Wehinger: Wettbewerbsklage in den nächsten Tagen zu Strecke Salzburg-Bregenz - "Sparschiene" der ÖBB laut Westbahn in ganz Österreich wettbewerbswidrig
Wien - Die mehrheitlich private Westbahn, die am Sonntag
(11.12.) mit Beginn des Winterfahrplans ihren Betrieb zwischen Wien
und Salzburg aufnimmt, macht nun Ernst mit dem angekündigten
Preiskampf nach oben und nimmt die Billigangebote der ÖBB ins Visier.
In den nächsten Tagen werde eine Wettbewerbsklage gegen die ÖBB
betreffend der Strecke Salzburg-Bregenz eingereicht, erläuterte
Westbahn-Geschäftsführer Stefan Wehinger heute Freitag bei einer
Pressefahrt vor Journalisten. Die ÖBB dürfe keine Billigtickets
("Sparschiene", "Ab in den Westen"-Tickets) mehr verkaufen, weil dies
den Wettbewerb auf der Bahn behindere.
Die Strecke zwischen Salzburg und Bregenz werde mit 32 Mio. Euro
jährlich von den Steuerzahlern subventioniert, daher dürfe es dort
keine Ticketaktionen geben, so Wehinger. Die Westbahn selber bedient
zwar diese Strecke nicht, trotzdem würden die ÖBB-Angebote den
Wettbewerb mit der Westbahn zwischen Wien und Salzburg behindern. Die
Westbahn wolle aber nicht nur auf der Westbahnstrecke, sondern in
ganz Österreich die Billigtickets kippen. Die Preispolitik der
Bundesbahn beeinträchtige nämlich den Wettbewerb. "Wir klagen gegen
die Sparschiene auf allen Strecken", kündigte Wehinger an.
Die ÖBB kommentieren die Klagsdrohung trocken: "Es liegt jedem
frei, unsere Ticketaktion zu bewerben. Aber wir sollten das Match um
die Kunden und nicht vor dem Kadi austragen", sagte eine Sprecherin
der Bahn auf Anfrage der APA. Mit der "Sparschiene"-Aktion können
ÖBB-Kunden in ganz Österreich ab 9 Euro fahren, die Tickets gelten
aber nur für den jeweiligen Zug. Mit den 15-Euro-Tickets ("Ab in den
Westen") kann auf der Westbahnstrecke zwischen Wien und Bregenz
gefahren werden, die Aktion wurde von den ÖBB mit der Eröffnung des
sanierten Westbahnhofs begründet.
Die Westbahn matcht sich mit den ÖBB auch bei der
Fahrplaninformation: Die Aufnahme der Westbahn-Züge in die
ÖBB-Informationssysteme wurde vor dem Kartellgericht in einer
einstweiligen Verfügung erreicht. Nun will Wehinger genau
kontrollieren, ob ab Sonntag 0 Uhr die Westbahn-Züge auch auf den
Bildschirmen der ÖBB in den Bahnhöfen, wo die Westbahn hält,
angezeigt werden. Auf jedem Bahnhof werde jemand mit einer Kamera
platziert, ob die ÖBB einen "Vertragsbruch" begehen, kündigte er an.
Wenn die Information über die Westbahn-Züge ab Sonntag im
ÖBB-Fahrplaninformationssystem Scotty nicht korrekt aufscheine, "dann
schalten wir Scotty ab", will Wehinger alle rechtlichen Mittel
einsetzen. Die daraus entstehenden Probleme für die ÖBB-Kunden seien
"Problem der ÖBB". (APA)