Schuldenbremse

Das Staatsdefizit rasch senken, sonst ...!

Gastkommentar | 9. Dezember 2011, 10:52

Haben Sie schon den österreichischen Witz des Jahres gelesen? Die Regierung verkündet: "Österreich hat Maßnahmen gesetzt, um den Schuldenstand nachhaltig zu senken!" Von Erich W. Streissler

Welche gegenwartswirksamen Maßnahmen wurden gesetzt? Bestenfalls hat man begonnen, und das sehr widersprüchlich, die eine oder andere denkbare Maßnahme zu diskutieren.

Selbstverständlich darf aber dem Bürger nichts vor der nächsten Wahl zugemutet werden - die freilich - gemessen an der Reaktionsgeschwindigkeit der heutigen Finanzmärkte - erst in einigen Jahrhunderten fällig ist, nämlich in eineinhalb Jahren! Bis dahin haben wir, wenn es so weiter geht wie bisher, das Triple A längst verloren; und die erhöhten Zinskosten des Staates, aber auch vieler privater Gläubiger machen dann schon mindestens soviel aus wie die Kosten der erforderlichen Budgetsanierung für die Staatsbürger betragen würden. Wegen der gegen ganz Kontinentaleuropa hysterisch spekulierenden Finanzmärkte ist daher drastische und rascheste Sanierung der Budgetdefizite des Staates das Gebot der Stunde.

Einsparungen sind schwierig wie nie

Dabei sind gegenwärtig und werden im kommenden Jahrzehnt Einsparungen so schwierig wie noch nie zuvor.

  • Denn erstens haben wir eine - übrigens in Europa unterdurchschnittliche - Staatsverschuldung von 74 Prozent des Sozialprodukts, welche bis 2020 auf 60 Prozent zu reduzieren ist - was also nach Adam Riese 1,5 Prozent des Sozialprodukts an (kumulativen) jährlichen staatlichen Minderausgaben bedeutet. (Bei einer Abnahme des Sozialprodukts wird diese Sanierung noch schwieriger, weil dann jeder Verschuldungsprozentsatz automatisch steigt.)
  • Zweitens beträgt unser heuriges Budgetdefizit etwa 3,9 Prozent des Sozialprodukts, erhöht noch durch nie mehr zurückkommende, somit verschwenderische Staatshilfen an Griechenland. Dieses Defizit ist durch ein weiteres 1 Prozent des Sozialprodukts ebenfalls kumulativ jährlich zu senken.
  • Drittens aber müssen auch alle anderen Euroländer drastische Einsparungen vornehmen. Das wird, wie regelmäßig in einer allgemeinen Rezession, unseren Export und noch mehr unsere Exporterlöse einbrechen lassen. Dieser Einbruch ist mit mindestens 1,5 Prozent des Sozialprodukts zu veranschlagen (unser Export ist eben sehr groß).
  • Schließlich wird das weltweite Problem der Umweltverschlechterung und des Klimawandels von Politikern gegenwärtig meist verdrängt; aber die DurchschnittsbürgerInnen spüren diese Kosten hautnah: Eingeführte Lebensmittel verteuern sich laufend, und Energiequellen erst recht wegen der beginnenden Erschöpfung der Erdölvorkommen. Das heißt: Laufend wird etwa 1 Prozent des Sozialprodukts an das Ausland abgehen müssen. Zusammengerechnet sind das volle fünf Prozent des Sozialprodukts an Wohlstandsminderung pro Jahr - also so viel wie die griechische Rezession jährlich ausmacht.

Als Gegenposten zu diesen fünf Prozent Minderungen haben wir andererseits eine laufende, einer Mehrproduktion entsprechende, Steigerung des Sozialprodukts von 1,5 Prozent jährlich zu erwarten. Denn die Not der realen Einkommensminderung wird die österreichischen Unternehmer und unsere Werktätigen zwingen, mehr zu leisten, z.B. die Exportanstrengungen zu vervielfachen. Diese zu wünschende Mehrleistung kann noch erhöht werden, indem das durchschnittliche Pensionsantrittsalter von gegenwärtig 58 Jahren auf 66 Jahre, wie in Italien, oder 67 Jahre, wie in Deutschland, angehoben wird. (Allenthalben geschieht Entsprechendes!)

Da Pensionen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung keine Einkommen sind, sondern nur Umbuchungen (so genannte Transfers) sinkt durch Pensionsreduzierung das gesamte Einkommen nicht, während es sich durch den Zwang der dann später Pensionsberechtigten zum Einkommenserwerb erhöht. Insgesamt können wir also hoffen, dass, wenn sich die Österreicher notgedrungen sehr anstrengen, der jährliche laufende Rückgang des Sozialprodukts nur knapp 2 Prozent desselben betragen wird, also bis 2017 insgesamt eine Abnahme von nur 10 bis 12 Prozent erfolgt. Das hieße, dass wir 2018 ein so hohes Sozialprodukt wie rund 20 Jahre zuvor hätten, 20 Jahre ohne Wirtschaftswachstum also - so wie bislang annähernd Japan oder jetzt die USA. All das ist aber nur möglich, wenn wir, wie gesagt, unser Budgetdefizit sanieren. Sonst drohen rapid steigende Zinsen, ja der Staatsbankrott, wie in dem schon lange herumschlampenden Griechenland.

Angesichts des drohenden raschen Vertrauensverlustes der spekulierenden Ausländer kommt freilich nur eine blitzhaft wirkende Budgetsanierung in Frage. Mehreinnahmen oder Minderausgaben müssen mit absoluter Sicherheit und ohne Verwaltungsaufwand sofort wirksam werden und obendrein große Summen erbringen! Minderausgaben zu erzielen, ist äußerst zeit- und arbeitsaufwändig, schon eine erhöhte veranlagte Einkommensteuer kommt erst in eineinhalb Jahren herein, und die angedachte "Reichensteuer" dient nur der Selbstbefriedigung der Politiker und bringt so gut wie gar nichts, da Reiche unzählige Steuervermeidungs- und sogar Hinterziehungsmöglichkeiten haben. (Nicht dass ich mich gegen eine solche Reichensteuer grundsätzlich aussprechen möchte: Wir müssen schließlich auch etwas für die Befriedigung des ausgeprägten Spieltriebes unserer heutigen Politiker tun!)

Drei sofort wirkende Maßnahmen

Ich sehe vor allem drei solche blitzhaft wirkende große Budgetsanierungsmöglichkeiten.

  1. Die Anhebung der Besteuerung von Zinsen und Dividenden von 25 Prozent auf 35 Prozent. Fast niemand lebt in Österreich hauptsächlich von Zinsen und Dividenden; meistens sind diese in relativ kleinen Beträgen sehr breit gestreut und werden kaum verplant. Sie werden vielfach als "Zufallsgewinne" gesehen, die leicht eingeschränkt werden können. Eingezogen wird in ihrem jetzigen geringeren Ausmaß diese Steuer bereits von Banken und Kapitalgesellschaften, so dass die Zusatzeinnahme verwaltungsmäßig praktisch null kostet. Wenn weiters diese Steuer verpflichtend jedes Jahr im vorhinein einzuheben sein würde, so könnten bereits im Februar 2012 die Einnahmen in der Staatskasse klimpern und die 90-Tage-Frist der Triple-A Bewertung wäre eingehalten.
  2. Muss in der gegenwärtigen budgetären Notlage endlich die heilige Kuh des fast steuerfreien 13. und 14. Gehalts bei Lohneinkommen geschlachtet werden. Ich schlage vor, den 13. und 14. Gehalt in Zukunft statt mit maximal 6 Prozent mit dem jeweiligen halben Grenzsteuersatz des Empfängers zu besteuern; oder, was das gleiche wäre, den 13. Gehalt zwar voll zu besteuern, den 14. hingegen unbesteuert zu belassen, also nicht einmal mit 6 Prozent zu besteuern. Das hieße, eine mäßige Erhöhung des Grenzsteuersatzes für Lohneinkommen von 43,8 Prozent auf 46,4 Prozent vorzunehmen, also noch immer nennenswert unter den magischen 50 Prozent Steuersatz zu bleiben. Doch wären so die oberen etwa 45 Prozent der Einkommensbezieher belastet und nicht nur das läppische 1 Promille wie bei der angedachten "Reichensteuer". Auch diese Maßnahme ließe sich mit sehr geringem Verwaltungsaufwand unverzüglich durchführen. Da Anfang März ein Viertel des neu voll zu besteuernden 13. und ein Viertel des neu steuerfreien 14. Gehalts auszuzahlen wären, würden Mehreinnahmen noch innerhalb der von den ausländischen Fiskal-Beurteilern gesetzten 90-Tage-Frist eingehen können.
  3. Mein dritter Vorschlag betrifft eine neue Vermögenssteuer, die in verschiedenen, aber nicht optimalen Formen vielfach erwogen wird. Sämtliche Einhebungsschwierigkeiten würden durch eine einmalige Vermögensabgabe vermieden, und zwar nur auf Finanzvermögen (Sparkonten und Wertpapiere) von sagen wir 10 Prozent. Ein solcher einmaliger Finanzvermögensschnitt entspräche der gegenwärtigen Finanznotlage und wäre sehr Triple-A-wirksam. Einzuheben wäre diese Vermögensabgabe von der jeweiligen Bank, bei der das Sparkonto aufliegt, oder von der Kapitalgesellschaft, bei der Anleihen oder Kapitalanteile gehalten werden. Würde zudem etwa mit 1 Prozent Prämie die direkte Rückgabe von Staatsanleihen zusätzlich honoriert werden, so würde die langfristige Staatsverschuldung sofort erheblich fallen, was wiederum Triple-A-wirksam wäre. Würde die Vermögensabgabe auf den Stand des Finanzvermögens von Ende Dezember 2011 berechnet, so wäre (bei Gesetzeserlass später als im Dezember) eine solche Abgabe auch nicht vermeidbar oder umgehbar. Würde das entsprechende Gesetz rechtzeitig im Januar 2012 erlassen, so könnte auch die Vermögensabgabe noch innerhalb der erwünschten 90 Tage eintreffen.

Bei den überlegten drastischen zusätzlichen Abgaben würde, teilweise in einem Einmaleffekt, eine sofortige Budgetsanierung eintreten, ja die Staatsschuldenquote würde nennenswert fallen. Die laufenden Konsumausgaben wären hingegen relativ wenig betroffen, da vieles davon nur als Vermögensveränderung, nicht als laufende Einkommensänderung aufgefasst würde.

Das laute Geheule aller Uneinsichtigen - jeder hätte natürlich immer gute Gründe zum Heulen! - müsste im Interesse der Zukunft unseres Landes mit Fassung ertragen werden. (Erich W. Streissler, derStandard.at, 9.12.2011)

Autor

Dr. iur., o. Prof. Erich W. Streissler ist o. Professor der Volkswirtschaftslehre, Ökonometrie und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Wien, Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Kommentar posten
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Railway Insider
02
14.12.2011, 10:08
10% weg? - na dann auf zur Bank

Würde meiner Meinung nach zu einem Kollaps des Bankensystems führen, wenn alle Österreicher ihre Ersparnisse (egal ob in Cash, Aktien oder sonstigen Investitionen) von der Bank abziehen (oder auf ein ausländisches Konto einzahlen), um einen Vermögenstransfer an die Regierung zu verhindern. Würde eine nicht aufzuhaltende Abwärtsspirale in Gang setzen, da sich die Banken anders refinanzieren müssten, höhere Zinsen zahlen müssten, weniger Gewinn häten, usw.

Mit dem Geld im Strumpf schläft sichs in dem Verschlag wahrscheinlich doch am besten ;-)

Ich bin der Meinung...
00
22.12.2011, 20:17
Gar nichts würde passieren

weil es gar nicht möglich wäre. Ihre Vermögensflüsse wären ja rückwirkend leicht eruierbar. Eine Behebung der Kontostände daher völlig sinnlos.

Investor-
00
14.12.2011, 15:53
So eine 'einmalige' Sondersteuer würde schon zu viel Angst und einer Kapitalflucht führen!

cheap thrills
01
12.12.2011, 08:49
professor fu man-chu,

mit sadistischer fistelstimme.

Pirjeri Ryynänen
00
11.12.2011, 18:00
Interessanter Ansatz!

...dessen praktische Durchführung jedoch kein triviales Unterfangen ist. Bei Spar- und sonstigen Geldeinlagen kein Problem. Bei Finanzvermögen in Form von Aktien, Anleihen, Investmentfonds, Derivaten usw. wird's schon ein bisschen diffiziler: Wird ein Bestand per Stichtag festgesetzt? Werden von jedem Einzelbestand 10% liquidiert und an den Fiskus abgeführt? Wie werden Differenzen zwischen Stichtagswert und tatsächlichem Liquidationserlös behandelt? (es würde durch diesen Massenverkauf ein gewaltiger Kursdruck ausgeübt werden). Oder wird nach Entscheidung der depotführenden Bank ein bestimmter Wert (der mit den geringsten Kursschwankungen) ausgewählt und im Ausmaß von 10% des Gesamtbestandes liquidiert? Usw., usf.......

Der Kluge
02
11.12.2011, 16:50

Wir brauchen:

Mehr Einnahmen
Weniger Ausgaben

Spekulant1
01
14.12.2011, 15:49
Genau.

Auch wenn es unpopulär und schwieriger ist, macht es Sinn, wenn die Staatsausgaben reduziert werden!

Es ist sinnvoller, wenn z.B. die Leute selbstverantwortlich etwas machen (müssen) als dass der Staat dies für sie macht.

joseba beloki
00
11.12.2011, 15:33

wahrscheinlicher ist jedoch:
die ezb wird als letzinstanzlicher verbleibender retter massiv staatsanleihen kaufen und über das politisch viel einfacher verkaufbare hintertürchen steigender inflation (die kann als "pech" kommuniziert werden, es gibt also quasi keinen schuldigen, steuern werden hingegen "gemacht") werden zwei von streisslers punkten eintreten.
- eine reallohnsenkung. nichts anderes sind auch die erhöhungen des pensionsantrittsalters - für etwas mehr lebenseinkommen wird deutlich mehr arbeitszeit erbracht.
- eine entwertung des geldvermögens.

Fantastic Fox
23
11.12.2011, 13:39
Wir müssen

WENIGER AUSGEBEN.

Nicht MEHR EINNEHMEN.

Der (Bundes)Staats-Apparat muss sofort radikal abgeschlankt werden; Beamte sind z.B. endlich marktkonform und leistungsgerecht zu bezahlen, und nicht nach fixen Gehaltstaferln. (Die diesjährige, uns von Neugebauer abgepresste Gehaltserhöhung für Bundesbedienstete ist ein Hohn und muss angesichts der Schieflage der Staatsfinanzen unmittelbar zurückgenommen werden,....)

trebork
00
11.12.2011, 14:00
Wie ich schon weiter unten geschrieben habe:

Die Schulden der Einen sind die Vermögen der Anderen. Werden die Staatsschulden nachhaltig reduziert (was wünschenswert ist), müssen entweder die Schulden der privaten Haushalte und Unternehmen im selben Ausmaß steigen, oder die (Finanz) Vermögen analog reduziert werden. Passiert dies nicht, werden die nominellen Finanzvermögen ganz einfach inflationär abgewertet (einem nominellen Finanzvermögen stehen dann keine realen Vermögen, bzw. Forderungen gegenüber). Dazu kommt die Gefahr, dass Ausgabenkürzungen der Staaten zwingend zu einer globalen Rezession führen werden. Egal ob es Ihnen passt oder nicht, Sie werden in sehr kurzer Zeit die massive Reduktion von nominellem Finanzvermögen erleben. (Entweder über Crash oder Steuern)

Fantastic Fox
00
11.12.2011, 14:12
Ich halte es GENAU DESHALB

für sehr wichtig, dass der Staat bei der Verwaltung spart und weiter Beamte abbaut.

Das hat 2 Effekte:

(1) Das Geld, das dort gespart wird, kann für nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit erhöhende Infrastrukturprojekte aufgewendet werden.

(2) Die Beamten, die man auf dem Weg frei setzt, können endlich beginnen, in der Privatwirtschaft wertschöpfend tätig zu werden - und sei es nur als Schubkarrenfahrer auf der einen oder anderen Infrastruktur-Grossbaustelle.

Wenn wieder mehr echte Werte geschaffen werden, wird die Inflation bekämpft.

trebork
00
11.12.2011, 14:24
Das setzt aber voraus

dass derartige Infrastruktprojekte erstens jemand braucht und zweitens von Privaten finanziert werden, wenn sie niemand braucht erhöht dies nicht den Wohlstand und wenn sie nicht von Privaten finanziert werden muss dies der Staat tun und der kann dies entweder über Schulden oder höhere Steuern finanzieren (womit wir wieder am Ausgangspunkt wären). Ähnliches gilt auch für die freigesetzten Beamten. Wie Sie es drehen oder wenden, die aktuellen Krisensymptome müssen entweder über massive Steuererhöhungen gelöst werden, oder es droht eine ebenso massive Vernichtung von nominellem Vermögen durch Rezession und Abwertung nicht werthaltiger Forderungen. Da Steuererhöhungen nicht wahrscheinlich sind, tippe ich auf Letzteres.

Fantastic Fox
00
11.12.2011, 14:42
Ich finde Ihre Argumentation

ganz interessant und habe von Leuten, die deutlich gescheiter sind, als ich, unlängst ähnliches gehört.

Ganz verstanden habe ich das Thema ehrlich gesagt noch nicht.

Es geht wohl um 2 Themen:

(1) Wir müssen unsere Staaten daran hindern, noch mehr Schulden zu machen. Da sehr viel Optimierungspotential vorhanden ist, empfehle ich, dies ausgebenseitig zu tun, und Beamte frei zu setzen, bzw. zu zwingen, endlich produktiven Tätigkeiten nachzugehen und damit etwas zu erzeugen, das irgend jemand wirklich braucht.

(2) Wir haben ein Inflationsproblem, weil mehr Geld da ist, als Waren und Dienstleistungen erzeugt werden. Wenn die Staaten ihr Schuldenproblem durch Gelddrucken lösen, anstatt zu sparen, werden Sparguthaben entwertet.

trebork
01
11.12.2011, 15:00
Das Grundploblem besteht darin

dass eine Volkswirtschaft nach anderen Kriterien funktioniert als ein Unternehmen oder ein Haushalt. In einer Volkswirtschaft gilt:
1) Alle Güter und (und insbesondere) Dienstleistungen die in einer Periode produziert werden, müssen auch in dieser konsumiert werden (abgesehen von geringen Lagermöglichkeiten für Güter).
2) Es kann daher nur soviel gespart werden, wie auch gleichzeitig (sinnvoll) investiert werden kann (anders als bei Privaten).
3) Alles was darüberhinaus gespart wird, muss entweder über Kreditaufnahmen durch den Staat (oder private Haushalte) dennoch verkonsumiert werden.
4) Diese Staatsverschuldung (+Konsumkredite) entsprechen nicht werthaltigen Forderungen, die irgendwann abgschrieben werden müssen.

ninedevils
00
11.12.2011, 13:33
...und wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?

richtige Profis am Werk:

Die missliche Cash-Situation mehrerer europäischer Banken hat diese veranlasst, nun Wetten gegen ihre eigenen Staaten zu verkaufen. Diese Kreditausfallversicherungen (CDS) sollen Käufer von Staatsanleihen im Fall einer Staatspleite entschädigen.

"Die österreichische Volksbank, ...hat Wetten im Wert von 839 Millionen EuEuro verkauft. Pikant im Fall der Volksbank: Das Unternehmen schuldet der Republik Österreich noch Zinsen in Höhe von einer Milliarde Euro für die Kredite, die das Unternehmen im Zuge eines Bailout im Jahr 2009 erhalten hatte (http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/12814/

Resteverwerter
01
11.12.2011, 13:33
Die Berücksichtigung der 90-Tage-Frist der Ratingagenturen ist wohl Satire?

Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, dass wir jetzt schon maßgeschneiderte Gesetze entwerfen weil die Ratingagenturen eine Frist setzen ...

.........1
01
11.12.2011, 12:53
ích vermisse

sofort 10 krankenanstalten sperren und in je 2 kassenordinationen umwandel: wir haben sowieso zuwenig ärzte wird behauptet.
kapitalverkehrssteuer umwidmungserträge sofort
bei frühpensionisten und pensionisten mit nachgekauften zeiten mit 1. juli die 13.u.14 Pension besteuern bis zum 65.lebensjahr
die abfertigunge um die leute in die frühpension zu schicken (golden shake hands) dürfen keine betriebsausgaben mehr sein (telekom, post etc)

Gerhard Hofegger
00
11.12.2011, 16:08

Da würden aber einige Klagen gegen die Dienstgeber eingebracht werden, da es schließlich durch deren Arbeitsbedingungen zur arbeitsunfähigkeit (Frühpension)gekommen ist. Z.Bsp. Pflegeberufe in denen 100 bis 120 Kg schwere Patienten jahrelang herumgeschleppt werden müssen!

Böotier
01
11.12.2011, 12:51

Vorschlag Nr. 3 ist ja sowas von jenseitig, dass es ärger nicht mehr geht. Ich arbeite hart und viel, erspare mir viel und lege das Geld aufs Sparbuch oder investiere in Wertpapiere. Da ich flexibel sein muss habe ich kein Immobilienvermögen oder sonstiges. Diese 10% abgabe würde mir wohl einen Jahresverdienst netto wegnehmen und ich hätte wohl meinen hochgerechneten Anteil an österr. Steuerlast bezahlt. Wie komme ich zu einer derartigen Belastung? Würde das so umgesetzt werden, wäre Österreich wahrscheinlich bei unter 40% Verschuldung. Das ist einfach Enteignung und bestraft jene, die ohnehin fleißig in das System einzahlen.

fruittiger
 
00
11.12.2011, 12:26
Unsere Regierung ist brilliant!

Die haben es doch durch jahrelanges Nichtstun, herumgeeiere, verschieben, leugnen, etc. tatsächlich geschafft, dass sogar anerkannte VWL Professoren lieber von einnahmen- als ausgabenseitiger Budgetsanierung schreiben. Diesen Erfolg muss man ihnen zugestehen.
Wie ein Poster weiter unten schon angemerkt hat, würden wir die Vorschläge des RH durchsetzen, müsste niemand auch nur einen Cent mehr zahlen!

Marth
01
11.12.2011, 12:17
Ein sehr interessanter Ansatz, den leider viele hier falsch verstehen:

Ich versuche es mal zusammenzufassen: Im Prinzip geht es in der Argumentation um die Handlsbilanz und Einkommensreduktion durch erhöhte Preise. Defakto wird das BSP in den nächsten Jahren abnehmen. Damit steigt jedoch prozentuel die Schuldenlast und die Schuldenquote. Zusätzlich müssen wir erwarten, dass die Zinsen steigen, da ja derzeit wild spekuliert wird. Daher nun die Argumente schnell Schulden abzubauen, über radikale Maßnahmen. Das würde zwar weh tun, aber eben nur kurzfristig. (Langfristige Sparmaßnahmen, z.B.: Strukturreformen, sind nicht ausgenommen, aber zur derzeitigen Situation nur wenig effektiv). Die Vorschläge sind radikal, aber zu überdenken. Diese Lösung wäre besser, als jetzt wieder Monate zu diskutieren.

ravenna
12
11.12.2011, 11:52
Und sowas ist ernsthaft Professor?

Schwer zu sagen, wie man solche Forderungen politisch einstufen soll. Schließlich will er ja weder bei den Aussgaben sparen, noch bei den Reichen Geld eintreiben, sondern den Mittelstand schröpfen, der jetzt schon praktisch alles zahlt.

"Doch wären so die oberen etwa 45 Prozent der Einkommensbezieher belastet.."

Also praktisch alle, die tatsächlich Steuern zahlen.

trebork
01
11.12.2011, 14:15
Haben Sie VWL studiert?

Vermutlich nicht, denn sonst wüssten Sie, dass Streissler in den 80er Jahren einer der anerkanntesten KONSERVATIVEN Ökonomen Österreichs war (und immer noch ist). Volkswirtschaftliche Zusammenhänge sind leider nicht dazu geeignet, mit dem Verständnis der "sprichwörtlichen" schwäbischen Hausfrau (ich kann nur Geld ausgebe, dass ich habe und muss für langfristige AUsgaben sparen) analysiert zu werden. Das Grundproblem besteht darin, dass in einer Volkswirtschaft nur soviel gespart werden kann, wie auch investiert wird. Da in Ö und D über 10% gespart werden, müsste die Investitionsquote hnlich hoch sein (was sie bei weitem nicht ist). Die Differnz des Sparens ist zwingend nicht werthaltig, führt zu Blasen und muss dann und wann auf 0 gesetzt.

ravenna
00
11.12.2011, 14:23

Aha, wenn man also VWL studiert hat, dann weiß man, dass der Typ in 80ern ein anerkannter KONSERVATIVER Ökonom WAR. Super.

"Die Differnz des Sparens ist zwingend nicht werthaltig, führt zu Blasen und muss dann und wann auf 0 gesetzt."

Gratuliere zu diesem Satz. Muss man dazu auch VWL studiert haben? (Achtung: Ironie!)

Frank Shudushi
00
11.12.2011, 11:49
Auftragsarbeit im Namen der Regierung?

Besteuerung von Zinsen und Dividenden von 25 Prozent auf 35 Prozent erhöhen und überdies die Steuer verpflichtend jedes Jahr im vorhinein einheben, dass soll uns der Herr "Volkswirt" mal erklären, wie er das vernünftig und gerecht machen will.

Nehmen wir an ich habe € 10.000,- auf einem Sparbuch zu 1,5%, zahle dann 35% KESt auf den jährlichen Zinsgewinn von 1,5% bereits im vorhinein im Februar für's ganze Jahr, hebe dann aber das Geld im April wieder vom Konto ab. Bekomme ich dann im Mai meine zuviel bezahlte Steuer zurück? Muß ich die zuviel bezahlte Steuer beim Jahresausgleich zurückfordern? Dämlicher geht's wohl nicht!

Vielleicht doch besser BWL statt VWL studieren...!

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