Van Rompuy

Lösungspaket mit Vertragsänderung light

7. Dezember 2011, 14:38
  • Artikelbild
    grafik: apa

Von Berlin und Paris angestrebte Vertragsänderung sei nicht unbedingt notwendig, meint EU-Gipfel-Chef Herman Van Rompuy

Brüssel - Auf dem Weg zu mehr Haushaltsdisziplin in der Euro-Zone geht EU-Gipfel-Chef Herman Van Rompuy auf Konfrontationskurs zu Deutschland und Frankreich. Zur Erreichung dieses Ziels sei eine von Berlin und Paris angestrebte Änderung der EU-Verträge nicht unbedingt notwendig, schreibt Van Rompuy in einem Bericht zur Vorbereitung des Gipfels. Als Möglichkeit wird in dem Bericht eine stärkere Selbstverpflichtung der Staaten zu ausgeglichenen Haushalten genannt.

Machbar sei dies über eine Ergänzung des Protokoll Nr. 12 des Lissabon-Vertrags, schreibt Van Rompuy. Es befasst sich mit Verfahren bei einem übermäßigen Defizit eines Schuldenstaates. "Diese Entscheidung benötigt keine Ratifizierung auf nationaler Ebene", heißt es in dem Bericht. "Dieses Verfahren könnte somit zu schnellen und bedeutenden Änderungen führen." Es genüge ein einstimmiger Beschluss des Rates auf Vorschlag der EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Europäische Zentralbank müssten konsultiert werden.

Ähnlich sieht das EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Einige Dinge könnten schnell unter dem Protokoll 12 zum Lissabon-Vertrag beschlossen werden, andere Entscheidungen würden aber Vertragsänderungen unter Artikel 48 des Lissabon Vertrages und Ratifikationen in den EU-Mitgliedsstaaten notwendig machen. "Viel kann innerhalb der geltenden Verträgen gemacht werden", sagte eine Sprecherin der EU-Komission.

"Merkozy" für umgreifenderen Weg 

Der zweite Weg laufe auf eine Vertragsänderung hinaus, wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sie vorschlagen. Sie sprechen sich für automatische Sanktionen bei Überschreitung der Defizit-Obergrenze von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Dafür müsste Artikel 136 des EU-Vertrages geändert oder ergänzt werden. "Diese Prozedur wäre zeitaufwendiger und müsste von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, aber dies würde grundlegendere Änderungen am Finanzrahmen erlauben", heißt es in dem Bericht.

Änderungen der EU-Verträge sind aufwendig und dauern mindestens ein Jahr oder länger. Van Rompuys Bericht - den er in Abstimmung mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erstellt hat - bildet die Grundlage für die Debatten auf dem EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel.

Mit Blick auf die Größe des geplanten dauerhaften Eurorettungsschirms ESM, der auf Ende nächsten Jahres vorgezogen werden soll, nennt Van Rompuy als Möglichkeit, die Begrenzung auf 500 Mrd. Euro aufzuheben. Die Klausel mit dieser Grenze könne überprüft werden, schreibt der Gipfelchef. Gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder könnten "in langfristiger Perspektive" entwickelt werden.

Spindelegger sieht Vertragsänderung in der Ferne

Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) betonte am Mittwoch, dass EU-Vertragsänderungen ein langfristiger Prozess seien und ausführliche Diskussionen benötigen würden. "Ich halte es auch für demokratiepolitisch bedenklich, wenn über diese Frage nicht ausführlich unter Einbeziehung aller diskutiert wird", erklärte Spindelegger. Beim EU-Gipfel am Donnerstag und am Freitag in Brüssel könnten realistischerweise jedoch kurzfristig greifende Maßnahmen für stärkere Kontrollrechte und Sanktionen beim Verstoß gegen die Budgetdisziplin beschlossen werden, so der Vizekanzler. (APA)

Thomas Zehetbauer
 
01
7.12.2011, 14:27
Wer ist dieser Mann?

Woher bezieht er seine demokratische Legitimation solche Vorschläge zu machen? Und warum berichten die Zeitungen darüber auch noch?

Moralapostel
 
00
7.12.2011, 21:19

Er hat jedenfalls mehr Legitimation als Merkozy

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.