2:1 von Basel gegen ManUnited für Dragovic wie "Weihnachten und Ostern an einem Tag". Für das Achtelfinale wünscht er sich Cristiano Ronaldo zum Gegner
Basel/Wien - Es ist eine der gröberen Sensationen in der bisher 19-jährigen Geschichte der Champions League. Der FC Basel entfernte Vorjahresfinalist Manchester United mit einem 2:1-Sieg im St.-Jakob-Park aus dem Bewerb und zog als Zweiter der Gruppe C in die Runde der letzten 16 ein. Österreichs Teamverteidiger Aleksandar Dragovic trug in der Abwehr des Schweizer Meisters einiges dazu bei, dass Manchesters Topstar Wayne Rooney auch in dessen elften Pflichtspiel en suite ohne Torerfolg blieb. Dabei hatte der 19-Jährige unmittelbar vor dem Anpfiff noch unter Nervosität gelitten. "Aber als das Spiel begonnen hat, war es damit vorbei. Ein Wayne Rooney hat ja auch nur zwei Beine."
Ebenso ausgestattet ist Cristiano Ronaldo, den zu treffen sich Dragovic nun für das Achtelfinale wünscht. Ob Basel Real Madrid vorgesetzt bekommt, entscheidet sich am 16. Dezember bei der Auslosung in Nyon. Dragovic fürchtet nur einen möglichen Gegner: "Gegen den FC Barcelona kann man ordentlich untergehen. Die sind die Besten der Welt."
Grund zur Furcht hat Basel nach der "Sternstunde", der "Ekstase" (Basler Zeitung) eigentlich nicht. Schon das Erreichen des Achtelfinales ist für den Verein, der in etwa über das gleiche Budget wie Red Bull Salzburg gebietet, der größte Erfolg ever. Und der Lohn dafür, nach dem Wechsel von Trainer Thorsten Fink zum HSV im Oktober auf dessen Assistenten Heiko Vogel gesetzt zu haben.
Er sei "ein wenig Fink, ein wenig Löw, aber ganz Vogel", schrieb der Züricher Tages-Anzeiger über den 36-jährigen Pfälzer, der neun Jahre lang Nachwuchstrainer bei Bayern München war. In der Schweiz wird er schon Superhirn genannt. Nach dem Triumph drohte ihm Selbiges stehen zu bleiben: "Wahrscheinlich dauert das bis 2017, bis ich das realisiert habe." Für Alexander Frei war das alles kein Wunder. "Die Entwicklung der jungen Spieler ist Weltklasse. Wir haben gezeigt, dass der Schweizer Fußball in Zukunft eine große Rolle spielen wird", sagte der 32-jährige Stürmer, der ManUtd. mit seinem fünften Bewerbstreffer endgültig aus dem Rennen geworfen hatte.
Dragovic, der im Februar um eine Million Euro von der Austria nach Basel wechselte und umgehend einen Stammplatz im Abwehrzentrum eroberte, ist noch bis Sommer 2015 an die Schweizer gebunden. Sein Wunschziel ist allerdings die englische Premier League, die nur noch durch Arsenal und Chelsea in der Champions League vertreten ist. Wie United muss auch Manchester City das restliche europäische Saisondasein in der Europa League fristen, die für die Runde der letzten 32 die acht Drittplatzierten aus der Gruppenphase der Champions League übernimmt. Ein 2:0 bei den Bayern in Gruppe A reichte nicht zum Aufstieg, da Napoli bei Villarreal 2:0 siegte.
Für Alex Ferguson ist das Scheitern des Stadtrivalen kein Trost. Der Schotte, der erst kürzlich sein 25-Jahr-Jubiläum als Manager von Manchester United beging, nannte die Europa League "unsere Strafe für das Ausscheiden". Sein Ex-Kapitän Roy Keane zeigte als Kommentator des Guardian kein Mitleid: "United hat bekommen, was es verdient hat. Ihr bester Spieler war der 38-jährige Ryan Giggs. Das sagt doch alles." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 9. Dezember 2011, APA, sid, red)