Amerika vor 500 Jahren

Als die Europäer kamen, ging die Hälfte der indigenen Bevölkerung zugrunde

9. Dezember 2011, 11:50
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    foto: archiv

    Christoph Kolumbus Ankunft in der Neuen Welt  - hier auf einer kolorierten Gravur von Dietrich de Bry aus dem Jahr 1528 - löste letztlich ein Massensterben in der indigenen Bevölkerung aus.

Wenig später stiegen die Bevölkerungszahlen jedoch wieder an, wie genetische Untersuchungen nun zeigten

Etwa zur selben Zeit als am Beginn der Neuzeit die Europäer den Doppelkontinent erreichten, kam es in Nord- und Südamerika zu einem markanten Schwund der indigenen Bevölkerung. Wissenschafter der Universität Göttingen und der amerikanischen University of Washington konnten dies nun erstmals in einer umfassenden genetischen Studie nachweisen. Wie sich anhand der Analyse weiblicher Genome zeigte, gingen die Bevölkerungszahlen vor rund 500 Jahren zunächst um etwa 50 Prozent zurück. Etwas später begann die indigene Bevölkerung allerdings wieder zu wachsen.

Damit bestätigen sie historische Überlieferungen, nach denen Krankheiten, Krieg, Hunger und Versklavung, die mit den Europäern Einzug in die amerikanischen Kontinente hielten, schwerwiegende Folgen für die dort lebenden Menschen hatten. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA veröffentlicht.

Die Wissenschafter konnten nicht nur zum ersten Mal anhand von genetischen Daten einen deutlichen Bevölkerungsrückgang der amerikanischen Ureinwohner nachweisen, sondern auch die Intensität dieses Ereignisses bestimmen. Sie kombinierten in ihrer Studie genetische Informationen von "modernen" und prähistorischen Menschen aus Nord- und Südamerika. Insgesamt analysierten sie 137 moderne mitochondriale Genome und 63 alte Teilsequenzen dieses Genoms, wobei letztere zwischen 800 und 5.000 Jahre alt waren. Das mitochondriale Genom wird nur in der mütterlichen Linie vererbt. Mithilfe komplexer bioinformatischer Methoden konnten sie zeigen, dass die indigene Bevölkerung Amerikas vor etwa 5.000 Jahren einen Höchststand erreichte, der lange Zeit konstant blieb. Vor rund 500 Jahren brachen die Zahlen dann um etwa 50 Prozent ein.

Dicht besiedelte Gebiete am schwersten betroffen

"Die Verluste waren dabei nicht auf bestimmte Regionen beschränkt, sondern über beide amerikanische Kontinente verteilt, mit den schwersten Auswirkungen in den am dichtesten besiedelten Gebieten", erläutert der Anthropologe Lars Fehren-Schmitz von der Universität Göttingen. Der dramatische Einbruch war allerdings nicht von langer Dauer: Die indigene Bevölkerung begann schnell wieder zu wachsen. "Der erneute Anstieg deutet darauf hin, dass als Ursache für den Rückgang nur schnell und kurzfristig wirkende Faktoren in Frage kommen, zum Beispiel durch Europäer eingeschleppte Krankheiten in Kombination mit Krieg und Hunger, und nicht etwa Jahrhunderte dauernde Prozesse, wie oft angenommen", so Fehren-Schmitz.

Darüber hinaus gelang es den Wissenschaftern, in ihrer Studie die historische Bevölkerungsentwicklung beider Kontinente räumlich zu simulieren: Sie konnten zeigen, dass sich die ersten Siedler, die vor etwa 15.000 bis 17.000 Jahren von Asien über die mittlerweile unter dem Meeresspiegel liegende Bering-Landbrücke nach Amerika kamen, schnell entlang der Küsten über die Kontinente verbreiteten. Zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen kam es erst deutlich später, nachdem sich die einzelnen Gruppen an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst hatten. (red)

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DreadCat
00
11.12.2011, 23:10

Nach der Lektüre mehrerer Bände von Deschners Kriminalgeschichte hatte ich angenommen, inzw härter gesotten zu sein.
Mit Bd 9 http://www.amazon.de/Kriminalg... 236&sr=8-2 weiß ich: falsch!

Viell könnte man auch diesen Aspekt in die Betrachtung miteinbeziehen.

Leukozyt
 
01
10.12.2011, 03:45
Wieder einmal...

wenn irgendwelche Genetiker eine Millionenbudgetforschung im PNAS veröffentlichen kriegen sie einen fetten Standard-Artikel (und wohl nicht nur den).

Wenn eine Geisteswissenschaftlerin vor 15 Jahren schon dasselbe schrieb (in einem sehr renommierten antropologischen Blatt), dann wurde das überhaupt nicht wahrgenommen:

Gareis, Iris (1997): La enfermedad de los dioses: las epidemias del siglo XVI en el virreinato del Perú. In: Societé suisse des Americanistes, Bulletin 61: 83-90.

Wahrscheinlich weil das klingt wie ein spanisches Dorf. Das gabs damals aber auch auf Deutsch, habe es nur nicht bei der Hand.

Egal, irgendwie muss man ja argumentieren, dass Genetik viel Wichtiger ist als Ethnohistorie (so ein Orchideenfach!).

Cthulluh
00
14.12.2011, 15:54
Ethnohistorische Befunde haben selbstverständlich auch ihre Relevanz.

Genetische Befunde sind jedoch härter, da nachvollzieh- u wiederholbar. Vor Gericht zählen ja Indizienbeweise auch, die DNA-Analyse ist aber von wesentlich größerer Beweiskraft.

Dr. Seltsam
 
00
10.12.2011, 21:49

Können nicht beide Zugänge interessant sein?

Kowosch
 
00
10.12.2011, 21:40

Normalerweise versuchen solche genetischen Studien durchaus Informationen aus archäologischen und/oder historischen Befunden zur Validierung ihrer Modelle miteinzubeziehen!

Übrigens ist Ihre Budgetschätzung von Millionen für die im PNAS verarbeiten Ergebnisse sicher um Größenordnungen zu hoch gegriffen.

Was die Studie von Gareis angeht, die Sie anführen: Es ist nun einmal Englisch das neue Latein der Wissenschaften. Was ja nicht heißt, das alles, was nicht in Englisch publiziert würde, keine Erkenntnisse enthielte. Nur darf man sich nicht so wundern, wenn es weniger wahrgenommen wird. Ist halt so.

oas
10
10.12.2011, 01:38
Pferde waren _die_ Innovation

Und sollen zu dann über weitere Distanzen ausgefochtenen Kriegen und Raubzügen unter Indianerstämmen geführt habe, da das mit Hunden nicht so richtig funktionierte.

Nick Tameer
00
11.12.2011, 23:28

Nur relativ wenige Prärie-Indianerstämme hielten überhaupt Pferde und von großen verlustreichen Kriegen unter ihnen oder mit anderen Stämmen ist wenig bekannt, oder haben Sie bessere Informationen?

Außerem sollte man die Marschleistung von Kavallerie auf längere Sicht nicht überschätzen.

oas
00
13.12.2011, 22:13
Die Frage bei "verlustreich" (schönes Oxymoron nebstbei bemerkt)

ist ja: _Wessen_ Verluste.

Andre Mainung
00
10.12.2011, 00:42
hm...

Was ich mich immer frage:

Wieso kam es nur unter der indigenen Bevölkerung zu Pandemien und nicht auch unter den Konquistadoren bzw. den europäischen Einwanderern - also wieso wurden nur Krankheiten in die eine Richtung verschleppt und nicht auch in die andere? Oder waren die Europäer zu der Zeit einfach schon durch die vielzahl an früheren Epidemien resistenter als die Indigenen?

Lord Chaos
00
12.12.2011, 16:36

Das Zweite ist korrekt. Die Europäer waren bereits mit sämtlichen Keimen Europas, Asiens und Afrikas in Kontakt. Das härtet ziemlich ab.
Dazu hatten sie ständigen 'Nachschub' aus Europa, der Verluste ersetzte.
Trotzdem sorgten zb Durchfall (Montezumas Rache) und Syphillis für hohe Sterblichkeit.
Alles in allem waren die Bewohner der alten Welt wesentlich resistenter gegen Karnkheiten.
Noch dazu wurden die Indianer von einer ganzen Batterie von neuen Keimen bedroht: Pest, Cholera, Pocken, Masern, Grippe, Schnupfen....

Dr. Seltsam
 
00
10.12.2011, 21:52

Diamond wurde ja schon zitiert.

Fast alle Krankheiten stehen in Verbindung mit der Domestizierung von Tieren und dem engen Zusammenleben von Mensch und Tier. Das gab es in Eursasien viel häufiger und die Krankheiten konnten sich viel besser ausbreiten.
In Amerika gab es außer Lamas, Hunden und Truthahn nicht viel, was domestiziert wurde. Dementsprechend wenige Seuchen haben sich ausgebildet.

Plus Lucis
00
10.12.2011, 11:18

Ich empfehle das Buch Guns, Germs and Steel von Jared Diamond. "Germs" bezieht sich auf die Krankheiten.

Kurz gesagt: In Eurasien gab es potentere Krankheiten, weil Viehzucht betrieben wurde, und es aufgrund der günstigeren Pflanzen- und Tierwelt und Geographie produktivere Landwirtschaft gab, die zu höherer Bevölkerungsdichte geführt hat. Manche Krankheiten können sich erst ab einem sehr großen Pool an Personen halten (und man muss deshalb leider in der Gegenwart neue Krankheiten erwarten). Diamond beschreibt unter anderem auch, dass Menschen auf entlegenen Pazifikinseln nicht begeistert von Besuchern sind, weil jedesmal alle krank werden.

Masl
00
10.12.2011, 01:53

Ganz grob gesagt, ja. Die ersten Menschen die vor ca. 14000 Jahren dort ankamen, betraten für Menschenaffen jungfräuliches Land, bedeutet: keine angepassten Krankheitserreger. Das Immunsystem "verkümmerte" sozusagen ein wenig.

Eine weitere wichtige Quelle von Krankheitserregern die das Immunsystem fordern konnten, domestizierte Tiere, fehlten auch.

Leukozyt
 
00
10.12.2011, 03:37
"domestizierte Tiere fehlten auch"

Moment: die Indianer hatten keine Kühe und Pferde, aber alle möglichen anderen domestizierten Tiere, von Papageien über Pekarien zu Hunden (ja!).

Masl
00
11.12.2011, 01:35

Man lernt nie aus ;)

Johannes Benn
01
10.12.2011, 01:24
.

die europaeer waren ja teil des eurasischen systems, das spaetestens seit der neolithischen revolution den groeßten teil der menschheit umfasste. alles was es krankheiten gab hatten sie schon durchgemacht, und entsprechende immunitaet war vorhanden

Perynt
92
9.12.2011, 16:21
Naja, aber die Völker Amerikas haben zwar gelitten, dafür haben sie aber auch einen Gegenwert bekommen, der den Verlust mehr als ausgleicht.

Der Artikel ist, meiner Meinung nach, ziemlich einseitig, denn die Völker Amerikas haben ja auch das Christentum kennengelernt und konnten sich so zum 1. Mal in ihrer Geschichte als, zwar noch nicht 1. klassige, aber schon als 2. klassige Menschen fühlen. Ok, die Hautfarbe bleibt, aber da kann selbst der gutmütigste Europäer dann auch nichts mehr machen, da sind ihm die Hände gebunden.

Aber das Christentum, das ist ja schon mal ein gewaltiger Fortschritt, gegenüber diesen sonderbaren Naturreligionen und der unsäglichen Vielgötterei, das war ja fast so schlimm, wie heute in Arabien.

Gut, dass wir da mal vorbeigeschaut und nach dem Rechten gesehen haben.

meresi
01
13.12.2011, 09:48
ok, ich fasse dein schreiben mal als

absolute satire auf...falls ernstgemeint...lass mich wissen, damit ich mir in ruhe eine scheunentür aussuchen kann...ein paar nägel muß ich auch noch vorbereiten

schönwetter
42
9.12.2011, 19:20

also ich wähle ihr posting zum bescheuertsten, dass ich je im standard gelesen habe,
und ich hoffe dass ihnen in zukunft das posten von seiten der redaktion hier im forum verboten wird.
mir fehlen echt die worte!

Dr. Seltsam
 
13
10.12.2011, 21:53

War das tatsächlich nicht deutlich genug?

|]3R |-|3RR |]1R3K70R
24
9.12.2011, 20:10

ich habe reinzufällig gebrauchte, jedoch sich in einem AAA zustand befindende, sarkasmus-detektoren anzubieten!

schick und modern, für sie und ihn!

Eris30041945
 
00
14.12.2011, 12:41

Sarkasmusdetektoren, wie praktisch!

Perynt
10
9.12.2011, 21:46
*g*

*gg*

pox vobiscum
00
9.12.2011, 19:14

Echt nicht auszudenken, wenn Amerika von den Arabern entdeckt worden wäre, ganz abgesehen davon, dass es dann einen ganz anderen, schwer aussprechbaren Namen hätte...

Nick Tameer
02
9.12.2011, 19:23

Al-Amriq scheint mir nicht besonders schwer auszusprechen. Aber besser wäre natürlich gewesen, wenn die Chinesen es entdeckt hätten. In diesem Fall trüge es nämlich heute den hübschen Namen Amelie.

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