Eine Kultstätte oder Grenzmarke

9. Dezember 2011, 16:59
  • Ein häufiges Phänomen in Bayern und Österreich sind seltsam figurierte Felsen.
    foto: österreich werbung/trumler

    Ein häufiges Phänomen in Bayern und Österreich sind seltsam figurierte Felsen.

  • Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz knapp 400 Meter. Zwei Gasthäuser in Unterkirchbach. ÖK25V Blatt 5319-Ost (Klosterneuburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz knapp 400 Meter. Zwei Gasthäuser in Unterkirchbach. ÖK25V Blatt 5319-Ost (Klosterneuburg), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000

Eine winterliche Runde von Wolfpassing zum Hängenden Stein bei Unterkirchbach

Seltsam figurierte Felsen, die als Hängender Stein bezeichnet werden, finden sich in Österreich und Bayern recht häufig und werden oft in Zusammenhang mit keltischen oder heidnischen Kultstätten gebracht. Der Hängende Stein bei Unterkirchbach im nördlichen Wienerwald bildet da keine Ausnahme. Auf dem Sandsteinblock will ein Heimatforscher runenartige Schriftzeichen entdeckt haben, auch weist der Stein an seiner Oberfläche mehrere "Schalen" auf.

Dem Vernehmen nach scheiterten Wünschelrutengänger und Pendler bei ihren Versuchen, dem Stein auf die Schliche zu kommen. Allerdings fanden sie auf dem Geländerücken darüber einen Platz mit besonders kräftiger positiver "Energie", der sich wesentlich besser als Kultstätte geeignet hätte. Sie entdeckten in der Nähe auch zwei Hügel mit intensiver negativer Erdstrahlung, die bei manchen Menschen Kopfschmerzen und Schwindelanfälle verursacht. Skeptiker waren schon immer der Ansicht, der Hängende Stein sei als religiöser Versammlungsort und Schauplatz kultischer Rituale völlig ungeeignet.

Mittlerweile neigen die meisten Experten zur Ansicht, der auf einer einst baumlosen Lehne gelegene und daher weithin sichtbare Fels sei eine Grenzmarke des 739 gegründeten Bistums Passau gewesen, welches auch Wien umfasste. Mit einem urkundlich 985 erwähnten Hangintenstein dürfte das heutige Naturdenkmal Hängender Stein gemeint sein.

Die Wanderung bereitet keinerlei Schwierigkeiten, lediglich beim Anstieg von Wolfpassing muss man aufpassen, um die Markierung nicht zu verlieren. Vor einiger Zeit wurde auch der kurze Abstecher zum Hängenden Stein bezeichnet, und zwar mit einer Edelweißmarkierung.

Die Route: In Wolfpassing am Wienerwald wandert man zum Schloss am südlichen Ortsrand und wählt bei der nächsten Weggabelung den rechten Ast, um auf der grünen Markierung am Hang des Wolfpassinger Berges anzusteigen. Man erreicht bei einem Gestüt eine Forststraße und schwenkt nach rechts auf die gelbe Markierung ein. Gleich darauf, bei einem Schranken, hält man sich links und gelangt zur Straße von Unterkirchbach nach Hainbuch. Nun folgt man der Edelweißmarkierung zu einem Rücken, hinter dem der Hängende Stein liegt. Gehzeit ab Wolfpassing 1½ Stunden.

Zurück zur Straße und auf dieser weiter nach Unterkirchbach, das man nach einer knappen halben Stunde erreicht. Vom nördlichen Ortsende folgt man der roten Markierung in Richtung Hagenbachklamm. Man passiert die Greifvogelstation und gelangt zum oberen Klammeingang. Bald darauf wechselt man nach links auf die blaue Markierung. In einem etwas steileren Anstieg gelangt man auf einen Sattel, von dem man zum Ausgangspunkt Wolfpassing zurückwandert. Gehzeit ab Unterkirchbach 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/10.12.2011)

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2 Postings
Wünschelrutengänger, Pendler, "negative Energie"

Der Bildungsstand scheint sich in der Gegend bis heute nicht viel vom Niveau der Keltenzeit entfernt zu haben.

Ergänzung

Anbei der Stein der Weisen aus dem Naturpark Blockheide bei Gmünd - https://sites.google.com/site/maus... dergrosse/

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