Verfassungsrang

Schuldenbremse: Regierung jetzt unter Zugzwang

10. Dezember 2011, 08:23

Um jüngste Brüsseler Beschlüsse umzusetzen, muss die Regierung einen zweiten Anlauf in Sachen Schuldenbremse nehmen

Zurück an den Start: Das ist die Botschaft, die Kanzler Werner Faymann vom Gipfel in Brüssel ins heimische Parlament mitnimmt. Die Staats- und Regierungschefs von - laut Letztstand - 26 EU-Staaten verständigten sich auf eine striktere Haushaltspolitik - und damit auf das Ziel, eine Schuldenbremse in den nationalen Verfassungen oder auf vergleichbarer Rechtsebene festzuschreiben.

Genau damit ist die Koalition aber diese Woche gescheitert. Weil die drei Oppositionsparteien die Zustimmung und somit eine Zweidrittelmehrheit für eine Verfassungsregelung verweigerten, landete die Schuldenbremse in einem leichter aushebelbaren einfachen Gesetz. Beim Gipfel kündigte Faymann (SPÖ) deshalb "einen neuen Anlauf" an, um das Verfassungziel doch noch zu erreichen; kommende Woche will er zu den Brüsseler Beschlüssen in einer Sondersitzung des Nationalrates eine Erklärung abgeben. Auch Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) hat vor, "sich mit der Opposition noch einmal hinzusetzen und einen nationalen Schulterschluss zu versuchen".

"Kanzler hat keinen Plan"

Zu Verhandlungen ist die Opposition bereit. Ihre Bedingungen wollen FPÖ und BZÖ allerdings nicht aufgeben, und auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig machte im Gespräch mit dem Standard deutlich, dass sie derzeit nur geringe Chancen auf ein grünes Ja sieht: "Wenn man europaweit nur die Haushaltsregeln verschärft, besteht das gewaltige Risiko, dass wir gleich die Rezession ausrufen können", argumentiert Glawischnig. Überdies teile sie die Kritik des Europäischen Parlaments, das von den Entscheidungen ausgeschlossen worden sei: "Das Ganze ist demokratisch nicht mehr durchhaltbar."

Glawischnig zeigt sich auch über den Kanzler empört: "Vor jedem EU-Gipfel schauen wir im Hauptausschuss einem Kanzler ins Gesicht, der keinen Plan hat. Ich habe es satt." Die Regierung lege keine Dokumente vor, so die Grünen-Chefin, "das Problem ist die totale Intransparenz, es fehlt an einer vernünftigen Gesprächsbasis mit SPÖ und ÖVP".

Sonderklausel oder andere Hintertür nötig

Drohen Strafen, wenn die Regierung die Verfassungsregelung nicht durchbringt? Vorerst haben die Staats- und Regierungschefs nur eine Absichtserklärung abgegeben. Um die Schuldenbremse vorzuschreiben, braucht es einen völkerrechtlichen Vertrag zwischen den Teilnehmerländern; in den EU-Vertrag kann der Passus nicht, weil allen voran Großbritannien nicht mitzieht. In dem Abkommen könnten dann Sanktionen fixiert werden, sagt Rechtsexperte Franz Leidenmühler.

Über die Köpfe der Österreicher hinweg geht das freilich nicht, zumal der Nationalrat völkerrechtliche Abkommen ratifizieren muss. Die Koalition müsste also Strafen für das Fehlen einer Verfassungsbestimmung, die sie aus eigener Kraft nicht erreichen kann, beschließen; unrealistisch, heißt es in Regierungskreisen. Der Vertrag bräuchte demnach eine Sonderklausel oder andere Hintertür - oder Österreich wäre nicht dabei.

Der Verfassungsexperte Heinz Mayer stellt ohnehin die Sinnfrage: Wenn die EU-Schuldenbremse konkret genug formuliert werde, sei es in der Sache"völlig egal", ob ein Staat die Regeln noch in die eigene Verfassung übernehme. (Gerald John und Thomas Mayer, DER STANDARD, Printausgabe 10./11.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 283
1 2 3 4 5 6 7
Quardian
00
12.12.2011, 02:03
Wer soll das bezahlen?

Wer hat soviel Geld? Zum Schluss haben wir eine schöne Leich!

Semperitfan
01
11.12.2011, 19:42
Gesetz für Schuldenbremse?

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
Wozu braucht man ein Gesetz oder gar eine Verfassungsänderung, um auf die Schuldenbremse zu steigen?
Wer hindert die Regierung daran, auf diese Bremse zu steigen?
Ich spare schon jahrzehntelang, obwohl mir das kein Gesetz vorschreibt!
Aber unsere Vollkoffer suchen immer nur Ausreden und die Schuld bei der Opposition.

efficient
00
12.12.2011, 12:19

Ist wohl ein notwendiger Selbstzwang. Politiker verstehen es wohl nicht anders.

Wenn kein Limit da ist werden weiter Wahlzuckerl verteilt und Steuergeld ohne Ende verprasst.

Semperitfan
00
11.12.2011, 19:39
Gesetz für Schuldenbremse?

Mulder
00
11.12.2011, 19:29
@ Opposition

Ich denke die Schuldenbremse ist auch im Sinne der Opposition und daher sollten die Parteien nicht irgendwelche Bedingungen zu stellen, sondern einfach zustimmen.

Es liegt an der Regierung die Schuldenbremse mit Leben zu erfüllen, und wenn das beim Volk nicht ankommt, bekommt eine der Oppositionsparteien nach der nächsten Wahl selbst die Möglichkeit es besser zu machen.

Also runter vom hohen Ross und zustimmen!

Luky Pozzo
00
12.12.2011, 09:15

Auch der Gessler-Hut ist gegrüßt worden, "Meerstern, ich dich grüße" heißt ein altes Lied, und "Gschamster Diener" ist eine Körper- und Lebenshaltung, mit der viele bei uns gut können!

Also warum nicht auch noch dem sinnlosen Bremsen-Gebrabbel den Sanktus geben.

Robert Cvrkal
 
00
11.12.2011, 11:31

cvrkalrobertmeinte am 10.12.2011 17:33 Bis unsere Vordenker oder die Regierung irgend etwas zugibt, pfeifen es schon längst die Spatzen vom Dach. Um Pfründe zu sichern oder Eigeninteressen durchzusetzen wird häufig gegen das Gesamtwohl Österreichs verstoßen. Bürger vereinigt euch um gemeinsam für einen vom Volke initierten rechtlich verbindlichen Bürgerentscheid zu kämpfen mit dem dann z. B. die Machthaber verpflichtet werden die Vorschläge des Rechungshofes umzusetzen oder wir jagen sie in die Wüste. Wir Bürger sind der Souverän. 95 Leser sind auch dieser Meinung. zustimmen

Bo Vist
00
11.12.2011, 13:17

und die rechnungshofberichte sind frei von interessen ?

glaub ich nicht !

atrida02
31
11.12.2011, 11:00
Die Opposition macht sich unwählbar

Je länger sie dieses lächerliche Spiel betreiben werden, desto mehr schaden sie sich selbst.

Luky Pozzo
00
12.12.2011, 09:21
Nein, wählbar

Warum sollte man sich - ohne jegliches Entgegenkommen - einem Joch beugen, dessen Sinnlosigkeit jede/r ernstzunehmende Experte/in bestätigt.

Gerade wegen des Widerstands gegen nachplappernden Stumpfsinn sind für mich die Grünen wählbar.

sadf1asfasfasfasf
00
11.12.2011, 12:11

Aber genau dieses lächerliche Spiel haben wohl die Oppositionsparteien von der Regierungsparteien gelernt.

Würde man Politik nach Inhalten machen und nicht nur nach parteipolitischen Interessen müsste mMn sonst viel mehr weitergehen (z.B. Verwaltungsreform, Bildung, Wissenschaft, Steuersystem etc.)

sadf1asfasfasfasf
00
11.12.2011, 12:12

aber Sie haben schon recht, die Opposition macht sich mit solchen Vorgehen genauso unwählbar

Bo Vist
31
11.12.2011, 09:41

gesetzliche schuldenbremse
UND
preissteigerungsbremse

im übrigen ist das spiel der grünen erbärmlich;

computermaster
30
11.12.2011, 01:08

Die Grünen bekommen meine Stimme sicher nicht mehr. Die Forderung nach einer FTSteuer auf nationaler Ebene und dann die Hockey-Mom Blockade "dann gehst du ohne Essen ins Bett" war unter der Gürtellinie. Da waren die Rechten sogar besser dank ihrer Forderung nach einem besser durch'dachtem Szenario einer Schuldenbremse. Oh Failmann, oh du macht Karriere als unser semmerl Kaiser.

Trollblume
03
10.12.2011, 23:17

Einige wolln sie sogar in die Bundeshymne integrieren ;-)
http://mein.salzburg.com/blog/wiza... hymne.html

aiuto
00
11.12.2011, 08:58
blendende IDEE !!!

Trollblume
01
11.12.2011, 11:30

Ich hör Fekter direkt singen, wenn ich das les ;-)

GehmitGott..aber geh
00
10.12.2011, 21:49
geschichte wiederholt sich

Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen... erinnert mich sehr an die abgehobenheit unserer politischen elite..

Folgendes...
 
24
10.12.2011, 20:31
Wieviel Geld kommt rein...

... wenn wir die Eurofighter verkaufen?
Wieviel, wenn keine Partei mehr Werbung betreibt?
Wieviel, wenn die Parteiakademien aufgelöst werden?
Wieviel, wenn KHG endlich gerechte Strafen für seine Tätigkeiten bekommt?
Wieviel, wenn die Erbschaftssteuer wieder kommt?

Ich denke, dass ein guter Mix möglich wäre... Aber dass es stattdessen ausschließlich den Mittelstand via Einnahmensteigerung des Staates - und die sozial Schwächsten wegen Ausgabenreduktion trifft.

I would prefer not to
01
11.12.2011, 11:16

Besser wäre es die vielen Förderungen einzustellen und statt dessen Steuern zu kassiern.

Kleines Beispiel:

Das Vermögen der Fürstenfamilie Liechtenstein wird auf mehrere Milliarden geschätzt.

Nicht nur das die Familie kaum Steuern bezahlt, da das Vermögen in einer Stiftung geparkt ist,
http://is.gd/5hh1ON
nein, die Milliardenschwere Familie streicht auch noch Förderungen in Millionenhöhe ein.

gebdensenfdazu
01
10.12.2011, 17:57
Genowo
00
10.12.2011, 19:39
Schön!

Heißt der Film "Network"?

Ich bin Österreicher und ich möchte Kommunismus
01
10.12.2011, 19:26
Dafür muss man kein Hellseher sein

Schon Marx wusste, dass das Lügen-System der Bourgeoisie hinweggefegt werden wird.

I would prefer not to
17
10.12.2011, 17:34

Warum haben unsere Staaten so viele Schulden?
Wer streicht die Zinsen ein?
Wer profitiert von den Schulden?
Warum hat sich auf den Konten einiger weniger, genau die Summe angehäuft, die der Staat Schulden hat?
Und das alles in der genau gleichen Zeit, in der die neoliberale Politik stärker und stärker wurde?

Na dämmerts?
(Nein, es waren nicht Kreisky, Sozialhilfeempfänger oder Frühpensionisten.)

Richtig!
Moderne Staaten haben nur eine Aufgabe.
Das Geld von vielen kleinen Steuerzahlern, auf die Konten einiger weniger zu verteilen.

icke
16
10.12.2011, 16:18
Eine Schuldenbremse

im Verfassungsrang wäre die endgültige Kapitulationserklärung der Regierung vor dem Kapital.

Faymann disqualifiziert sich selbst als "Sozialdemokrat". Seine Aufgabe sollte sein eine ARMUTSBREMSE in den Verfassungsrang zu heben.

Mit diesem Verhalten das er gerade zeigt, brechen der SP links und rechts die Wähler tonnenweise weg. Er hätte wissen sollen: wer sich mit Hunden ins Bett legt, wird mit Flöhen aufwachen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 283
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.