Ex-Tennisstar Marat Safin zieht ins russische Parlament ein
Die herben Verluste seiner Partei bei den Parlamentswahlen haben Wladimir Putin geschmerzt. Trost spendet dem Judoka, dass dennoch mehr Sportskollegen denn je die Duma schmücken werden. Abgesehen von seinem Seelenleben, für das ja schon längere Zeit die ehemalige Gymnastin Alina Kabajewa zuständig sein soll, ist es zum Beispiel nun auch um die Sicherheit des Ministerpräsidenten unter den Abgeordneten bestens bestellt, schaffte doch Profiboxer Nikolai Walujew den Einzug für Putins Partei Einiges Russland.
Der Gegenentwurf zum 2,13 Meter hohen Haudraufundschluss aus St. Petersburg ist der nur 20 Zentimeter kleinere Marat Michailowitsch Safin, obwohl der 31-jährige Moskauer während seiner spektakulären Tenniskarriere unter anderem auch als Heißsporn und also eifriger Zerstörer von Rackets aufgefallen ist. Insgesamt 1055 Stück sollen es während jener zwölf Profijahre gewesen sein, in denen Safin 15 Turniere, darunter im Jahr 2000 die US Open und 2005 die Australian Open, gewann.
Vater Michail schliff den Rohdiamanten, dessen Güte wohl von Mutter Rausa Islanowa herrührte, die selbst eine Top-Ten-Spielerin war. Trainiert wurde erst daheim in Moskau und dann, der besseren Bedingungen wegen, ab Marats 14. Lebensjahr in Spanien. Das Talent der Mama erbte auch Tochter Dinara (25), die zwölf Wochen lang die Weltrangliste anführte, während es der große Bruder diesbezüglich auf nur insgesamt neun Wochen um die Jahrtausendwende brachte. Das mag daran gelegen haben, dass Marat Safin auch in seiner aktiven Zeit das Leben genoss, Zigarren und Champagner nicht abgeneigt war und auf den Tribünen stets ansehnliche Claqueurinnen sitzen hatte.
Allein seine rund 14,5 Millionen Dollar Preisgeld garantieren ein unbeschwertes Dasein, aber Beau Safin will sich nicht als "Star der High Society in irgendwelchen Modespots zeigen. Das ist definitiv nichts für mich." Auf dem politischen Parkett, das er im Wahlkreis Nischni Nowgorod betrat, reizt ihn das "neue Leben, in dem man anders denkt, sich anders benimmt". Er sei ein intelligenter Typ mit vielen Ideen und obendrein "der bestaussehende Kerl in der Duma - aber nur, weil alle anderen über 60 sind" . Ex-Kollege Pete Sampras traut Safin übrigens noch einmal die Nummer eins zu. "Er ist clever, kann gut reden und mit Menschen umgehen. In 20 Jahren wird Marat russischer Präsident sein", prophezeite der US-Amerikaner. (Sigi Lützow/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2011)