Die Krise, (k)ein Märchen

8. Dezember 2011, 20:15
17 Postings

Eine Zielgruppen-Schnulze für jene, die glauben, dass sie sowieso nichts ändern können

Ein Top-Banker sieht sich plötzlich mit einem Verlust von elf Millionen Euro konfrontiert und wird als Betrüger hingestellt. Seine Putzfrau hält ihn vom Selbstmord ab. Von der Polizei gesucht, zieht er bei ihr und ihren Kindern ein. Er löst ihre Schuldenprobleme, indem er einen Bankberater niederquasselt. Sie löst seine Fondsprobleme, indem sie die betrügerischen Chefs beim Entsorgen der Beweisakten verfolgt. Er will ihr Geld schenken, sie wirft ihn raus. Er soll neuer Chef seiner Bank werden, lehnt aber ab und heiratet die Putzfrau.

So sah, etwas gerafft, die Handlung der Fernsehromanze "Die Abstauber" (Mittwochabend, ORF 2) aus: ein beinhartes Märchen, das keine Kompromisse mit der Realität schloss; eine Zielgruppen-Schnulze für jene, die glauben, dass sie sowieso nichts ändern können. Weihnachten schreit "Occupy ORF", und die Zielgruppe wird mit einem Sieg der 99 Prozent in Form einer alleinerziehenden Raumpflegerin eingelullt, währenddessen an anderem Orte gerade der böse Rating-Wolf die Triple-A-Schweinchen aus ihrer kreditwürdigen Luxusvilla werfen will.

Hier also die Wahrheit über den Banker und die Putzfrau: Ein Top-Banker hat leichtfertig Kredite hergegeben, viele Kredite. Die Putzfrau, auch bekannt als Steuerzahler, putzt hinterher und hält ihn vom Selbstmord ab. Der Banker ist begeistert von der Menschlichkeit der Putzfrau und zieht auf Dauer bei ihr ein. Der Banker löst seine Schuldenprobleme, in dem er Politiker niederquasselt und verhindert, dass sie neue Regeln aufstellen. Die Putzfrau bekommt kein Geld geschenkt und schafft es nicht, Politiker und Banker rauszuwerfen. Niemand heiratet und wenn, dann reich. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 9.12.2011)

  • Misel Maticevic und Ursula Strauss.
    foto: orf

    Misel Maticevic und Ursula Strauss.

Share if you care.