Fünf Blauhelme auf Patrouille verletzt - Am Straßenrand versteckte Bombe explodiert
Tyrus - Bei einem Angriff auf eine UNO-Patrouille im Südlibanon sind am Freitag fünf französische Blauhelm-Soldaten - unter ihnen eine Frau - und ein Zivilist verletzt worden. Nach Angaben eines Vertreters der libanesischen Sicherheitskräfte explodierte der am Straßenrand versteckte Sprengsatz, als ein Jeep der UNIFIL ("United Nations Interim Force in Lebanon"), an der seit November auch Österreich beteiligt ist, in Bourj Chemali, südlich der Küstenstadt Tyrus (Sour), eine Kreuzung passierte. Zwei der verletzten Soldaten wurden ins Krankenhaus gebracht. Durch die Wucht der Explosion wurde ein etwa ein Meter tiefer Krater in den Boden gerissen, das Fahrzeug wurde schwer beschädigt.
Frankreich werde sich durch derartige Vorkommnisse nicht einschüchtern lassen, erklärte Außenminister Alain Juppé nach Angaben des Quai d'Orsay in einer ersten Reaktion. Der libanesische Ministerpräsident Najib Mikati verurteilte den Angriff und sprach der UNO-Mission seine Solidarität aus. Es war bereits der dritte Anschlag auf die UNO-Stabilisierungstruppen im Libanon.
Der Einsatz der "United Nations Interim Force in Lebanon" basiert auf den Sicherheitsrats-Resolutionen 425/426 (1978) und 1701 (2006). Vor fünf Jahren beschloss der Weltsicherheitsrat nach dem israelisch-libanesischen 34-Tage-Krieg eine Verstärkung von UNIFIL von vorher 2.000 auf bis zu 15.000 Blauhelm-Soldaten und eine maritime Komponente. Das Mandat der (gegenwärtig 12.000) UNO-Soldaten wurde ausgeweitet, sie können notfalls auch Waffengewalt anwenden. Österreich hatte im November im Rahmen der UNIFIL-Mission rund 160 Soldaten des Bundesheeres in den Libanon entsandt.
Im September hatte Ministerpräsident Mikati bei einem Besuch in Paris den Wunsch seiner Regierung nach einer weiteren französischen Beteiligung an der UNO-Truppe zum Ausdruck gebracht. Er verurteilte gleichzeitig Angriffe auf Blauhelm-Soldaten. Die Ratifizierung eines Sicherheitsvertrages zwischen dem Libanon und Frankreich war im Beiruter Parlament am Veto der schiitischen Hisbollah gescheitert.
Die US-Regierung befürchtet unterdessen, dass die andauernden Unruhen in Syrien zu einer gefährlichen Destabilisierung des Nachbarlandes Libanon führen könnten. Aus diesem Grund hielt sich der für den Nahen Osten zuständige US-Unterstaatssekretär Jeffrey Feltman seit Mittwoch zu Gesprächen mit dem libanesischen Ministerpräsidenten in Beirut auf. In einer von der amerikanischen Botschaft herausgegebenen Erklärung hieß es, die USA wünschten, dass "die Ereignisse in Syrien nicht Instabilität im Libanon und in anderen Ländern der Region erzeugen".
Im Libanon kam es in den vergangenen Wochen zu teilweise schweren Auseinandersetzungen zwischen pro- und antisyrischen Kräften. Vor allem in Tripoli, der zweitgrößten libanesischen Stadt im Norden des Landes, war es nach der Auslieferung islamistischer Flüchtlinge an Syrien zu Zusammenstößen zwischen Sunniten und pro-syrischen Alawiten gekommen. Der schiitische Parlamentspräsident Nabih Berri hatte den Abgeordneten nach Handgreiflichkeiten und Prügeleien im Plenum jede weitere Debatte über die Vorgänge in Syrien verboten. Der Libanon hatte in der Arabischen Liga gegen die Suspendierung der Mitgliedschaft Syriens gestimmt, was von der pro-westlichen Opposition um Ex-Premier Saad Hariri als "Schande" bezeichnet worden war. (APA/AFP/Reuters)