Müde Eisbären und heiße Pandas

9. Dezember 2011, 12:40
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Klimakonferenzen sind immer auch ein Wettbewerb um die interessantesten Bilder

Schmelzende, tonnenschwere Erdkugeln aus Eis. Als Krankenschwestern verkleidete Aktivistinnen die der "Patientin Erde" neues Leben einhauchen. Überdimensionale Rettungsringe oder Gummistiefel als Mitbringsel für die Minister: Die Klimakonferenzen sind immer auch ein Wettbewerb um die interessantesten Bilder. Die NGOs sind Meister darin, ihre Botschaften mit visueller Unterstützung zu verbreiten. Und auch die Kamerateams aus aller Welt sind dankbar, wenn sie einmal etwas anderes vor die Linse bekommen als übernächtigte Delegierte und Experten, die sich in Details verlieren.

In Durban schossen in diesem Jahr die Kollegen von tck tck tck den Vogel ab: 2000 Kinder bildeten am Strand von Durban eine Menschenkette in Form eines Löwenkopfes. "Roar for the climate - Brüll für das Klima" war der passende Slogan dazu. Fotografen wurden auf die Dachterrasse eines nahe gelegenen Hotels gebeten und lieferten eindrucksvolle Bilder, die es auch auf die Titelseiten europäischer Tageszeitungen und in die Hauptnachrichtensendungen brachten.

Die WWF-Aktion fiel hingegen in diesem Jahr ein paar Nummern kleiner und braver aus. "Sunset Down am Addington Beach". Kurz vor Sonnenuntergang wurde ein von südafrikanischen Kunsthandwerkern gefertigter Erdball von Generation zu Generation weitergereicht und von den Kindern in Empfang genommen. Dazu wurde fleißig getrommelt. Dem einsamen Panda am Strand wurde es bei knapp 30 Grad im Schatten immer heißer. Und wir Pandas hier werden auch immer heißer, wenn wir den Reden der Politiker zuhören und ihren Beteuerungen und Beschwichtigungen.

Ansprache von Richard Worthington vom WWF South Africa

"Sunset Down" heißt es auch hier im Kongresscenter und das nicht nur, weil die Sonne hinter den Wolken verschwunden ist und die Temperaturen deutlich gefallen sind. Im Moment schauen alle auf die so genannte BASIC Group, also Brasilien, Südafrika, Indien und China. Die EU will ihnen mindestens mittelfristig rechtlich verbindliche Verpflichtungen abringen. Im Gegenzug stellt die EU eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls in Aussicht. Die Situation ist undurchsichtig. China pokert und sendet widersprüchliche Signale aus, Indien ziert sich noch und zeigt keine Bewegung. Südafrika hat hingegen ein großes Interesse, dass der Gipfel im eigenen Land ein Erfolg wird und das Kyoto-Protokoll nicht ausgerechnet hier zu Grabe getragen wird. Zudem bekommt die Gruppe Druck von den besonders verletzlichen Ländern, also z.B. den kleinen Inselstaaten, der so genannten AOSIS Group.

Ansonsten verliert sich die Konferenz mal wieder in Details. Der deutsche Umweltminister hat angekündigt, dass sein Land gerne den Grünen Klimafonds beherbergen würde und 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Immerhin ein Anfang. Interessanter wäre es gewesen, wie der Fund, der bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar anwachsen soll, gefüllt werden soll. Der WWF schlagt vor dazu Mittel aus einer Finanztransaktionssteuer sowie Klimaabgaben aus dem Flug- und Schiffsverkehr zu verwenden. Der österreichische Umweltminister spricht in seinen Presseaussendungen davon wie wichtig der Klimaschutz ist und vergisst dabei, dass Österreich nach Luxemburg das vorletzte Klimaschlusslicht in der EU ist.

Ob es am Ende wirklich noch zu einer Einigung kommt ist wie bei jeder Klimakonferenz nicht absehbar. Es wird sicher wieder bis spät in die Nacht verhandelt heute am Freitagabend. Es hat schon Klimagipfel gegeben, da hat der Vorsitzende der Konferenz kurzer Hand die Uhr anhalten lassen, um eine Einigung zu erzwingen. Auch bei der Konferenz in Bali machte die US-Delegationsleiterin erst in letzter Minute den Weg frei und fiel direkt danach in Ohnmacht. In Durban ist ebenfalls fast alles denkbar. Gut möglich, dass uns wieder einmal eine sehr unbequeme Nacht im Kongresszentrum bevorsteht. Für manche von uns ein Déjà vu. Bei der COP 7b in Bonn schliefen wir in Eisbärkostümen auf den Gängen des NGO-Zentrums und wurden am Ende mit der damals nötigen doppelten Mehrheit für das Kyoto-Protokoll belohnt. Ein zweifelhafter Genuss, auf den wir dieses Mal gerne verzichten würden. Übernächtige Eisbären machen kein gutes Bild wenn am Ende nach all den Mühen nichts dabei herausschaut.

 

  • Artikelbild
    foto: franko petri
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