Fanon: "Leugnung des Rassismus macht krank"

Blog8. Dezember 2011, 11:24
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Algerien gedenkt dieser Tage seines wohl bekanntesten "Adoptivsohnes" - dem vor 50 Jahren verstorbenen Psychiater Frantz Fanon

Algerien gedenkt dieser Tage seines wohl bekanntesten "Adoptivsohnes" - dem vor 50 Jahren verstorbenen Psychiater und der Ikone des antiimperialistischen Kampfes, Frantz Fanon. Mit seinen Bücher "Schwarze Haut, weiße Masken" und vor allem "Die Verdammten dieser Erde" hat der in der französischen Kolonie Martinique geborene Fanon die Befreiungsbewegungen in den Kolonien und die europäische Studentenbewegung beeinflusst.

Nach einem Einsatz als Kriegsfreiwilliger im zweiten Weltkrieg geht Fanon auf kritische Distanz zur Metropole Frankreich. 1953 reist er nach Algerien und wird dort Chefarzt im Psychiatrischen Krankenhaus von Blida, 45 Kilometer südlich von Algier, wo er schon bald Kontakt mit der Unabhängigkeitsbewegung FLN aufnimmt.

Fanon findet in Algerien eine geteilte Gesellschaft vor. Europäer und Muslime leben weitgehend getrennt, im Krankenhaus sind sie in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Er baut diese Schranken ab. Fanon behandelt Gefolterte und Folterer, Christen, Muslime und Juden. Die Leugnung des Rassismus mache krank, lautet eine der Theorien Fanons, der auf seine "Sozialtherapie" setzt. 1956 reicht Fanon seinen Rücktritt als Krankenhauschef ein, und schließt sich der FLN an. Er arbeitet in deren Presseabteilung in Tunesien und wird Mitglied der provisorischen, algerischen Regierung.

In seinen Werken analysiert Fanon die Beziehung zwischen Kolonialherren und kolonisiertem Volk. Es ist eine politische Analyse basierend auf psychologischen Erkenntnissen. "Vergeuden wir keine Zeit mit leerem Gerede oder abstoßenden Versuchen der Anpassung. Wenden wir uns ab von diesem Europa, das endlos von der Würde des Menschen redet und sie doch überall mit Füßen zertritt. Wenn wir wirklich wollen, dass die Menschheit auch nur einen Millimeter auf einem besseren Weg vorankommt, als jenem, den Europa beschritten hat, müssen wir erfinderisch sein und neue Entdeckungen machen", schreibt er 1959 und ruft zur antikolonialen Gewalt.

"Also, meine Kampfgefährten, zahlen wir Europa nicht Tribut, in dem wir Staaten, Institutionen und Gesellschaften gründen, die von ihm inspiriert sind", warnte er in seinem Hauptwerk "Die Verdammten dieser Erde", das 1961 wenige Tage vor seinem Tod erschien. Wohl vergebens.

Denn nicht nur Algerien, das wenige Monate nach Fanons Tod unabhängig wurde, auch in viele andere Ex-Kolonien übernahmen die neuen Machthaber das Staatsmodell der einstigen Metropole und verschlechtern es gar noch. Sie eliminierten dabei die demokratischen Elemente. Die Freiheit für breite Teile der Bevölkerung lässt bis heute auf sich warten. Das Krankenhaus Fanons in Blida sollte sich über 30 Jahre nach seinem Tod erneut mit Traumatisierten füllen. Es waren die Opfer des Krieges der algerischen Armee gegen das eigene Volk.

Wer mehr über Frantz Fanon wissen will, dem sei diese Reportage empfohlen. Sie ist auf englisch.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Notre Dame d'Afrique, Algier. Ein Monument der Kolonialzeit.

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"Heilige
Jungfrau von Afrika bete für uns und für die Muslime".
    foto: reiner wandler

    "Heilige Jungfrau von Afrika bete für uns und für die Muslime".

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