Über die braune Vergangenheit des BND

Interview | Manuela Honsig-Erlenburg
12. Dezember 2011, 11:20

Die Kommission, die die Geschichte des BND aufarbeiten soll, ist auf Hinweise gestoßen, dass historische Akten erst 2007 vernichtet wurden

Die braune Vergangenheit des BND, der "Geheimdienstkrieg auf deutschem Boden", die Netzwerke im Geheimdienst - Die Hostorikerkommission, die seit Anfang dieses Jahres die ersten Jahre des Bundesnachrichtendienstes nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchen soll, hat uneingeschränkten Einblick in die Akten des deutschen Geheimdienstes. Einige davon wurden allerdings anscheinend "rechtzeitig" vernichtet. Und das erst im Jahr 2007. Jost Dülffer, Historiker und Mitglied der Kommission, spricht mi Interview mit derStandard.at über die schiefe Optik dieses "Routinevorgangs" und die Erwartungen der Kommission.

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derStandard.at: Die Historikerkommission, der sie angehören, hat entdeckt, dass der BND 2007 Personalakten von Mitarbeitern vernichtet hat, die einst SS und Gestapo angehörten. Als nicht "archivwürdig", seien diese Akten eingestuft worden. Wie sehen Sie das?

Dülffer: Natürlich ist es Routine in allen Behörden, dass nach einer bestimmten Zeit Akten, auch Personalakten vernichtet werden. Wir geben uns aber nicht mit dieser Auskunft zufrieden. Es verwundert uns, dass so etwas im Jahr 2007 vorkommt. Die etwa 250 Akten wurden ausgerechnet zu der Zeit vernichtet, als der Präsident des BND dabei war, schon einmal eine Kommission zur Geschichte des BND zu gründen. Das ist schwer einzusehen.

derStandard.at: Der Verdacht steht im Raum, dass BND-Mitarbeiter gezielt die Aufarbeitung verhindern wollten. Ein begründeter Verdacht?

Dülffer: Ob das ein begründeter Verdacht ist, kann man erst sagen, wenn die Sache aufgeklärt ist. Da diese Akten ja fehlen, ist das allerdings eine schwierige Sache. Eventuell kann man das eine oder andere rekonstruieren.

derStandard.at: Sie haben aber schon einige Informationen dazu.

Dülffer: Wir haben erfahren, dass die Akten fehlen und haben dann Recherchen anstellen lassen, um welche Personen es sich handelt. Dabei ist herausgekommen, dass es sich auch um Personalakten von Personen aus Gestapo, Reichssicherheitshauptamt und Polizei handelte. Aber es sind keine Namen, die ein politisch und historisch interessierter Mensch kennen muss. In den 60er Jahren hat der BND schon einmal bemerkt, dass er zahlreiche Personen mit brauner Vergangenheit in seinen Diensten hatte.

Damals wurde eine Untersuchung durchgeführt, nach der sich der BND einiger Mitarbeiter entledigt hat, einige Untersuchten wurden für nicht bedenklich erachtet. Unter den gelöschten Personalakten waren einige damals Betroffener. Das ist von hoher zeitgeschichtlicher Bedeutung.

derStandard.at: In der Relation zu anderen staatlichen Einrichtungen und Behörden nach dem Zweiten Weltkrieg: War der BND besonders stark von Personen des Nazi-Apparats geprägt?

Dülffer: Das kann man so nicht sagen. Insgesamt sind aus dem NS-Verfolgungsapparat überdurchschnittliche viele Personen etwa in Polizei, Justiz untergekommen. Das ist bekannt. Es wird ein Teil unserer Aufgabe sein, zu ergründen, in welchem Ausmaß das für den BND gilt.

derStandard.at: Sie werden bei ihren Untersuchungen eventuell auch auf Österreicher treffen. Wird der Aspekt auch "behandelt"?

Dülffer: Wir sind natürlich nicht für Österreich zuständig, werden allerdings mit österreichischen Kollegen zusammenarbeiten. Gerade im Personalbereich dürfte es Kontinuitäten in die österreichischen Geheimdienste geben. Wir werden unter anderem dem nachgehen, ob es einen "kollegialen Austausch" zwischen deutschem und österreichischem Geheimdienst in der Zeit gegeben hat.

derStandard.at: Welchen Einfluss könnte die "braune Vergangenheit" auf die Gegenwart haben?

Dülffer: Der BND ist eines der letzten Behörden die ihre Akten freigeben. Wahrscheinlich gab es in einzelnen Ämter ganze Netzwerke von Personen, die nachzogen. Für heute spielt das vermutlich keine Rolle mehr, aber natürlich ist es wichtig für eine demokratische Gesellschaft, solche Details zu wissen.

derStandard.at: Die Historikerkommission für den BND wurde erst 2011 gegründet. In vielen westlichen Staaten müssen Dokumente nach 30 Jahren freigegeben werden. Warum klappt das in Deutschland - und Österreich - nicht?

Dülffer: Es klappt in den USA zum Beispiel besser, aber es hakt überall, auch in den USA, oft aus Personalmangel. Für den Geheimdienst in Deutschland ist das in dieser Form tatsächlich neu.

derStandard.at: Ihre Aufgabe ist es, die Geschichte des Dienstes in den ersten Jahrzehnten aufzuarbeiten. Sie und ihre Kollegen bekommen dafür vollen Zugang zu allen BND-Akten, auch zu den "geheim" und "streng geheim" gestempelten Papieren. Sie dürfen zwar alles sehen, aber nicht alles schreiben. Ist das Zensur?

Dülffer: Wir haben mit dem Bundesnachrichtendienst die Vereinbarung getroffen, dass wir 2014/15 einen kritischen Bericht vorlegen, der alle uns wichtigen Informationen enthält. Der BND muss entscheiden, was dann noch mit Sicherheitsinteressen der Republik kollidiert. Den Bericht wollen wir dann auch als Buch veröffentlichen.

derStandard.at: Inwiefern wird auch der Geheimdienst der damaligen DDR einbezogen?

Dülffer: Die BND-Leute haben in ihrer Nazi-Vergangenheit Verbrechen begangen, die Leute der Staatssicherheit später auch in ihrer aktiven Zeit. Stasiakten sind seit der Wende systematisch der Forschung zugänglich gemacht worden. Wir haben gute Kontakte zur Behörde des Bundesbeauftragten und werden erforschen, inwiefern sich Stasi und BND gegenseitig auszuforschen versuchten. Der so genannte "Geheimdienstkrieg auf deutschem Boden" interessiert uns sehr. Hier könnten brisante Details herauskommen.

derStandard.at: Vorgestern wurde BND-Präsident Ernst Uhrlau in den Ruhestand verabschiedet. Was ist Ihr wichtigstes Anliegen als Mitglied der Kommission an seinen Nachfolger Gerhard Schindler?

Dülffer: Herr Uhrlau hat diese Kommission in Gang gesetzt und unser Anliegen einer Aufarbeitung unter wissenschaftlicher Unabhängigkeit sehr gefördert. Das wünschen wir uns auch vom Nachfolger. (mhe, derStandard.at, 12.12.2011)

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Der Bevölkerung geht es am Arsch vorbei!

Die ist zu sehr auf Stasi gehypt und soweit ich von den Umfragen weiß, interessiert sie sich nicht, wie es der BND mit den Rechtsextremisten hat.
Respektiert den demokratischen Willen der Bevölkerung und belästigt die Staatsorgane nicht mit solchen Kleinigkeiten!

das ard radiofeature

hat dem thema im oktober eine ausgabe gewidmet:

http://web.ard.de/radio/rad... ge_id=1685

Mein Name ist: BND
Von Ulrich Chaussy

Seit Anfang 2011 leistet sich der BND eine Historikerkommission, die die Geschichte des Geheimdienstes zwischen 1945 und 1968 erforschen soll – unabhängig und mit angeblich freiem Zugang zu allen Aktenbeständen.

das der BND heute so ist wie er ist

sollte niemanden überraschen

der BND wurde vom erbauer des "Fremde Heere Ost" aus ehemaligen nazi-geheimdienstlern aufgebaut, weil die USA nach dem 2WK keine spionagenetze in der sowietunion hatten und die nazis schon

deswegen wurde kurzerhand jeder begnadigt und ein geheimdienst aufgebaut der zu 100% aus altnazis bestand

und dann wundert man sich dass dort diese ideologie schön weitergepfelgt wurde?

und der Enkel von Gehlen

hat heute eine Professur in München

Da kann sich ja Jost Dülffer seine Arbeit sparen,

wenn Du eh schon alles weißt!

wenn das der Dülffer wüsste,

dass es wikipedia gibt!

Der BND wurde von den Amis geschaffen

Organisation Gelen Fremde Heere Ost ( die Organisation in der auch die Widerständler um Stauffenberg aktiv waren) weil die Briten sich zurück gedrängt fühlten haben sie dann den Verfassungsschutz erfunden. Wahrscheinlich waren auch die Franzosen beteiligt. Wenn irgfend wer glaubt die hätte sich aus den Organisationen voll zurück gezogen gebührt ihm der Titel Naiver des Jahres 2011. In dieser Perspektive muss man auch die ganzen Nazigeschichten sehen.
Cui bono.

gestrige Sendung Thema zu diesem Thema

http://tvthek.orf.at/programs/... 4359-Thema

Die Jagd auf die NPD hat gerade erst begonnen

Nun ist in Deutschland auch die Parteizugehörigkeit einer "legalen" Partei ein Grund, gegen unbescholtene Bürger ein Waffenverbot zu erlassen.
Zitat: "Sie konnten zwar für alle Waffen eine Erlaubnis vorweisen, das Bremer Stadtamt sprach dennoch ein Waffenverbot gegen sie aus."

Die unfähigen Politiker bekommen es mit der Angst.

http://www.nwzonline.de/Region/Ar... edern.html

Im Artikel steht auch, dass Schalldaempfer gefunden wurden.

Zumindest diese gehoeren zu verbotenen Kriegsmaterialien, wodurch der Besitzer gegen den Vertrauensgrundsatz verstossen haette. Dadurch disqualifizier er sich natuerlich fuer den legalen Besitz von Waffen.

Ja, wozu braucht man denn die ganzen Schalldämpferchen?

Und so ein kleines, privates Waffenlager? Doch nicht, um jemand mal schnell und unauffällig um die Ecke zu bringen?

Ja die armen Natsis, dass sie auch immer so stark verfolgt werden. Alles Märtyrer von Küssel bis Irving. Dabei sind sie doch alle friedliebige und tolerante Menschen......

Österreich

Na ja, bei uns wird jetzt ja wenigstens der Küssel vor Gericht gestellt, der mit seinem Erscheinungsbild die leibhaftige Widerlegung seines Gedankenguts darstellt. So habe ich mir einen "arischen Herrenmenschen" schon immer vorgestellt...

er ist

fast so schön wie adolf himself!

Nach 12 Jahren Na*ionals*zial*ismus bezweifle ich, dass es noch ausreichend qualifiziertes, unbelastetes Personal

gegeben hat, um einen professionellen Geheimdienst, der mitten in einem Spionagekrieg (Kalter Krieg, innerdeutsche Spionage etc.) agiert, aufzubauen.

Jede Nachfolgeregierung eines Regimes, das lange an der Macht war hat dieses Problem - egal ob Deutschland oder Irak. Jene, die wissen wie ein Staat und seine Behörden geführt werden, sind belastet. Die anderen hat man eliminiert oder sie hatten keine Gelegenheit zu so einem Job zu kommen, ausgebildet zu werden und Erfahrungen zu sammeln bzw. Netzwerke zu bilden.

Von den Wissenschafltern, die als Kriegsbeute nach USA und UdSSR verbracht wurden nicht zu reden, gleiches Problem. Auch Frau Merkel war in DDR-Organisationen, weil sie sonst keine Karriere machen hätte können. So ist d. Realität...

na geh...

.....am Ponnyhof funktioniert doch Revolution immer so Reibungslos!

Nach 12 Jahren N*tion

"Die BND-Leute haben in ihrer Nazi-Vergangenheit Verbrechen begangen, die Leute der Staatssicherheit später auch in ihrer aktiven Zeit." - das steht wohl als unverrückbare wahrheit schon vor beginn der forschung fest.

"Für heute spielt das [die braunen seilschaften] vermutlich keine Rolle mehr,..." - ganz sicher weil die altnazis alle geläutert wurden und keine neonazis protegiert haben bzw die rutsche gelegt haben.

Schmutziges Wasser

19. 10. 1953. Bundeskanzler Konrad Adenauer beruft den Juristen Hans Globke zum Staatssekretär. Globke war unter Hitler an der Ausarbeitung der Nürnberger Rassegesetze beteiligt. Adenauer kommentiert die Debatte mit den Worten: „Man schüttet kein schmutziges Wasser weg, solange man kein sauberes hat.

"Globke war unter Hitler an der Ausarbeitung der Nürnberger Rassegesetze beteiligt. "

War er meines Wissens nicht, aber er hat einen juristischen Kommentar dazu verfasst!

Und was sagt uns das?

Vergangenheit?

Mit alldem filmmaterial dass immer wieder....

an tv documentaries gezeigt wird ist es ziemlich unlike, dass "das wie sie so nannten "braune " nie von den zukuenftigen programmen verschwinden wird,

Man zerstoert archives nicht ,vielleicht dass einige copy's unnoetig werden ,wenn besseres recording material zur verfuegung steht.

Ausserdem ,gewisse leute wollen alles braune nie vergessen .............
so what the big fake anouncement.

"Man zerstoert archives nicht ,vielleicht dass einige copy's unnoetig werden ,wenn besseres recording material zur verfuegung steht. "

Für Dich:

http://www.youtube.com/watch?v=ntBj21hULWE

Zu "copy's":

http://deppenapostroph.de/

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