Machtprobe zwischen Militärjunta und Parteien

9. Dezember 2011, 11:43

Ziviles Beratergremium soll offenbar Parlamentarier schwächen

Kairo - Während die Parlamentswahl noch im Gang ist, droht in Ägypten die nächste politische Krise. Der von Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi angeführte Oberste Militärrat, der nach der Entmachtung von Präsident Hosni Mubarak im Februar die Macht übernommen hatte, legt sich nach der Einsetzung des ehemaligen Mubarak-Gefolgsmanns Kamal al-Ganzouri zum Premier ein ziviles Beratergremium zu, das die Befugnisse der Parlamentarier in der Übergangsphase beschneidet.

Ahmed Shaaban, Gründer der Sozialistischen Partei, erklärte nach Angaben der regierungsnahen Nachrichtenwebsite "Al-Ahram online" vom Freitag, er sei von den Generälen als "Berater" ausgewählt worden. Er habe jedoch abgelehnt, "weil der Militärrat verantwortlich ist für die Konterrevolution, die zur Zeit läuft". Auch die Muslimbruderschaft, deren Partei der Freiheit und Gerechtigkeit in der ersten Phase der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat, lehnten es ab, sich an dem Rat zu beteiligen, der bis zu der für Ende Juni vorgesehenen Präsidentschaftswahl bestehen soll. Sie befürchten vor allem, dass das Gremium die gewählten Volksvertreter bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung behindern könnte.

Der im ersten Wahlgang unterlegene linke Aktivist George Ishak forderte die Muslimbrüder unterdessen auf, offenzulegen, wer ihren Wahlkampf finanziert habe und wie sie ihr Geld verwendet hätten. Viele säkulare Politiker haben behauptet, der Golfstaat Katar habe die Muslimbrüder massiv unterstützt.

Am kommenden Mittwoch wird in weiteren neun Provinzen gewählt. Der dritte und letzte Wahlgang beginnt am 3. Jänner. Einen Teil der Machtbefugnisse, die laut Verfassung dem Präsidenten zustehen, hat der Militärrat bereits der neuen Übergangsregierung unter Ganzouri übertragen, zu der etliche Top-Funktionäre aus der Mubarak-Ära gehören.

Die Muslimbrüder als stärkste organisierte politische Kraft des Landes haben Anspruch auf die Regierungsführung erhoben, sollten sie erwartungsgemäß die größte Parlamentsfraktion stellen. Um ihre enormen Privilegien zu sichern, streben Kräfte im Militär unter Juntachef Tantawi offenbar ein Bündnis mit den Muslimbrüdern an. Große Teile der ägyptischen Öffentlichkeit, insbesondere die Jugend, sind unzufrieden mit der Entwicklung seit Mubaraks Sturz und dem Einbruch der Wirtschaft seit Beginn der Volkserhebung. Jugendgruppen werfen den Streitkräften vor, Mubaraks alte Seilschaften an der Macht zu halten. Dem Militär, das über ein Industrieimperium verfügt und von 1,3 Milliarden Dollar US-Militärhilfe jährlich profitiert, wird vorgeworfen, Mubaraks alte Seilschaften an der Macht zu halten. Den Sicherheitskräften werden Menschenrechtsverletzungen und Folter angekreidet. (APA)

Walter J. Ferstl
00
11.12.2011, 20:35
Großen Respekt für einen Politiker, der so klare, mutige Worte spricht:

Ahmed Shaaban, Gründer der Sozialistischen Partei, erklärte nach Angaben der regierungsnahen Nachrichtenwebsite "Al-Ahram online" vom Freitag, er sei von den Generälen als "Berater" ausgewählt worden. Er habe jedoch abgelehnt, "weil der Militärrat verantwortlich ist für die Konterrevolution, die zur Zeit läuft".

Angesichts der Kontinuitäten zwischen dem Mubarak- und dem jetzigen Militärregime (v.a. was die Geheimpolizei betrifft) wünsche ich Ahmed Shaaban von ganzem Herzen alles Gute.

NONE
01
9.12.2011, 13:18

"Viele säkulare Politiker haben behauptet, der Golfstaat Katar habe die Muslimbrüder massiv unterstützt."

Das passt ja wunderbar ins Bild. Al Jazeera über Katar für die Muslimbrüder, und die Salafisten vom Saud-Regime.

Diese gesamte arabische Revolution hat so ein eminent deutliches Zeichen der Einflusssphäre des Saud Regime und seiner befreundeten Regime ... auch der Vorgang gegen Syrien spricht Bände.

Ich frage mich wie sich die Türkei fühlt, denn für sie ist kein Platz in der EU. Die werden sich ins gross-arabische Reich fügen müssen.

Darauf freue ich mich schon, gleich zu gleich gesellt sich gerne. :>

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