Ktedonobacter racemifer ist ein Bodenbakterium mit einer Menge "springender Gene"
Braunschweig - Deutsche und kalifornische Forscher sind seit drei Jahren mit der Erstellung der sogenannten "Genomic Encyclopedia of Bacteria and Archaea" befasst, die sich mit der Erbgutentschlüsselung von bislang wenig beachteten Mikroben befasst. Denn bislang hat sich die Forschung vor allem Krankheitserregern wie
multiresistente Staphylokokken oder biotechnologisch interessanten E.
coli-Stämme gewidmet. Insgesamt ist bislang erst etwa ein Prozent des mikrobiellen Lebens um uns herum ist im Labor kultiviert und beschrieben worden - und noch sehr viel weniger sequenziert.
Im Zuge der Forschungsarbeiten wurde nun das Genom des
Bodenbakteriums Ktedonobacter racemifer entziffert - eine Rekord-Mikrobe, wie das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig berichtet: "Das Genom des Gram-positiven Bodenbakteriums Ktedonobacter ist mit
11,453 Protein-codierenden Genen und 87 RNA-Genen das bisher größte
dokumentierte Bakteriengenom", erklärt DSMZ-Wissenschaftlerin Birte Abt. "Große Genome sind bei Bakterien
mit einem komplizierten Lebenszyklus mit Myzel- und Sporenbildung nicht
ungewöhnlich. Dieses enthält aber auch sehr viele Transposons oder auch
Wiederholungssequenzen, sogenannte 'springende Gene'. Diese kleinen
DNA-Stücke können ihre Position im Genom verändern. Ihre Funktion ist
aber noch nicht vollständig geklärt."
Neben wertvollen Einsichten in die Evolution bakterieller Genomgrößen
einerseits und komplexer Lebenszyklen andererseits, hilft die
Sequenzierung dieses Rekordgenoms auch dabei, die
stammesverwandtschaftlichen Beziehungen von Mikroorganismen zu klären
und damit ihre taxonomische Einteilung zu verbessern. "Dunkle Flecken" im Stammbaum der Bakterien sollen so erhellt werden. (red)