Erste baut in Ungarn bis zu 450 Leute ab

9. Dezember 2011, 15:07
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Von Einsparungen vor allem Ungarn betroffen - Bank will 743 Millionen Kapitalbedarf ohne staatliche Unterstützung erreichen

Wien - Die Erste Group wird in Ungarn 400 bis 450 Leute abbauen. Es werde aber zu keinem Rückzug aus einem der CEE-Märkte der Erste kommen, kündigte Erste-Chef Andreas Treichl am Freitag anlässlich des achten Kapitalmarkttages der Bankengruppe in Wien an. Weiters bekräftigte die Erste Group, dass sie den im Rahmen des EBA-Stresstests berechneten Kapitalbedarf in Höhe von 743 Mio. Euro bis Mitte 2012 ohne staatliche Unterstützungsmittel erreichen wolle.

Von der "Anpassung der Kostenstruktur an die realwirtschaftlichen Gegebenheiten" wird vor allem Ungarn betroffen sein. Dort soll es zu einer "Restrukturierung und Redimensionierung" kommen, zum Beispiel die Integration von Tochtergesellschaften in die Bank, Verkleinerung des Filialnetzes um 43 Filialen und eine Senkung des Mitarbeiterstandes um 400 bis 450. "Wir bleiben aber auch in Ungarn weiterhin ein Partner der Wirtschaft und sehen es als eine unserer Kernaufgaben an, der Wirtschaft Kredite zur Verfügung zu stellen", so Treichl.

"Auch wenn es in manchen Ländern zu unorthodoxen wirtschaftspolitischen Maßnahmen gekommen ist und manche Länder für wachstumsfördernde Maßnahmen mehr Zeit benötigen, werden wir dieser Region treu bleiben", betonte Treichl.

Die Erste sei ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dieser Länder und sehe es daher als ihre Verantwortung an, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Menschen, Unternehmen und Staaten verstärkt Kapital, Liquidität und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Die dafür notwendigen Mittel sollen aus dem internationalen Geschäft und anderen, nicht als Kerngeschäft definierten Geschäftsfeldern umgeschichtet werden.

Kosten senken

Mit ihren knapp 17 Millionen Retail- und Geschäftskunden sei die Erste Group in jenen Ländern vertreten, die aus ihrer Sicht die besten Wachstumschancen bieten werden und entweder Mitglieder der Europäischen Union seien oder Chancen hätten, dies zu werden, wird betont.

2012 will die Erste angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor allem die Kosten unter das Niveau von 2011 senken. Das Management erwartet für 2012 auch einen Rückgang der Risikovorsorgen auf Gruppenebene (ohne Berücksichtigung der Einmaleffekte in Ungarn im dritten Quartal 2011).

Bank will Kapitalerfordernis übertreffen

Die laut EBA-Stresstest auf die neun Prozent Kernkapital fehlenden Mittel in Höhe von 743 Mio. Euro werden sich einerseits aus erwirtschafteten Erträgen und andererseits aus dem selektiven Abbau von Geschäften, die nicht dem Kerngeschäft zuzuordnen sind, zusammensetzen, teilte die Erste weiter mit. Zudem will man die vorgeschriebene Kapitalerfordernis um rund 200 Mio. Euro übertreffen. Per Mitte 2012 werde dies einer Kernkapitalquote von 9,1 bis 9,2 Prozent entsprechen, sagte Finanzvorstand Manfred Wimmer am Freitag am Kapitalmarkttag der Erste in Wien.

Zur Deckung der Kapitallücke sollen 500 bis 550 Mio. Euro der Gewinne zurückbehalten werden. Belastend wirken sich dagegen 210 Mio. Euro für die Kuponzahlungen des staatlichen Partizipationskapitals und rund 100 Mio. Euro für eine weitere Aufstockung bei der rumänischen Tochter BCR aus.

Credit Default Swaps weichen

Die Reduktion von risikogewichteten Assets soll mit 900 Mio. Euro kapitalstärkend wirksam werden. Davon entfallen laut Plan 200 Mio. Euro auf das Kerngeschäft und 500 Mio. Euro auf das Nicht-Kerngeschäft, weitere 200 Mio. Euro werden dem Bereich Marktrisiko zugerechnet. Vorsichtshalber wird ein Kapitalpuffer von 150 Mio. Euro für das Wechselkursrisiko berücksichtigt.

Die Hauptkomponenten bei der Reduzierung der risikogewichteten Assets kommen mit 1,1 Mrd. Euro aus den bestehenden CDS-Positionen, 1,3 Mrd. Euro stammen von technischen und regulatorischen Effekten, um 3,5 Mrd. Euro sollen die Assets außerhalb des Kerngeschäfts und um 2,5 Mrd. Euro im Kerngeschäft reduziert werden.

Plan B

Sollten die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen, um bis Juni 2012 die Kernkapitalquote von 9 Prozent zu erreichen, hat die Erste Group noch einen Plan B in Reserve. Durch weitere Maßnahmen könnte zusätzliches Eigenkapital von rund 500 Mio. Euro gehoben werden.

Diese eher als außerordentlich einzustufenden Maßnahmen betreffen das - derzeit nicht geplante - Aussetzen von Kuponzahlungen für das PS-Kapital, wodurch 140 Mio. Euro eingespart werden könnten, die Umwandlung von privatem PS-Kapital in EBA-konformes Kapital - was 200 bis 250 Mio. Euro bringen sollte -, und die Rücknahme von Hybridkapital, was sich mit rund 200 Mio. Euro auswirken würde, sagte Finanzvorstand Manfred Wimmer am Kapitalmarkttag der Erste Group in Wien.

Generell seien die Erfordernisse von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht FMA leichter zu erfüllen als jene der EBA, so Wimmer weiter. Während die österreichische Aufsicht nur 7 Prozent Kernkapitalquote als Minimum vorschreibe, seien dies bei der EBA 9 Prozent. Weiters anerkenne Österreich auch 540 Mio. Euro hohes privates Partizipationskapital, die EBA nicht. Unterstützung gebe deswegen aber im Europäischen Parlament. "Das schaut nicht schlecht aus", gab sich Wimmer optimistisch. Das staatliche PS-Kapital macht 1,22 Mrd. Euro aus und wird von der EBA angerechnet.

Ebenfalls berechnet hat die Erste Auswirkungen einer etwaigen Dekonsolidierung der Sparkassen. Dies würde die risikogewichteten Assets um 2,1 Prozent oder 27 Mrd. Euro verringern. Allerdings würden dadurch auch 2,8 Mrd. Euro an Eigenkapital verloren gehen, ein Minus von 2,5 Prozent. Die geringeren Abzüge bei den eigenen Aktien und immateriellen Vermögenswerten würden sich dagegen mit 0,6 Mrd. Euro oder 0,5 Prozent positiv auswirken. (APA)

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