Rekord-Objekt

Stern mit bewegter Geschichte steht kurz davor, zerrissen zu werden

10. Dezember 2011, 18:00
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    foto: eso/m.-r. cioni/vista magellanic cloud survey/cambridge astronomical survey unit

    Der Rekord- Stern VFTS (Pfeil) 102 im Tarantelnebel der Großen Magellanschen Wolke hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

VFTS 102 in der Großen Magellanschen Wolke ist die am schnellsten rotierende bekannte Sonne

Astronomen haben mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile in der Großen Magellanschen Wolke den am schnellsten rotierenden bekannten Stern ausgemacht. Die helle junge Sonne ist besonders massereich und dürfte auf eine abenteuerliche Vergangenheit zurück blicken. Die Forscher nehmen an, dass sie ursprünglich Teil eines Doppelsternsystems war und herausgeschleudert wurde, als ihr Partner als Supernova explodierte.

Das internationale Astronomenteam hat mit dem VLT eine Durchmusterung des Tarantelnebels in der Großen Magellanschen Wolke durchgeführt. Ziel der Suche waren die leuchtkräftigsten und massereichsten Sterne des Nebels. Unter den vielen hellen Kandidaten fiel den Wissenschaftern insbesondere der Stern mit der Bezeichnung VFTS 102 auf: Messungen zeigen, dass er mit einer enormen Geschwindigkeit rotiert - die Äquatorregionen der Oberfläche laufen dabei mit mehr als 2 Millionen Kilometern pro Stunde um das Sternzentrum. Das entspricht mehr als der 300fachen Rotationsgeschwindigkeit unserer Sonne. Der Stern ist demnach kurz davor, durch starke Zentrifugalkräfte zerrissen zu werden.

Schnell unterwegs

Die Astronomen haben zudem herausgefunden, dass sich die Geschwindigkeit des Sterns, der etwa die 25fache Sonnenmasse hat und rund 100.000 mal heller als die Sonne ist, deutlich von den Geschwindigkeit der Sterne in seiner näheren Umgebung unterscheidet.

"Die auffällig hohe Rotationsgeschwindigkeit und die ungewöhnliche Bewegung verglichen mit seiner Umgebung haben uns aufmerken lassen. Wir wurden argwöhnisch und haben uns gefragt, ob der Stern eventuell eine besondere Vorgeschichte hatte", erklärt Philip Dufton von der Queen's University in Belfast (Nordirland), der Erstautor des Fachartikels in den "Astrophysical Journal Letters", indem die Untersuchungsergebnisse präsentiert werden.

Die Geschwindigkeitsdifferenz von VFTS 102 zu seinen Nachbarsternen deutet darauf hin, dass er ein Ausreißer ist, der aus einem Doppelsternsystem herauskatapultiert wurde. Das dürfte geschehen sein, als sein Partnerstern als Supernova explodierte. Diese These wird durch zwei weitere Indizien unterstützt: In der Nähe befinden sich in der Tat ein Supernovaüberrest und ein Pulsar.

Auf diesen Befund gestützt hat das Team eine mögliche Vorgeschichte für den Stern rekonstruiert: Als Mitglied eines Doppelsternsystems, dessen beide Sterne sehr eng umeinander Kreisen, wäre der Stern in einer Situation gewesen, in der sehr schnell Materie von einem Stern zum anderen übertragen werden kann. Durch diesen Massentransfer wäre die Rotation des Sterns schneller und schneller geworden. So ließe sich die extrem hohe Rotationsgeschwindigkeit erklären.

Plausibles Szenario

Nach einer kurzen Lebensdauer von nur 10 Millionen Jahren wäre der massereiche Begleiter dann als Supernova explodiert. Die Reste seiner herausgeschleuderten Gashülle bilden den nahe gelegenen Supernovaüberrest. Die Explosion hätte gleichzeitig auch zum Herausschleudern des Sterns geführt und kann damit seine dritte Besonderheit erklären: die große Abweichung seiner Geschwindigkeit von den Geschwindigkeiten der anderen Sterne in seiner Umgebung. Durch den Kollaps des Partnersterns, der zur Supernovaexplosion geführt hätte, wäre aus dem massereichen Begleiter der beobachtete Pulsar geworden, und damit das letzte Puzzlestück des astronomischen Szenarios.

Die Astronomen können nicht sicher sein, dass sich alles wirklich so abgespielt hat. "Dieses Szenario würde sehr gut zu all den ungewöhnlichen Eigenschaften des Sterns und seiner Umgebung passen. Auf jeden Fall zeigen unsere Beobachtungen uns auch die unerwartete Seite des kurzen, aber dramatischen Lebens der massereichsten Sterne", schließt Dufton. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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herman78
00
12.12.2011, 10:33
Frage eines Laien...

da die Megallansche Wolke ca. 150.tausend lichtjahre entfernt ist...
"stern steht kurz davor zu expolodieren "- wenn "wir" es sehen können ist es dann nicht schon vor eben ca. 150 tausend jahren passiert??

hamilcar
02
12.12.2011, 14:43

Ja, aber man spricht trotzem im Präsens weil sonst sehr verwirrend wäre und im Endeffekt keinen Unterschied macht. Für uns ist es quasi so als würde es gerade passieren, weil alles was wir darüber erfahren (können) uns mit der selben Zeit erreicht (Lichtgeschwindigkeit).

Nick Tameer
00
12.12.2011, 21:15

Übrigens nicht nur deshalb, sondern weil die postulierte Gleichzeitig auch die falsche Idee eines übergeordneten Bezugssytems enthält.

herman78
01
12.12.2011, 15:29

alles claro, thx.

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
11.12.2011, 23:25
Bauschutt?

Vielleicht hat jemand versucht, eine Zeitmaschine zu bauen (Ein stark rotierender Zylinder (Tipler) oder ein Kerr-Objekt (schwarzes Loch, elektrisch geladen, rotierend) ermoeglicht ja geschlossene, zeitartige Weltlinien - mit anderen Worten eine Zeitmaschine.

clever s
00
11.12.2011, 19:49
Ich verstehe nicht....

.... weshalb das Universum überhaupt existiert.

Nexialist
00
11.12.2011, 23:38
wenn es nicht existieren würde

würden sie sich diese Frage gar nicht stellen können - ergo - es muß einfach existieren...

pox vobiscum
00
12.12.2011, 09:57

Anders gesagt - damit die Leute blöde Fragen stellen können. ;)

NONE
00
11.12.2011, 19:20

Ich verstehe nicht wieso es so viel Materie im Universum gibt.

pox vobiscum
00
12.12.2011, 09:59

Es war wahrscheinlich eine besonders reichhaltige Vakuumfluktuation, die unseren Urknall hervorgerufen hat.

Area Man
00
14.12.2011, 10:00
vakuumfluktuation ?

nein, ich würde das eher als leer-raumbeben bezeichnen..

Helmut Hromadnik21
 
02
11.12.2011, 18:29
........"Die Astronomen können nicht sicher sein, dass sich alles wirklich so abgespielt hat."........

Da hilft nur eines:
Benedikt XVI, den stellvertreter gottes auf erden fragen, der weiß das sicher.

Thomas Felder1
01
11.12.2011, 19:12

genau, der stellvertreter einer Phantasiegestalt

Guybrush-Threepwood
011
11.12.2011, 16:16
Danke,

aber der Pfeil im Bild war nicht nötig.
Den Stern habe ich gleich beim ersten hinsehen entdeckt!

optimist70
02
12.12.2011, 07:23
derStandard ist für seine Genauigkeit bekannt

derderbenutzer
00
11.12.2011, 19:31

Das ist bitteschön kein Pfeil, sondern das Raumschiff des internationalen Astronomenteams.
Und V.L.T. ist korrekt die Abkürzung – um das im Artikel richtigzustellen – für:
"Vehicle (for) Long Trips"

Nick Tameer
00
12.12.2011, 21:16

Volkswagen/-raumschiff LT?

tja ...,
00
11.12.2011, 19:17
das glaub' ich nicht!

Josef Mayer4
11
11.12.2011, 11:55
Das erinnert mich alles an meinen Augenstern...

"Die auffällig hohe Rotationsgeschwindigkeit und die ungewöhnliche Bewegung verglichen mit der Umgebung hat mich aufmerken lassen. Ich wurde argwöhnisch und habe mich gefragt, ob der Stern eventuell eine besondere Vorgeschichte hatte"...

".....Die Geschwindigkeitsdifferenz deutete darauf hin, dass dieser Stern ein Ausreißer ist, der aus einem Doppelsternsystem herauskatapultiert wurde. Das dürfte geschehen sein, als sein Partnerstern als Supernova explodierte...."

Fazit: Mikrokosmos = gleich Makrokosmos

her wig
08
11.12.2011, 08:18

Da läuft ein Birkelandstrom Amok und hat seinen Dynamo mitgerissen.

pox vobiscum
03
11.12.2011, 14:30

Muss an einem fehlerhaften FI-schalter liegen.
Typischer Elektrikerpfusch!

werwolfi
00
11.12.2011, 03:36

Nach 10 Millionen Jahren schon zur Supernova?
Wow... Live fast, die young - and leave a good-looking corpse ;o)

John Sandwich
00
11.12.2011, 01:40
Doppel- oder Dreifach-sternsystem?

"... wäre der massereiche Begleiter dann als Supernova explodiert. ... Die Explosion hätte gleichzeitig auch zum Herausschleudern des Sterns geführt ... Durch den Kollaps des Partnersterns, der zur Supernovaexplosion geführt hätte, wäre aus dem massereichen Begleiter der beobachtete Pulsar geworden ..."

also:
*1 = Supernova
*2 = Pulsar
*3 = herausgeschleudert ?

pox vobiscum
00
11.12.2011, 14:33

Der Rest der Supernova ist der Pulsar.
Also: Doppelsternsystem, ein Stern explodiert als Supernova und wird so zum Pulsar, der zweite Stern rotiert ob dieser Katastrophe noch heftiger - möglicherweise aus dem Schuldbewusstsein heraus, dem Partner nicht genug Masse weggesaugt zu haben, um dessen Explosion zu verhindern.

Nick Tameer
00
12.12.2011, 21:21

Eigentlich kam dieser Stern bei der Explosion um, hat aber eine im Grabe rotierende fluchbeladene Fortexistens als Untoter.

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