Islamabad will Beweise
Kabul - Nach den verheerenden Anschlägen auf Schiiten in Afghanistan am Dienstag beschuldigte Präsident Hamid Karsai eine pakistanische Islamisten-Gruppe, Drahtzieher der Attentate zu sein. Lashkar-e-Jhangvi habe sich zu den Angriffen während des Aschura-Fests mit fast 60 Toten bekannt, sagte Karsai. Er werde den Vorgang sehr genau untersuchen lassen und ihn mit der pakistanischen Regierung besprechen. "Es ist das erste Mal, dass sie in Afghanistan agiert haben, und das an einem sehr wichtigen religiösen Tag." Ohne Zweifel sei dies ein feindlicher Akt gegen Afghanistan, das afghanische Volk und den Islam, sagte Karsai.
Die Gruppe unterhält Verbindungen zu Al-Kaida sowie zu den pakistanischen Taliban und wird für die Tötung tausender Schiiten in Pakistan verantwortlich gemacht. In Afghanistan soll sie bisher allerdings keine Anschläge begangen haben. Pakistan forderte das Nachbarland dagegen auf, Beweise für die Vorwürfe vorzulegen, dass Lashkar-e-Jhangvi hinter den Anschlägen stecke. Am Mittwoch starben in Afghanistan bei einem Anschlag 19 Zivilisten.
Indes will der Rechtsprofessor der Uni Bremen, Andreas Fischer-Lescano, vom Verwaltungsgericht Köln prüfen lassen, ob der Nato-Luftangriff von Kundus völkerrechtswidrig war. Da "es sich um den folgenreichsten Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr" handle, sollte der Fall gerichtlich geklärt werden sollte, sagte Fischer-Lescano der Mitteldeutschen Zeitung. Im September 2009 waren Tankfahrzeuge von Taliban entführt und daraufhin auf Anforderung des deutschen Oberst Georg Klein von US-Flugzeugen angegriffen worden. Etwa 100 Menschen wurden getötet. (AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2011)