Österreichweit

Westbahn will ÖBB-Billigtickets kippen

9. Dezember 2011, 14:37

Wehinger: Wettbewerbsklage in den nächsten Tagen zu Strecke Salzburg-Bregenz - "Sparschiene" der ÖBB laut Westbahn in ganz Österreich wettbewerbswidrig

Wien - Die mehrheitlich private Westbahn, die am Sonntag (11.12.) mit Beginn des Winterfahrplans ihren Betrieb zwischen Wien und Salzburg aufnimmt, macht nun Ernst mit dem angekündigten Preiskampf nach oben und nimmt die Billigangebote der ÖBB ins Visier. In den nächsten Tagen werde eine Wettbewerbsklage gegen die ÖBB betreffend der Strecke Salzburg-Bregenz eingereicht, erläuterte Westbahn-Geschäftsführer Stefan Wehinger heute Freitag bei einer Pressefahrt vor Journalisten. Die ÖBB dürfe keine Billigtickets ("Sparschiene", "Ab in den Westen"-Tickets) mehr verkaufen, weil dies den Wettbewerb auf der Bahn behindere.

Die Strecke zwischen Salzburg und Bregenz werde mit 32 Mio. Euro jährlich von den Steuerzahlern subventioniert, daher dürfe es dort keine Ticketaktionen geben, so Wehinger. Die Westbahn selber bedient zwar diese Strecke nicht, trotzdem würden die ÖBB-Angebote den Wettbewerb mit der Westbahn zwischen Wien und Salzburg behindern. Die Westbahn wolle aber nicht nur auf der Westbahnstrecke, sondern in ganz Österreich die Billigtickets kippen. Die Preispolitik der Bundesbahn beeinträchtige nämlich den Wettbewerb. "Wir klagen gegen die Sparschiene auf allen Strecken", kündigte Wehinger an.

Die ÖBB kommentieren die Klagsdrohung trocken: "Es liegt jedem frei, unsere Ticketaktion zu bewerben. Aber wir sollten das Match um die Kunden und nicht vor dem Kadi austragen", sagte eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage der APA. Mit der "Sparschiene"-Aktion können ÖBB-Kunden in ganz Österreich ab 9 Euro fahren, die Tickets gelten aber nur für den jeweiligen Zug. Mit den 15-Euro-Tickets ("Ab in den Westen") kann auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und Bregenz gefahren werden, die Aktion wurde von den ÖBB mit der Eröffnung des sanierten Westbahnhofs begründet.

Die Westbahn matcht sich mit den ÖBB auch bei der Fahrplaninformation: Die Aufnahme der Westbahn-Züge in die ÖBB-Informationssysteme wurde vor dem Kartellgericht in einer einstweiligen Verfügung erreicht. Nun will Wehinger genau kontrollieren, ob ab Sonntag 0 Uhr die Westbahn-Züge auch auf den Bildschirmen der ÖBB in den Bahnhöfen, wo die Westbahn hält, angezeigt werden. Auf jedem Bahnhof werde jemand mit einer Kamera platziert, ob die ÖBB einen "Vertragsbruch" begehen, kündigte er an. Wenn die Information über die Westbahn-Züge ab Sonntag im ÖBB-Fahrplaninformationssystem Scotty nicht korrekt aufscheine, "dann schalten wir Scotty ab", will Wehinger alle rechtlichen Mittel einsetzen. Die daraus entstehenden Probleme für die ÖBB-Kunden seien "Problem der ÖBB". (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 235
1 2 3 4 5 6
MarkusId77
06
12.12.2011, 09:10
Abdeckungsquote

Vielleicht sollte man - wie bei der Versteigerung der Mobilfunk-Lizenzen - für Privat-Bahn-Lizenzen ebenfalls eine gewisse Abdeckungsquote verlangen, z. B. mit jeder rentablen Strecke (Westbahn Wien-Salzburg) müssen zusätzlich 2 nicht-rentable Strecken (z. B. Pottendorfer Linie oder Mariazeller Bahn) dazugenommen werden. Das wäre dann fairer Wettbewerb.

Der Herr Gneis
02
12.12.2011, 08:26

wenn die westbahn mit ihren forderungen durchkommt, würd ich sagen organisieren wir eine demobewegung übers internet und die westbahn sieht keine fahrgäste mehr.

ich mein... wie komm ich dazu, jetzt noch mehr zu zahlen??

Hauptmann Karotte
 
00
12.12.2011, 03:23

Dass mir die Westbahn noch unsympathischer ist als die ÖBB, ist wirklich überraschend.

anutzer
00
11.12.2011, 21:27

der spinnt doch, mein bahnfahren will er teurer machen, ich zuck aus. videokamera auf mein popschi

Nestor Machno
 
01
11.12.2011, 18:10
Lustig.

Bei „Wettbewerb“ hieß es doch bisher immer, der ist super gut und dafür da, damit alles billiger wird.

Vielleicht ist es an der Zeit, den ganzen Wettbewerbs-Gedanken über Bord zu werfen, und die Marktwirtschaft gleich hinten nach.

Nutze den Tag
00
11.12.2011, 16:38
ÖBB gehört zum Teil MIR.

Gerne gebe ich mein Steuergeld dafür aus, dass sie schnell, sauber, pünktlich und sicher ist, was zum Großteil erfüllt ist. Im Gegensatz dazu schäume ich vor Wut über Pensionen jenseits der €3.000/M im Polit-und Beamtenbereich und FastGratisfahrkarten für ehemalige ÖBBler.

Und wer sich darüber aufregt dass der Semmering nicht angebohrt werden darf, der ist wohl noch nie per Bahn über den Semmering gefahren - zig Tunnels der gute Gheha. Die Schnellstraßentunnels sind auch ökologisch einwandfrei, oder?

Sind die Straßen kostendeckend? Nicht einmal die Asfinag Hochrangstraßen. Fährt Haselsteiner darauf?

depp am huegel
00
11.12.2011, 14:15

das ist aber abgefahren ... entbehrt aber nicht einer gewissen logik.

(dieses sparschiene-angebot der öbb ist eh ein witz - ich hab's noch nie geschafft so ein ticket auch wirklich zu ergattern ...)

Hugo Stolz
03
11.12.2011, 13:10
Dieser Westbahn-Chef weiß aber schon...

... dass er damit vor allem die Bahnfahrer verärgert. Den einzigen wirklichen "Service" den ich von der Westbahn bisher gesehen habe ist, dass einige meine ÖBB-Tickets in Zukunft teurer werden könnten.

Amy Beluci
08
11.12.2011, 12:56
Das kanns doch echt nicht sein

das die Westbahn zuerst auf "Obermaker" machen und sagen das die ÖBB so teuer ist und sie einen "Billig-Zug" anbieten wollen. Dann sobald sie merken, das es gar nicht so einfach ist wie gedacht, die ÖBB auf biegen und brechen verklagen das sie teurer werden müssen damit die WESTBAHN wieder Billiger sein kann!!!
Ist doch echt pervers!!! Und tragen tun die Kosten wieder die Bahnfahrer die vielleicht von Wien nach Graz möchten oder sonst wo hin...
Das alles NUR damit der Herr Haselsteiner super Profit machen kann!!! Auch wenn er damit den öffentlichen Verkehr in ganz Österreich schädigt!!!
Wenn das so ist: Boykottiere ich die WESTBAHN wo ich nur kann!

Pericolo Giallo
07
11.12.2011, 11:55
westbahn-boykott!

so sehr mich die öbb nerven: ich geh mit gutem beispiel voran.

jimi lend
02
11.12.2011, 10:56
gerade

weil wir alle die Bahn finanzieren haben wir uns billige Zugtickets verdient.
Wie viele hochsubventionierte Projekte hat Herr Haselsteiner eigentlich schon bekommen?
Ist die Westbahn ein Druckmittel um noch mehr Infrastrukturprojekte für seine anderen Firmen an Land zu ziehen?

01052004
00
11.12.2011, 10:14

darf ein vom steuerzahler subventioniertes unternehmen preisdumpen???

oh und übrigens
00
11.12.2011, 12:00

Wenn das eine rechtliche Frage ist: Darüber wird dann wohl bald ein Gericht entscheiden.

somussesnichtsein
01
11.12.2011, 09:06
na liebe marktanbeter

mehr wettbewerb soll doch die preise senken,
nun wollen die lieben marktbefürworter höhere preise einklagen.

na dann passt ja alles zusammen...

den haselsteiner ist scheinbar wieder einmal ein bischen fad.

Lucio
04
11.12.2011, 12:34
Die Privaten arbeiten doch nicht für die Bahnkunden, sondern für ihre PROFITINTERESSEN

Ja, so musste es ja kommen! Das Versprechen, es preislich besser zu können als die ÖBB, hält der ökonomischen Realität nicht lange stand und war eben nur ein Marketinggag. Im Preiskampf mit der ÖBB der ÖBB die öffentliche Subventionierung zu verbieten und darauf hinzuarbeiten, die Bahnpreise massiv anzuheben, soll anscheinend eine Art privatwirtschaftlicher Kostenwahrheit herstellen, die letztlich jedoch weder den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr fördert noch dem gewöhnlichen Geldbörserl des Bahnfahrers nützt, sondern lediglich reichen Luxusbahnkunden (die dann als "Elite" unter sich bleiben), den BZÖ-ÖVP-Steuersenkern und der Autoindustrie. Wie wärs mit einer regulären Besteuerung der Firmendienstautos und des Diesels usw...?

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
11.12.2011, 00:35
Gratis-Tickets für alle -

die bahn ist schon teuer genug!!

hack in den sack
 
00
10.12.2011, 23:43
H die dann am weg von sbg nach wien Ostbahn?

der_kleine_pariser
 
04
10.12.2011, 20:28

Nun will Wehinger genau kontrollieren, ob ab Sonntag 0 Uhr die Westbahn-Züge auch auf den Bildschirmen der ÖBB in den Bahnhöfen, wo die Westbahn hält, angezeigt werden. Auf jedem Bahnhof werde jemand mit einer Kamera platziert, ob die ÖBB einen "Vertragsbruch" begehen, kündigte er an.

jetzt wird er paranoid auch noch.

Andreas Prucha
00
11.12.2011, 05:15

Also bisher bin ich der Westbahn eher neutral gegenüber gestanden. Einerseits find ichs zwar nicht gut, wenn private sich Rosinen rauspicken - andererseits scheint das Konzept der Westbahn ganz OK zu sein und insgesamt gibts dadurch mehr Verbindungen. Auch nicht schlecht.

Aber das Geschäftsmodell "Rechsanwalt", das die Westbahn in der letzten Zeit vertritt macht dieses Unternehmen zunehmend unsympatischer.

Der Citybiker
02
10.12.2011, 19:57

Da ist die Westbahn offensichtlich doch der ASFINAG näher als der Bahn - oder klagt die Westbahn jetzt auch eine Österreichische Tageszeitung, die Gratis-Autobahnpickerl zum Abbo anbietet, weil im Verkehr wettbewerbsverzerrend,....???

ichbinsofrei.net
04
10.12.2011, 18:12
Preissteigerungen nach Liberalisierungen

sind übrigens kein unbekanntes Phänomen, auch wenn gerne darüber geschwiegen wird, weil es nicht zur politischen Agenda passt. Siehe zB GB und die enormen Preiserhöhungen bei Wasser.

Nestor1979
00
10.12.2011, 18:36
Wieso, wurden die Wiener Wasserwerke schon privatisiert?

ichbinsofrei.net
02
10.12.2011, 21:17

Ne, das würde dann anders ausschauen als eine Anhebung nach jahrelanger Nichtanhebung. Schauen Sie sich mal die Daten zu GB an.

Jabberwock
03
10.12.2011, 18:08
mit solchen stupiden aktionen

wollen die doch nur gratis in die medien. wie wärs wenn mit solchen meldungen gewartet wird, bis das gericht entschieden hat?

ichbinsofrei.net
00
10.12.2011, 17:37

Der Spezi vom Gorbach voll in Äktschn. Macht demnächst wahrscheinlich intärnäschionäl Karriere mit diesem Erfolgskonzept.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 235
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.