Verweilen auf den letzten Meilen

9. Dezember 2011, 09:02
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Die Karibik kommt langsam näher, was sich vor allem durch das immer wärmere Wetter bemerkbar macht

Passatwind, Starkwind, kein Wind, Gegenwind. 390 Seemeilen vor unserem Ziel kommt der Wind von der denkbar ungünstigsten Richtung: genau von vorne. Und das nur mit fünf Knoten. Der Wunsch, möglichst schnell nach St. Lucia zu kommen, ist stärker als der Ehrgeiz, bei der Regatta noch einen halbwegs respektablen Platz einzufahren. Und so verwerfen wir den Gedanken, aufzukreuzen und werfen stattdessen den Motor an, um ihn ein bisschen mitlaufen zu lassen. Trotzdem kommen wir unserem Ziel nur sehr gemächlich entgegen.

Dass wir der Karibik langsam, aber doch immer näher kommen, macht sich vor allem am Wetter bemerkbar. Es wird von Tag zu Tag heißer und schwüler. Die Schattenplätze an Bord sind rar und deshalb sehr begehrt. Einmal täglich geht ein tropischer Regenguss auf uns nieder, der - wenn er nicht in der Nacht kommt - mit lautem Jubelgeschrei begrüßt wird. Bietet er doch die Gelegenheit für eine Süßwasserdusche.

Unsere rund 600 Liter Frischwasser, die wir in drei Wassertanks mit uns führen, sind nämlich streng rationiert. Nur alle fünf Tage genehmigt uns der Skipper einen Liter aus dem Wassertank für die Körperpflege. Not macht erfinderisch. Ein Achtliter-Wasserkanister wird kurzerhand zu unserer Dusche umfunktioniert. Schnell ein paar Löcher reingestochen und am Spifall aufgehängt, spendet er erfrischendes Nass.

Allerdings verlangt uns unsere Dusche einiges an Körperbeherrschung ab. Mit Shampoo und Salzwasser in den Augen, also vollkommen blind, heißt es nämlich das Schlingern des Vorschiffes in der Atlantikwelle mit allen möglichen und unmöglichen Verrenkungen auszugleichen.

Gerade als ich diese Zeilen schreibe, beginnt unsere Schleppangel zu rattern. Nach den zahlreichen Fehlversuchen der letzten Tage lässt uns das Geratter zunächst kalt. Doch es hört nicht auf zu knattern und schon sind weitere 100 Meter Angelschnur in unserem Kielwasser verschwunden. Langsam, um die Leine nicht zu zerreißen, beginnen wir zu kurbeln.

Dass da was Großes dran sein muss, wird bald klar. Unser Opfer gibt sich nicht geschlagen, taucht mal ab und lässt sich zurückfallen, um dann kurz danach wie ein Pfeil vor unseren Bug zu schießen. Was um Himmelswillen ist das? Ein Hai, ein Barrakuda, ein Thunfisch?

Mit vereinten Kräften bringen wir den rund zehn Kilo schweren und 1,3 Meter langen Fisch an Bord. Hai ist es keiner, aber wohl irgendein Raubfisch. Beim Ausnehmen finden wir die letzte Mahlzeit unseres Fanges: zwei kleine Mondfische. Die Versorgung mit frischem Fisch für den Rest unserer Reise, die wahrscheinlich in zwei bis drei Tagen auf St. Lucia zu Ende gehen wird, ist auf jeden Fall gesichert.

  • Thunfisch? Hai? Barrakuda? Auf jeden Fall Verpflegung für den Rest der Reise.
Anm. d. Red.: Symbolbild. Vom Originalfisch konnten wir leider kein Foto bekommen!



Foto: CPSH/wikipedia.org


 
    foto: cpsh/wikipedia.org

    Thunfisch? Hai? Barrakuda? Auf jeden Fall Verpflegung für den Rest der Reise.

    Anm. d. Red.: Symbolbild. Vom Originalfisch konnten wir leider kein Foto bekommen!

    Foto: CPSH/wikipedia.org

     

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