Klimawandel trocknet Unesco-Welterbe aus

8. Dezember 2011, 19:03
18 Postings

Während beim Klimagipfel in Durban um jeden Zentimeter Klimaschutz gefeilscht wird, steht wenige hundert Kilometer entfernt das Unesco-Welterbe iSimangaliso auf dem Spiel

Das Boot gleitet mit abgestelltem Motor an die Nilpferdfamilie heran. Sie spielt im Wasser, taucht auf und ab. Ein Fischadler sitzt ungestört in der Nähe auf einem Baum. Krokodile sonnen sich am Uferrand im Schilf. Der breite Estuary-Fluss zieht sich durch das iSimangaliso-Feuchtschutzgebiet - einen Anziehungspunkt für Besucher, die den kleinen Ort St. Lucia, etwa zweieinhalb Stunden von Durban entfernt, aufsuchen. Diese einzigartige Region ist mit ihren tausende von Jahren alten Sanddünen, Mangroven, Wäldern, Korallenriffen und langen Stränden von Naturschönheit gekennzeichnet.

Aber die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen eines der wertvollsten Feuchtgebiete und bringen seinen Unesco-Status als Erbe der Menschheit in Gefahr. Während sich in Durban Politiker und Klimaschützer nicht einigen können, trocknet der gigantische St.-Lucia-See weiter aus. Der iSimangalisoPark ist etwa 230.000 Hektar groß und seit 1999 von der Unesco geschützt. "Hier gibt es allein fünf Ökosysteme", sagt Kapitän Shaun Gass. "Und wo können Besucher Wale und Elefanten gleichzeitig sehen?"

Das Feuchtgebiet und der St.-Lucia-See haben die Öffnung zum Indischen Ozean längst verloren. Das bedeutet massive Probleme für Tiere und Natur. Weniger Salzwasser findet Eingang, der Frischwasseraustausch fehlt, das Ökogleichgewicht ist gestört. Das See-Level sinkt, schon seit zehn Jahren erlebt St. Lucia eine Dürre. Der "Global Environment Facility" sucht nach Lösungen, die Mündung wieder zu öffnen.

"Krokodile brüten weniger, weil das Seeufer dichter mit Schilf bewachsen ist", sagt die Besitzerin des Bootes, Riette Bennett, die mit ihrem Familienbetrieb in St. Lucia Touren anbietet. Dafür legen eher selten gewordene Schildkröten häufiger ihre Eier am Strand ab. Bennett ist der einzige Touranbieter in St. Lucia, der von der südafrikanischen Umweltorganisation das Zertifikat des "Fair Trade Travel" erhalten hat. Damit erfüllt sie die vierzehn Kriterien für Sozial- und Umwelt-Standards.

Südafrika ist das einzige Land, das bereits Gästehäuser, Hotels, Touranbieter und Aktivitäten mit dem begehrten Ökosiegel des Fair-Trade-Verbands versehen hat. "Nachhaltiger und gerechterer Tourismus ist der einzige Weg, den negativen Einfluss auf das Klima zu verringern", sagt Sabine Minninger von Tourism Watch beim Evangelischen Entwicklungsdienst (EED).

Eine Allianz zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter die österreichische Gruppe Respect, bringt in Durban die Sorge über die Haltung touristischer Interessengruppen beim Klimagipfel zum Ausdruck. Sie finden es unverantwortlich, das Tourismus zum "Entwicklungsmotor" stilisiert und dadurch eine weltweit verpflichtende Emissionsregelung für den Flugverkehr untergraben werde. Flugsteuern würden Reisende abschrecken, damit würden die ärmeren Länder weniger durch Tourismus verdienen, heißt es. "Aber nur 1,2 Prozent aller Flugreisen gehen in die weniger entwickelten Länder", sagt Minninger. Der meiste Profit aus solchen Reisen fließe nicht in Armutsbekämpfung, sondern unterstütze Diktaturen und Eliten.

In der Klimakonferenz ein paar Stunden entfernt dauert der Streit über Geldquellen für den grünen Klimafonds an. Die Besteuerung des Flugverkehrs gilt neben dem Schiffsverkehr als eine der Quellen, um in Entwicklungsländern grüne Wirtschaft zu betreiben, Emissionen zu verringern und Schutzprojekte zu finanzieren. Die EU habe mit ihrer Emissionsabgabe von drei Prozent ab 2012 ein Zugeständnis gemacht, aber weltweit müssten alle Flüge besteuert werden. Gebraucht wird laut EED ein Ansatz, der von Menschenrechten ausgeht. (DER STANDARD, Printausgabe, 09.12.2011)

  • Am Strand von Durban stellen Umweltschützer ein Windrad auf. Ein Zeichen der Hoffnung für das von Naturkatastrophen gepeinigte Afrika.
    foto: greenpeace

    Am Strand von Durban stellen Umweltschützer ein Windrad auf. Ein Zeichen der Hoffnung für das von Naturkatastrophen gepeinigte Afrika.

Share if you care.