profis, die sich per elektronischer Abstimmung beteiligt hatten, akzeptiert.
Das neue Arbeitspapier sieht unter anderem eine 50:50-Aufteilung der künftigen Jahreseinnahmen vor. In der vergangenen Saison betrugen die Einnahmen rund 4,3 Milliarden Dollar. Verträge haben eine Maximal-Dauer von fünf Jahren (bisher sechs). Die Gehaltsobergrenze liegt bei 58,044 Millionen Dollar, darf im Gegensatz zur Eishockey-Liga NHL jedoch überschritten werden. Das Budget-Minimum beträgt pro Team 46,435 Millionen Dollar. (vet, derStandard.at)