Potzen- und Diätpillen

Gefälschte Arzneimittel - ein besseres Geschäft als Drogenhandel

7. Dezember 2011, 14:41
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    foto: apa/georg hochmuth

    Im Bild eine gefälschte Potenzpille im Viagra-Design. Mittlerweile ist der Markt für Viagra-Fälschungen umsatzstärker als der Markt für das Original.

Risiken für Konsumenten: Im besten Fall sind keine Wirkstoffe enthalten - Vor allem Lifestyle-Arzneien wie Diätpillen oder Viagra werden gehandelt

Wien - Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln "ist ein Supergeschäft". Das sagte Marcus Müllner, Verfahrensleiter des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Zahlen, die das unterstreichen sollen, lieferte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder: Laut Weltgesundheitsorganisation WHO wurde mit gefälschten Arzneimitteln im Jahr 2010 rund 75 Milliarden Dollar (56 Mrd. Euro) Umsatz gemacht. Einer EU-Studie zufolge sei der Handel mit falschen Medikamenten bereits um vieles lukrativer als der klassische Drogenvertrieb, so Schieder.

Doch falsch bedeutet auch unsicher. "Ein Medikament übers Internet zu kaufen ist gefährlich. Sie wissen nicht, was sie bekommen", sagte Gesundheitsminister Alois Stöger. Im schlimmsten Fall könne das sogar tödlich enden.

Beliebte Lifestyle-Arzneien

Der Minister erklärte auch, wie man an gefälschte Präparate kommt. Über das Internet wird bestellt, über die Post wird versandt. Vor allem sogenannte Lifestyle-Arzneien werden gehandelt: Potenzmittel wie Viagra oder Cialis, Diätpillen, Haarwuchsmittel, aber auch Herz-Kreislauf-Medikamente. Laut dem Pharmaunternehmen Pfizer, das Viagra einführte, ist der Markt für die gefälschten Varianten des Medikaments mittlerweile umsatzstärker als der Markt für das Original.

Die Bekämpfung obliegt zu einem guten Teil dem Zoll. Sendungen aus Nicht-EU-Staaten unterliegen Zollkontrollen. Die Täter sind daher zum Teil dazu übergegangen, die Präparate in die EU einzuschmuggeln und erst dann zu versenden, sagte Gerhard Marosi, zuständig für die Bekämpfung der Produktpiraterie im Finanzministerium. Beim Zoll hilft man sich mit einer "risikoorientierten Kontrollmethode", bei der unter anderem auf die Herkunftländer der Pakete geschaut wird. Daher würden die Fälscher ihre Produkte immer mehr aus "unverdächtigen Ländern" verschicken.

Fälschungen aus Indien, Singapur und China

Mit Abstand am häufigsten werden gefälschte Pillen aus Indien beschlagnahmt. Der Anteil betrug in den Jahren 2007 bis 2010 immer zwischen 73 (im Jahr 2008) und 95 Prozent (2009). Erst 2011 gab es in den ersten drei Quartalen einen signifikanten Rückgang auf 56 Prozent. Damit ging der Aufstieg Singapurs zur Nummer zwei mit knapp 32 Prozent Anteil einher. Laut Marosi ist aber zu vermuten, dass es sich auch bei den Produkten aus dem südostasiatischen Stadtstaat eigentlich um indische handelt, die über Singapur versandt werden. China folgt heuer mit vier Prozent auf Platz drei. Im stärksten Jahr 2008 landete China mit 15 Prozent auf Platz zwei. Eine gewisse Rolle spielten in den vergangenen Jahren auch Georgien, Thailand sowie das extra ausgewiesene Hongkong.

Eindringlich warnten Stöger und Müllner die Konsumenten, Medikamente im Internet zu bestellen. Dass Arzneimittel ihren Preis haben, liegt laut Müllner am umfangreichen Kontrollverfahren und an der streng reglementierten Produktion. All das falle bei den Duplikaten weg. Im besten Fall ist kein Wirkstoff enthalten, aber 80 Prozent der gefälschten Arzneien sind de iure als gefährlich oder schädigend einzustufen. Während Originalmedikamente mit Lebensmittelfarben behandelt werden, haben die Fahnder in einem Fall Farbe für Bodenmarkierungen in einem gefälschten Produkt entdeckt.

Noch wesentlich schlimmer stellt sich die Situation in Afrika dar, erklärte der BASG-Experte. Die WHO schätzt, dass jedes zweite auf dem Kontinent verabreichte Medikament eine Fälschung ist. Pro Jahr gibt es demnach 700.000 Tote in Afrika wegen falscher Arzneien. Zum Vergleich: In der EU liegt der Anteil gefälschter Pharmaprodukte unter einem Prozent.

Produzenten und Konsumenten in Österreich

Doch der Markt ist im Steigen begriffen. Darauf deutet unter anderem die Zahl der Beschlagnahmungen an den EU-Außengrenzen hin, die sich Müllner zufolge zwischen 2006 und 2009 verdreifacht hat. Darüber hinaus ist Österreich nicht nur ein Land der Konsumenten: Auch hierzulande habe man bereits illegale Produktionsstätten entdeckt.

Wer mit gefälschten Medikamenten erwischt wird, sollte gröbere Investitionen einplanen. Die Arzneimittel werden beschlagnahmt und vernichtet, die Kosten dafür hat der Verantwortliche zu tragen. Außerdem muss er mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 7.260 Euro rechnen. Konsumenten, die sich selbst mit Fälschungen an die Behörden wenden, gehen aber straffrei aus, wie versichert wurde.  (APA)

Nähere Informationen auf der Homepage http://www.auf-der-sicheren-seite.at

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Posting 1 bis 25 von 63
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stretfordender
00
9.12.2011, 10:46
SSKM

kann man nur jedem sagen, der sowas bestellt

waterpistolriot
00
9.12.2011, 01:50
falls wer "Potzenpillen" braucht

einfach anrufen...

Hatte Geld und brauchte das Jung
00
9.12.2011, 08:57
Ein Batzen Typo

hausgemacht oder von der APA übernommen? Egal, zwei Tage lang sollte das nicht unbemerkt bleiben...

Got Your Nose!
07
8.12.2011, 20:49

sehr lustig zu lesen. erst schreien die bekannten gestalten, medikamente seien per se böse, weil unnatürlich, und nicht aus purem altruismus produziert. man dürfe sie gar nicht nehmen, ohne sich und der gesellschaft tödlich zu schaden. aber wenn ein paar zwielichtige garagenchemiker aus nagellack, milchzucker und quecksilber tabletten drehen, und die dann unter falschem namen verkaufen, stilisieren dieselben natürlichkeitsfanatiker diese zu pharma-robin-hoods. dass dann im viagra eben kein viagra, sondern kopiertoner und industrielösungsmittel drin ist, ist egal. hauptsache billig und alternativ (wenn auch nicht am strauch gewachsen)

Michigil
 
01
8.12.2011, 18:57
Arzneimittelrecht EU weit regeln

Momentan hat jedes EU-Land sein eigenes Arzneimittelgesetz. Manche Medikamente sind bei uns nicht zugelassen, obwohl anderswo in der EU sehr wohl erhältlich. Sind die dort inkompetent oder was? Was bildet sich unser Gesundheitsminister ein? Das simple Johanniskraut ist bei uns apothekenpflichtig, und seriöse Internetanbieter versenden es nicht nach Österreich. Alles das gehört erst einmal harmonisiert.

waterviolets
 
20
8.12.2011, 22:40

Johanniskraut ist eben nicht immer so "simpel", z.B. wenn sie bestimmte Medikamente einnehmen. ob darüber ein www-Anbieter informieren wird?

standard&poor's
15
8.12.2011, 14:29
ist ja klar, dass die behörden das im internet gekaufte viagra schlechtreden müssen, um die apothekenware zu verteidigen...

also ich bekam mit dem im internet bestellten viagra immer einen besonders steifen und so soll es ja auch sein...

TomTom33
42
8.12.2011, 17:57

warum sollte es den placebo effekt bei viagra nicht auch geben!

frustrierte frankfurter depressive debreziner
15
8.12.2011, 13:42

legendär als die trafikanten geschmuggelte zigaretten als gefährlich entlarvten

Marcus Maccabaeus
23
8.12.2011, 09:50
Ja ja, wenn der Konsument den Globalismus entdeckt, dann kann das doch nicht in Ordnung sein!

Herzerzog Johann
23
8.12.2011, 17:00
Wenn die Gauner dumme Konsumenten entdecken, ...

... dann finde ich das in Ordnung. Darwin läßt grüßen.

Sabine Werner
23
8.12.2011, 09:42

nicht böse sein, aber welche durchgeknallten typen kaufen sich verschreibungspflichtige mittel wie z.b. gegen hohen blutdruck oder sonstiges im internet? für mich sind die nicht zurechnungsfähig - wenn ich ein leiden habe gehe ich zum doc, und lasse mir was verschreiben - oder ändere halt meinen lebensstil - kann sowas in keinster weise nachvollziehen.

TomTom33
10
8.12.2011, 17:58
kann mir das nur so erklären

ass manche sich selbst mehr vertrauen als das was der onkel doktor sagt.

utarefson
40
8.12.2011, 09:38
Wer mit der "Gesundheit" verdient, kann eigentlich nur unrechtmäßig Geld verlangen!r!

Sich von diesen monopolisierten Gesundheitsgebühreneinhebern zu befreien, geht nur, indem man konsequent nicht in der Apotheke vor Ort seine an sich unnotwendigen Medikamente kauft. Als Krone der Schöpfung ist der Mensch ja von Natur aus gesund, außer die Vorfahren haben durch böse Taten den Fluch der Natur auf sich gezogen. Dieser Sühne sollte man sich nicht entziehen. Daher sind Internetapotheken eine sinnvolle Evolution und haben noch den Vorteil in der Nacht und am Wochenende nicht offen zu haben!

G. B. Corner
00
8.12.2011, 15:07

Tut mir leid, dass ich Ihnen in einem Punkt ihres an sich stimmigen und wertvollen Beitrages widersprechen muss, aber die Krone der Schöpfung ist ja wohl zweifellos meine Katze.

Got Your Nose!
00
8.12.2011, 20:49

nein, meine. würden sie sie kennen, wüssten sie das ;)

Mathias Mendez
21
7.12.2011, 23:44

Schön langsam werden die üblichen Langzeit-Suizid-Mittel wie Zigaretten auch langweilig. Passt schon so, dass da etwas Schwung rein kommt.
Und weil der Staat daran nix verdient, sind diese Alternativen eben böse. jo mei

Godesberg
45
8.12.2011, 08:11

Wie ist das wenn Sie neue Bremsklötze für ihr Auto benötigen - kaufen Sie da die gefälschten aus China?

Oder bei Kettensägen? Feuerlöschern? Elektrischen Geräten?

h 90
05
8.12.2011, 14:26

Die Bremskloetze, Kettensaege, Feuerloescher und elektrische Geraete kommen schon ueberwiegend aus China.

Godesberg
01
8.12.2011, 17:39

Ist nur die Frage ob sie als Original-Markenware bestimmten Qualitätskriterien entsprechen müssen, oder als billige oftmals sogar funktionsuntüchtige Kopien nur verkauft werden müssen, ohne weitere Verpflichtungen wie Garantie oder Image.

Ich habs jetzt nicht gefunden, aber ich habe mal gelesen dass ein Werkzeughersteller Konkurrenzprodukte in absichtlich schlechter Qualität kopieren ließ um dem Mitbewerber zu schaden...

h 90
02
8.12.2011, 18:30

Viele der "gefaelschten" Arzneimittel kommen aus Indien, wo sie offiziell und mit hohem Standard aber ohne Lizenz gefertigt werden.
Ich glaub kaum dass eine Hinterhofbude Arzneimittel kopiert. (Ausser vielleicht jemand der nur Traubenzucker blau anmalt)

Herzerzog Johann
11
8.12.2011, 19:11

Naja, wenn der Gleube ins Spiel kommt, setzt halt meist der Verstand aus.

Kehwan
66
7.12.2011, 21:11
Es scheint mir hier um Patenterlöse zu gehen.

Wenn der Kunde weiß, dass etwas illegal ist und nicht aus dem Prozess des Patentinhabers stammt, ist Fälschung das falsche wort dafür. Fälschung impliziert Täuschung.

"Patent-verletzendes Generikum" trifft es eher. Das scheint mir das zu sein wovon hier eigentlich die Rede ist: Produkte die der Patenteigentümer dem Hersteller nicht erlaubt.
Natürlich ist es wahr dass, da der Handel ja illegal ist, der Staat nicht kontrolliert, ob sich der Hersteller an GMP gehalten hat. Wenn man also keine Expertise hat, ist es definitiv gefährlich sowas über das Internet zu kaufen. Sonst: Ich weiß nicht. Die pädagogische Stoßrichtung dieses Artikels trägt aber die Handschrift eines Pharmaindustrie-Interessenverbandes. Zumindest liest er sich so. Das nervt

Godesberg
48
7.12.2011, 21:22

Es geht um Fälschungen, die z.B. keine Wirkstoffe enthalten oder aus unkontrollierter Produktion stammen oder sogar giftige Komponenten enthalten. Da geht es um etwas mehr als Patente.

Wenn jemand Alkohol panscht und mit Methanol versetzt würden Sie da ja wohl auch kaum als "generisch" bezeichnen.

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