Narben in der Seele, Narben im Gehirn

9. Dezember 2011, 16:34

Langzeitfolgen von Kindesmisshandlung mittels Magnetresonanz-Tomografie im Gehirn nachweisbar

Menschen, die als Kind misshandelt wurden, leiden meist ihr Leben lang unter den seelischen Folgen. So haben Erwachsene, die als Kind Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung ausgesetzt waren, ein erheblich höheres Risiko, an psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen zu erkranken. Wissenschaftler vom interdisziplinären Otto-Creutzfeldt-Zentrum für kognitive - und Verhaltensneurowissenschaften der Universität Münster haben nun erstmals gezielt die Langzeitfolgen von Misshandlungserlebnissen mittels Magnetresonanz-Tomografie (MRT) untersucht. Die Daten zeigen, dass die Folgen von Gewalterfahrungen im Kindesalter noch Jahrzehnte später in den Gehirnen der Betroffenen nachweisbar sind.

Die Forscher befragten eine große, repräsentative Stichprobe psychisch gesunder Erwachsener zu Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Mittels MRT vermaßen sie zum einen Gehirnstrukturen der Probanden, also die Größe einzelner wichtiger Gehirnbereiche. Zum anderen zeichneten sie die Gehirnaktivität der Probanden während des Betrachtens wütender und furchtvoller Gesichter auf.

Kleinere Gehirnstrukturen für Emotionsregulation

Die Ergebnisse zeigten ein eindeutiges Bild: Über je mehr Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung die Probanden berichteten, desto kleiner waren wichtige Gehirnstrukturen wie zum Beispiel der für Lernen- und Gedächtnis wichtige Hippocampus oder der für die Emotionsregulation zuständige Stirnlappen. Außerdem zeigten Probanden mit Gewalterlebnissen eine deutliche Überaktivität des Mandelkerns, einer zentralen Struktur des Furchtnetzwerks im Gehirn.

Die Auffälligkeiten in den Gehirnen der als Kind misshandelten Probanden haben erhebliche Ähnlichkeiten mit jenen Veränderungen im Gehirn, die depressiv Erkrankte häufig aufweisen. Daher könnten diese Veränderungen das höhere Risiko für das Auftreten psychischer Störungen bei Menschen mit Gewalterfahrungen erklären, schlussfolgern die Forscher.

Die Studie ist online erschienen und wird demnächst in der Printausgabe der Fachzeitschrift "Biological Psychiatry" veröffentlicht. (red)

Originalpublikation:

Dannlowski U. et al. (2011): Limbic Scars: Long-Term Consequences of Childhood - Maltreatment Revealed by Functional and Structural Magnetic Resonance Imaging. Biological Psychiatry In Press; doi:10.1016/j.biopsych.2011.10.021

 

Kommentar posten
17 Postings
kl41
00
12.12.2011, 09:42

Allmählich frag ich mich ja, ob bei mir ein anderer Beitrag steht als bei allen anderen in diesem Forum???

Harry Y.
 
00
12.12.2011, 15:22

Aber erklärt haben Sie diese Ansicht nicht.

Harry Y.
 
00
12.12.2011, 04:08
Es wäre im Sinne ihrer Bürger und aller Menschen dieser Welt,

wenn auch der Staat/die ganze Welt (besonders, aber nicht nur, die Rechtskonservativen+Ultrarechten) begänne, sich von Gewalt und Zwang möglichst zu verabschieden:

ich spreche natürlich auch von Todesstrafe und Folter, _in unseren Breiten aber_ von solchen Dingen wie Schubhaft, Anschub, manifester Armut, Obdachlosigkeit (hier sind unverzüglich Immobileneigentümer aufgefordert), und Beschäftigungszwangsverpflichtungen jeder Art, Cuts am Mindesteinkommen weit unter der Armutsgrenze natürlich inklusive. UND ÜBERWACHUNG/surveillance!

Ich bin übrigens fast neugierig, ob es jemals für diese meine psychische Krankheit (siehe oben) ein BEHANDLUNGSANGEBOT gibt. <sarkasmus>

helmutkrenmair
02
12.12.2011, 02:28
falsche Behandlung 40 Jahre

Ich sollte eigentlich Ärzte,PVA,GKK und weitere...verklagen.Ich tue es vielleicht noch.Ein Opfer.......Ich bin auf der Suche nach einen SEHR GUTEN ANWALT.....Warum-Sie haben mich kein einzigesmal gefragt,was mir fehlt usw.OPFER wird zum TÄTER....

Harry Y.
 
00
12.12.2011, 03:40

Wenn Sie möchten: schicken Sie mir doch darüber ein Mail. (Anwalt bin ich keiner, nur ein Mitmensch.) Antworte garantiert :)

astemp79
12
11.12.2011, 16:29
Und was bedeutet das darüber hinausgehend?

RICHTIG:
Die Psyche ist es, die das Geschehen im Körper steuert. Jede nicht verarbeitete seelische Emotion, jeder Schmerz, jede Ent-Täuschung manifestiert sich im Körper, in bestimmten Körperregionen (Organen), schwächt diese und kann, wenn "das Fass überläuft", wenn der Organismus nicht mehr gegensteuern kann, zu Krankheit führen.

Hier wäre jetzt endlich der Ansatz, an dem die westliche Schulmedizin zu arbeiten beginnen könnte, um zu einer ganzheitlichen Sichtweise zu gelangen.
Ein Blick über den Tellerrand zu viel, viel älteren Medizinrichtungen würde es ihr erleichtern.
Es ist an der Zeit, aufzuwachen!

marty fink
30
11.12.2011, 18:51
Zurück zum Regentanz!

Friedrich der Große
02
11.12.2011, 16:03
Opfer werden Täter

Was hier leider nicht angesprochen wird ist das seelische Leid, das den Kindern zugefügt wurde und ihnen viele Chancen in ihrem Leben nimmt bzw. sie auch sehr früh in Invliditätspensionen drängt.
Problematisch ist dabei auch das Verhalten vieler Psychiater, die, um möglicherweise die Täter zu schützten, dann noch mit schweren Medikamenten und Einbildung von Phantasiegebilden die Opfer noch zusätzlich stärker belasten; daher werden sehr oft Opfer noch als Täter bezeichnet.
In der Nazizeit war ja die Psychiatrie ein willfähriges tool des Regiemes (die Rechtfertigung für Massenmorde); man kann nur hoffen, dass sich das 70 Jahre später doch normalisiert und verbessert

keywords
00
12.12.2011, 10:20

ich kann ihnen nicht folgen, bitte erklären sie anhand von einem fallbeispiel.

Friedrich der Große
01
14.12.2011, 10:41
Beispiel

Unter dem Deckmantel der Medizinforschung wurden unter Anleitung von Psychiater beinträchtigte Personen für sog. medizinische Forschungszwecke massenhaft umgebracht z.B. in Hartheim

silvia herz
01
11.12.2011, 08:40

dass gewalt im frühen kindheitsalter auswirkungen auf die entwicklung cerebraler proszesse hat emin auch dr. sindelar von der sigmund freud uni in wien: http://www.babylog.at/2010/stor... ger-gehen/

Alo
03
11.12.2011, 00:50

Das ist bei Erwachsenen mit traumatisierenden Gewalterfahrungen auch nicht anders und ebenso bildgebend darstellbar.
Bei Kindern ist es natürlich noch katastrophaler.

kl41
52
10.12.2011, 11:03

So, und jetzt "vermessen" wir noch die Gehirne der misshandelnden Eltern dieser Leut, stellen fest, dass die auch schon keinen gscheit entwickelten Frontallappen hatten (ansosnten hätten sie vielleicht nicht misshandelt) und schon sind wir wieder bei den biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Das mit den Kausalitäten is halt immer so eine Sach.

Toeris
16
10.12.2011, 11:11

Und dann vermessen wir noch die Gehirne von denen, die es toll finden sich auf Kosten von Opfern zu profilieren.

kl41
00
11.12.2011, 12:39

ja, die Frage nach der Ursache für misshandelndes Elternverhalten und ob die hier dokumentierten Folgen nicht eher Folgen der Ursache des Elternverhaltens und nicht des Elternverhaltens an sich sind, war zu hoch für die Poster hier - das seh ich jetzt ein.

subspace99
00
12.12.2011, 16:15

Habe ich Sie richtig verstanden, dass sie einwenden, dass die unterschiedlichen Ausprägungen der Gehirnregionen schlicht ererbt und nicht erworben sein könnten und die Gewalterfahrungen damit ein Indikator und nicht die Ursache wären?

Harry Y.
 
00
12.12.2011, 03:46
Ach wissen Sie,

die Folgen von Gewalt spürt man gleich, sie sind nämlich ziemlich auffällig. Es gibt eine eindeutige Vorher-Nachher-Symptomatik.

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