Ärztekammer

Misstrauensantrag gegen Präsident Dorner gescheitert

8. Dezember 2011, 17:36
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    foto: standard/cremer

    Ärzte-Chef Walter Dorner hat eine Mehrheit - vorerst.

SP-nahe Ärztevertreter kündigten Zusammenarbeit auf

Wien - Das Ergebnis fiel recht deutlich aus: 55 Mitglieder der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer stimmten gegen den Misstrauensantrag gegen Präsident Walter Dorner, nur fünf dafür. 30 Stimmberechtigte waren gar nicht mehr anwesend, es war am Dienstag kurz vor Mitternacht, als nach einer Marathonsitzung über Dorners Zukunft abgestimmt wurde. Aber die Gräben, die durch die ÄK gehen, sind - wenige Monate vor der Wahl der Standesvertretung - tiefer, als die Zahlen vermuten lassen.

Anlass für den vom Hausärzteverband eingebrachten Misstrauensantrag war die Zustimmung Dorners zur Elektronischen Gesundheitsakte (Elga) in der Bundesgesundheitskommission Ende November. Er stimme Elga nur grundsätzlich zu, lehne aber den vorliegenden Gesetzesentwurf ab, lautete tags darauf Dorners Erklärungsversuch. Doch da war der Schaden schon angerichtet: Die niederösterreichische Ärztekammer forderte seinen Rücktritt, der Hausärzteverband schloss sich an, und in der Wiener Kammer war man, vorsichtig ausgedrückt, "not amused" - auch in der VP-nahen Vereinigung, der Dorner angehört.

Dass Dorner, der auch Präsident der Österreichischen Ärztekammer ist, die Sitzung am Dienstag überstand, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass nicht geheim abgestimmt wurde. Ein Sturz des Präsidenten ein Vierteljahr vor der Kammerwahl - das trauten sich die Ärzte dann doch nicht.

Konsequenzen hat die Sitzung dennoch: Die SP-nahen Ärztevertreter kündigten der Vereinigung die Zusammenarbeit auf, gemeinsame Beschlüsse wird es bis zum Ende der Periode nicht mehr geben. Auch nach außen kämpfen die Fraktionen der Wiener Kammer an verschiedenen Fronten: Beim roten Vizepräsidenten Thomas Szekeres sind es die geplanten Einsparungen am AKH, beim schwarzen Vizepräsidenten Johannes Steinhart ist es Elga.

Suche nach Koalitionen

Dass die Vereinigung den Präsidenten stellt, ist übrigens keineswegs einzementiert. Intern wird vermutet, der Hausärzteverband und die sozialdemokratischen Ärzte könnten an einer Mehrheit gegen Dorner und Co arbeiten. Ein möglicher Partner ist dabei der derzeitige Präsident der niederösterreichischen Ärztekammer, Christoph Reisner, der dank der gefinkelten Wahlordnung auch bei der Wiener Kammerwahl antreten wird. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2011)

Sarepta
00
13.12.2011, 13:27
Wann landet der endlich im Hefn?

trugschlusskadenz
00
11.12.2011, 00:16
der treffsichere term des "scheinesammelnden doktors"

konnte zufriedenstellend leider noch nicht modifiziert werden, deshalb - der kürze wegen - das gescheine statt ausschweifungen hinsichtlich abgekarteter e's (threads übers medizinische werden ja nicht nur von engstirnen frequentiert).
elga besitzt einige gravierende vorteile, welche nachteile (mögliche gefährdung des datenschutzes) in den hintergrund treten lassen: behandlungsfehler, mehrfachuntersuchungen und -leistungsverrechnungen etc. erfahren dokumentation, in den praxen kommt ganzheitliche patientensicht ja nur dann zum tragen, wenn daumenschraubendruck hierarchischer systembedingtheit spürbar wird. ich halte vernetzung für unabdingbar dann, wenn einer schmalspurfahrenden ärzteschaft die stirn geboten werden soll.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
20
8.12.2011, 21:14
Der gehört doch eh weg. Was soll ein Opus-Dei-Mann als Chef der Österr. Ärztekammer?

trugschlusskadenz
42
8.12.2011, 19:31
elga

ist hausärzteseits unpopulär, weil sie medizinerInnen zur ganzheitlichen sicht auf patientInnen zwingt: die zeiten bequemer scheinesammlereien könnten dergestalt ein ende finden. schlimm, oder?

anyuser
 
10
9.12.2011, 10:41

Freuen sie sich schon wenn ihre ganzheitlichen Patientendaten gewinnbringend weiterverkauft werden. Mit Datenschutz hat man es in Österreich ja bekanntermaßen nicht so.
Die Versicherungen wird's freuen...

doctor schiwago
13
9.12.2011, 10:02

Seltener Schwachsinn, den sie da verzapfen, ELGA als Sehhilfe für ganzheitliche Behandlung eines Patienten zu bezeichnen ist in seiner Naivität fast nicht zu begreifen. ELGA ist ein enorm teures Datenschutzproblem mit den beiden Nutzniessern Siemens und IBM und den Trittbrettfahrern Stöger u. Bachinger.
Die ganzheitliche Sicht auf Patienten wird dadurch nur behindert.

1116er
02
9.12.2011, 10:02
wie sonst soll ein hausarzt ein halbwegs zufriedenstellendes einkommen zusammenbekommen?

wer die tatsächlich wichtige arbeit verrichtenden nicht ordentlich bezahlt, sondern lieber dem senioritätsprinzip huldigt und dem primar die echten scheine hinten reinstopft, der muss eben mit scheinesammlern leben....

naja2010
10
9.12.2011, 10:54
ad 1116: Sie sind ein Systenkenner? Weil, Scheine gibt nicht mehr.

Und daher auch nicht die Mutter, die am Anfang des QUartals "die Scheine für die Familie bringt". Der Einkommensverlust ist schon lukriert.
Tun Sie doch was für die Qualität dieses Forums, "schreibend Schweigen" ist eine Option...

1116er
01
9.12.2011, 11:11
2 ratschläge:

1. schau dir auch die history von posts an
2. es soll auch noch leute geben, die auf ein "spiel mit worten" bedacht nehmen.

und dann doch noch ein dritter ratschlag:
wer selbst im glashaus sitzt und nichts checkt, der sollte anderen kein schreibendes schweigen anraten!

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