"Wenig ambitioniert"

Rechnungshof kritisiert Wiener Gebietskrankenkasse

9. Dezember 2011, 11:24

Bericht: "Kein Konzept zur nachhaltigen Sicherung der finanziellen Leistungsfähigkeit der WGKK" - Reaktion der WGKK: "Durchforsten derzeit sämtliche Bereiche"

Wien - Der Rechnungshof (RH) übt neuerlich heftige Kritik an der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). "Es gibt kein Konzept zur nachhaltigen Sicherung der finanziellen Leistungsfähigkeit der WGKK", heißt es in einem Follow-up-Bericht des RH, in dem die Wiener und die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse verglichen wurden. Die Prüfer halten darin beiden Kassen, dem Sozialministerium und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger vor, die Empfehlungen des RH nur teilweise umgesetzt zu haben.

"Zur nachhaltigen Sicherung ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit sind weitere Bemühungen der Wiener Gebietskrankenkasse erforderlich", schreiben die Prüfer. Die von der WGKK selbst ergriffenen Maßnahmen halten sie für "unzureichend". Der RH wirft der WGKK auch vor, dass sie sich über die für den Bezug von Mitteln aus dem Kassenstrukturfonds maßgeblichen Ziele hinaus keine weiteren Ziele gesetzt habe. "Generell waren die bis 2013 vorgesehenen Finanzziele im Hinblick auf die wesentlich günstigere Gebarungsentwicklung der Krankenversicherungsträger (insbesondere bei Heilmitteln) nicht mehr aktuell und wenig ambitioniert."

Bereits in einem Vergleich der Kassen von Salzburg und Kärnten vor rund zwei Wochen hatte der RH die den Krankenkassen vorgegebenen Finanzziele zu deren Sanierung als "zu wenig ambitioniert" kritisierte und einen "ambitionierten Eigenbeitrag" der Kassen gefordert.

"Finanzielle Leistungsfähigkeit nicht gesichert"

Obwohl der Schuldenstand vor allem durch den Einsatz öffentlicher Mittel in den letzten Jahren reduziert werden konnte, sieht der RH die finanzielle Leistungsfähigkeit der WGKK "langfristig nicht gesichert". Die Prüfer verweisen darauf, dass die WGKK in den nächsten Jahren bereits wieder mit stark steigenden negativen Bilanzergebnissen rechnet (2011: - 38,15 Millionen Euro, 2012: - 46,22 Mill., 2013: - 77,49 Mill Euro).

Man arbeite "mit großem Engagement derzeit an einem zusätzlichen Sanierungskonzept", reagierte die WGKK auf die Kritik des Rechnungshofs. Um die selbstgesteckten Vorgaben zu erreichen, durchforstet die WGKK im Moment sämtliche Bereiche. Die von der Politik vorgegebenen Finanzziele wurden im Vorjahr übererfüllt - in der Höhe von rund 39,4 Millionen Euro, betont die WGKK. Für das Jahr 2011 könne nach letzten Berechnungen ebenfalls von einer Übererfüllung (rund 29 Millionen Euro) ausgegangen werden. Darüber hinaus habe die WGKK in den vergangenen Jahren im Bereich der Ärztlichen Hilfe, Heilmittel, Transportkosten, Heilbehelfe und Hilfsmittel sowie in der Verwaltung bereits Maßnahmen zur Kostendämpfung ergriffen.

Einsparungspotenzial nutzen

Die Bilanzergebnisse entwickeln sich wesentlich besser als noch vom RH angenommen. Für 2011 wird laut WGKK ein Bilanzverlust von rund 3,9 Millionen Euro angenommen, wobei ein ausgeglichenes Ergebnis in Reichweite sei. Die WGKK betont aber, dass der Spar- und Konsolidierungskurs nicht auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten ausgetragen werden dürfe.

ÖVP-Rechnungshofsprecher Hermann Gahr appelliert indes an die WGKK und an Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), die Empfehlungen des RH umzusetzen und das aufgezeigte Einsparungspotenzial zu nutzen. (APA)

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19 Postings
Ravenspower
00
27.12.2011, 21:58
WGKK alle Jahre hohe Verluste

vielleicht sollte jemand mal die WGKK zur chefsache erklären - die dortigen funktionäre scheinen untätig zu sein.
es muss möglich sein alle gebietskrankenkassen in AT ausgeglichen zu führen.
wahrscheinlich aber sind auch diese mit politischen funktionären vollgestopft welche ein vermögen kassieren und dabei keinen genierer kennen.

ocelote
11
11.12.2011, 12:51
Bericht lesen

Der Bericht sollte im Original gelesen werden - dann zeigt sich nämlich die Blamage des RH. Bei so konkreten Empfehlungen wie "wären weiter alle Möglichkeiten zur Kostensenkung auszuschöpfen" sollte das eigentlich für die PrüferInnen Konsequenzen haben im Sinne einer gesamtstaatlichen Verwaltungsreform. Im ganzen Bericht keine Analyse über Sinnhaftigkeit bzw Grenzen der Vergleichbarkeit zwischen Wien und OÖ. Großteils reines Festhalten am Oberziel positiven Ergebnis ohne zumindest die Frage aufzuwerfen, ob dann strukturelle Einnahmenunterschiede nicht zu einer Leistungsdiskriminierung führen könnten. Wenn die Finanzziele zum alleinigen Kriterium der Erfolgsmessung öffentlicher Aufgabenerfüllung werden, dann gute Nacht (Gesundheits-)System.

Victor Klemperer
10
11.12.2011, 11:41
Die Politik hat versagt

Als 2008 die Sozialpartner ihr Reformpapier der Öffentlichkeit vorlegten, wurde in den Verhandlungen von den damaligen Regierungsparteien (SPÖ und ÖVP) alles Wesentliche verwässert. Die Sozialpartner zogen sich zurück und die Gesundheitsreform wurde abgeblasen. Was dann unter der Regierung Faymann kam, war teure Kosmetik.
Daher hat die WGKK und die anderen Kassen keine Chance sich zu konsolidieren, außer, sie sparen bei den Versicherten. Was sie auch trefflich tun.

ocelote
01
11.12.2011, 12:53

ach, die vom RH suggerierten Einsparungen bei den Heilmitteln um ein Drittel ist doch sicher ohne Folgen für die PatientInnen möglich :-(

Hubert Ungeist
 
02
11.12.2011, 15:37
ja das behaupten doch vor allem SP Politiker

man muss nur die bösen, bösen Pharmafirmen verbieten.

Die grausame Realität 2011
10
11.12.2011, 23:26
Warum verbieten?

Aufgrund des Marktversagens (zu wenige Medikamente zu leistbaren Preisen), dazu wirtschaftsschädliche Phantasieeinkommen und standardisierte Korruption (während einer OP-Vorbesprechung musste mein Arzt geschlagene 10 Minuten über die 700-Euro-Kaffeemaschine mit dem Pharmavertreter verhandeln), gibt es nur eine Lösung:
Massive staatliche Pharmaforschung mit einem Verwaltungsaufwand von 2,4% (wie die gesetzlichen Krankenkassen) und ohne Gewinnaufschlag. Danach dürfen wieder Angebot und Nachfrage ihren Lauf nehmen.

Hubert Ungeist
 
00
12.12.2011, 04:41
Sie wissen aber schon dass die 2,4% eine ziemlich

getürkte Sache sind.

Abgesehen davon, steht es ja den KKs und den Staaten schon jetzt frei selbst zu forschen. Komisch das sie das nicht schaffen.

Sie verhandeln sich nichts mit IHrem LIeferanten aus? Keinen Rabatt gar nix?

Alo
01
11.12.2011, 01:21
"Wenig ambitioniert"

Bei wem oder was soll noch mehr gepart werden als schon jetzt bei den Patienten und Therapieen?
Diese Informationen werden immer vorernthalten.

grube21
14
11.12.2011, 14:04

Vielleicht einmal mal den Funktionären?

Cecil Max
00
11.12.2011, 15:10
Genau!

Da sitzen ja u.a. hochbezahlte WK-Mitarbeiter in den Organen und kassieren noch Funkitonsgebühren dazu.

TomTom33
00
10.12.2011, 19:05
Wieder mal typisch

die Renovierung der Himmelpforte steht in den Schlagzeilen ganz oben, die GKK ganz unten.

paolo
02
9.12.2011, 18:34
personalkosten kürzen

und die provisionen der pharmaunternehmen dem rechnungshof übergeben, gleichzeitig befugnisse für rh erweitern zur ordnungsbehörde, was sollten die ärzte dagegen haben, sie haben einen eid auf was noch mal geleistet, hr. dr.?

Hubert Ungeist
 
02
11.12.2011, 15:38
Äh ein Eid wird schon lange nicht mehr geschworfen

und ein Armutsglübde war es sowieso nie.

leser 4712
01
9.12.2011, 13:40
wetten

die nächste aktion scharf gegen kleinunternehmer folgt auf den fuß!

GhostInside
01
9.12.2011, 14:52
sind die nicht bei der SVA?

hot doc
01
10.12.2011, 07:54

ihre angestellten jedenfalls nicht, für die zahlt man die sv-beiträge an die gkk. gnade dir, wenn du die beiträge einmal nicht pünktlich ablieferst, schon die erste zahlungsaufforderung ist wie ein gottesgericht formuliert.

leser 4712
00
9.12.2011, 18:55
so lange

sie nicht mit mitteln des auftraggebers arbeiten. ihre aufgaben zeitunabhängig (lol) erledigen dürfen und weisungsungebungen sind.

na, wie viele dienstleister werden sie sich da noch "krallen" können?

HansPeter10
03
9.12.2011, 17:33

Die sind eh die größten Gangster.

Erwin Wolfram
01
9.12.2011, 12:23
uebersetzung

lasen sie sich nicht hie und da zu einem kleinen fehler in der behandlung inspirieren, auch wenn es dafuer boni geben sollte.

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