Walken und Laufen hilft bei Migräne

9. Dezember 2011, 14:38

Sport wirkt sich auf Kopfschmerzen positiv aus

Sportliche Betätigung wirkt sich deutlich positiv auf die Stärke, die Häufigkeit und die Dauer einzelner Migräneattacken von Patienten aus. Das hat jetzt eine Studie am Universitätsklinikum Kiel gezeigt, die mit Unterstützung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) durchgeführt wurde. „Vor allem der Sport im aeroben Herzfrequenzbereich zur Steigerung der Ausdauer, zum Beispiel durch ein ausreichend effizientes Lauftraining, soll hierfür in besonderem Maße geeignet sein", sagt Stephanie Darbaneau, die die Studie begleitet hat.

In der vorliegenden Studie zu Sport bei Migräne wurde die Wirkung von Laufen und Walken auf Migräne verglichen. Das Walken wurde dabei als moderate Bewegungsart gewählt, weil es mit den Patienten zwar eine Aktivität, aber keine Leistungssteigerung im Sinne eines Fitnesslevel-Anstiegs erreicht. Das Ansteigen des Fitnesslevels hatte sich in Vorstudien als maßgeblich für den Erfolg für Sport bei Migräne erwiesen. Von insgesamt 52 Patienten hielten 28 den Trainingsplan (3 x die Woche für 30 Minuten) über den gesamten Zeitraum von zehn Wochen durch. Bei diesen Patienten zeigte sich am Ende der Studie, dass die Migränetage in der Laufgruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden um 21,8 Prozent pro Monat zurückgingen. In der Walkinggruppe kam es durch die moderate Bewegung zu durchschnittlich 1,3 Attacken pro Monat weniger.

Weniger Attacken

Während der Untersuchung beobachteten die Forscher die Entwicklung der Migränesymptome acht Wochen vor und nach dem Training bei Patienten, die durchschnittlich bereits seit 20 Jahren erkrankt waren. In beiden Gruppen zeigte sich, dass sich Sport bei der Migräneerkrankung positiv auswirkt. Walken scheint dabei die Reduzierung der Attackenanzahl besonders positiv zu beeinflussen. Ob dafür eine Steigerung des Fitnesslevels notwendig ist, müssen zukünftige Studien zeigen, da es in dieser Studie auch in der Walkinggruppe zu einer Fitnesssteigerung kam. Sporttherapie ist nicht für jeden Patienten das Richtige. Das zeigt die hohe drop out Rate. Allerdings zeigt auch die Erfahrung der Münchner Kopfschmerzambulanz, dass viele Migräne-Patienten den Sport schließlich dauerhaft in den Alltag integrieren. „Von all den nicht-medikamentösen Maßnahmen, ist Sport das, was die Patienten auch nach einem Jahr noch am häufigsten regelmäßig praktizieren", sagt Andreas Straube von der DMKG.

Ansteigen der Schmerzschwelle

Bislang gibt es nur wenige Studien, die den erwarteten positiven Effekt des Sports belegen. Bisher haben zehn Studien den Effekt von Sport auf die Migräneerkrankung untersucht. Dabei verfolgte der größte Anteil dieser Studien ein prospektives Design, das die Migränesymptomatik vor und nach einer Trainingsphase untersuchte. Insgesamt konnten fünf dieser zehn Studien nach einem Ausdauerlauftraining (Dauer zwischen sechs und zehn Wochen) einen positiven Effekt auf die Reduzierung der Attackenhäufigkeit nachweisen. Bei den restlichen fünf Studien blieb der Effekt unklar oder konnte nicht nachgewiesen werden.

Als Erklärung für die vom Ausdauersport erwarteten Effekte wird ein Ansteigen der Schmerzschwelle diskutiert. Ausdauersport soll den Abbau von unter Stress ausgeschütteten Hormonen beschleunigen, den Stresshormonpegel der Patienten senken und dadurch die individuelle Schmerzschwelle beeinflussen. (red)

utarefson
00
10.12.2011, 18:20
Sehr interessant für Statistiker!

Und ich möchte wetten, dass das Studiendesign und die Fallzahlen alles andere als eine eindeutiges Ergebnis zulassen. Es geht halt nicht über die Erwartungshaltung, die Schwester des Placeboeffektes!

Paul Achatz
 
03
10.12.2011, 16:56

"Bei diesen Patienten zeigte sich am Ende der Studie, dass die Migränetage in der Laufgruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden um 21,8 Prozent pro Monat zurückgingen. In der Walkinggruppe kam es durch die moderate Bewegung zu durchschnittlich 1,3 Attacken pro Monat weniger."

Es ist schon eine Leistung, so viele Zahlen auf genau die eine Art zu berichten, dass sicher kein Vergleich zwischen Laufen und Walking möglich ist. Macht ihr das eigentlich absichtlich, oder passiert so ein Blödsinn einfach? Und wenn das im Originalartikel so steht, dann ist er wertlos, und es lohnt nicht, darüber zu berichten.

frustrierte frankfurter depressive debreziner
00
10.12.2011, 16:46

es ist halt so dass hierzulande mehr stalken und saufen.

kopfsalat
00
10.12.2011, 14:30
was soll man denn walken?

nudeln?

Meingott Schrammel!
 
00
10.12.2011, 00:24
Empirie trifft Studie

Genieße seit fast 30 Jahren Migräneattacken. Habe in den 30 Jahren etliche körperliche (sportliche) Höhen und Tiefen durchwandert und kann aus ganz einfacher persönlicher Erfahrung die Ergebnisse dieser Studie bestätigen: Ausdauersport hebt die Schwelle der Attacken und reduziert die Anzahl.

Und wenn ich jetzt noch den inneren Schweinehund erlegen könnte und wieder regelmäßig Sport triebe, könnte ich den Triptan-Konsum wahrscheinlich auf 0 reduzieren...

PS zum Vorposter: Bei einer Migräneattacke mit Sport zu beginnen ist für mich auf Grund der pochenden Schmerzen vollkommen unmöglich. Vermute da eher einen Verspannungskopfschmerz, der tatsächlich mit Bewegung zu reduzieren ist.
Sollten Sie mal mit einem Neurologen besprechen.

Max Fleischmann
00
10.12.2011, 11:29
bei mir ebenfalls

ist quasi praktisch, weil man so gezwungen wird gesünder zu leben. Gehe ich nicht laufen, habe ich Migräne, gehe ich laufen, dann nicht. Selbst wenn viel Arbeit wartet, *muss* ich Sport machen, weil weiterarbeiten ebenfalls zu "Zeitausfall" führt :-) D.h. die Ausrede "kein Zeit für Sport" geht bei nicht.

Naphtali
02
9.12.2011, 16:12
Also Laufen

wirkte bei mir wahre Wunder - auch während einer Attacke verschwand die Migräne nach einigen Kilometern.

Jetzt kommt das übergroße Aber: Sich während einer Attacke dazu zu überwinden, 1. zu laufen anzufangen und 2. die ersten paar Kilometer auch noch durchzuhalten ist etwas, was mir leider nur ganz ganz ganz ganz selten gelungen ist.

So bin ich also heilfroh, dass bei mir das Thema Migräne schon seit einiger Zeit abgehakt ist.

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