Es soll einen neuen Bawag-Prozess geben, der Licht ins Dunkel von 1,6 Milliarden bringen soll
Es soll einen neuen Bawag-Prozess geben. Er soll sich der Frage widmen, was eigentlich mit den 1,6 Milliarden passiert ist, die der Mitangeklagte Wolfgang Flöttl verspekuliert hat. Spurlos verspekuliert, wenn man seinen Ausführungen im seinerzeitigen Bawag-Prozess glaubt. Das Geld war ganz einfach weg. Restlos. Nicht einmal ein paar Zerquetschte sind übriggeblieben. Alles auf Yen-Bonds gesetzt und PUFF!!!
Nachvollziehbar war das irgendwie nicht. Nämlich im Sinne von Unterlagen, Ausdrucken oder einer Computer-Festplatte. Die EDV des Investors Wolfgang Flöttl, der im Auftrag der Bawag (und des dafür verurteilten Generaldirektors Helmut Elsner) ist nämlich tschari gegangen. Kompletter Absturz. Super-GAU im Trading Room. Vielleicht wurde die Festplatte von den Mäusen gefressen.
Die damalige Richterin, Claudia Bandion-Ortner und der Staatsanwalt Georg Krakow haben das geglaubt. Oder, wahrscheinlicher, sich nicht sehr für den Verbleib des Geldes interessiert. Wichtig war, den wegen persönlicher Unausstehlichkeit hervorragend zu einer öffentlichen Hassfigur geeigneten Angeklagten Elsner kräftig einzutunken. Bandion-Ortner wurde daraufhin Justizministerin und Krakow ihr Kabinettschef. Beide sind inzwischen anderswo tätig.
Es ist nicht gesagt, dass jetzt herauskommt, wo das Geld ist. Aber es scheint wenigstens die auffällige Schonung von Wolfgang Flöttl korrigiert zu werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2011)