Laut Patentantrag soll die Technologie von Carrier IQ nicht nur Daten zur Diagnose, sondern auch Userverhalten erfassen
Die angeblich nur zur technischen Diagnose auf Handys verwendete Überwachungssoftware Carrier IQ sorgt weiterhin für Aufregung. Die jüngste Entwicklung: Ende vergangener Woche hatten Deutsche Telekom und Blackberry-Hersteller RIM erklärt, dass sie die Software nicht verwenden würden. Jetzt musste T-Mobile in den USA, die weiterhin zur Deutschen Telekom gehört, einräumen, dass es Carrier IQ sowohl auf mehreren Blackberry-Modellen als auch Smartphones von Samsung, HTC und LG installiert habe.
Nicht im (ganzen) Einsatz
T-Mobile USA beharrt darauf, dass sie "dieses Diagnosewerkzeug nicht verwendet, um Inhalte von Texten, E-Mail oder Sprachnachrichten, von Kunden besuchte Internetadressen zu erfahren oder Marketing zu betreiben". Mit dem Einsatz der Software wolle man herausfinden, ob Handy oder Netzwerk an unterbrochenen Verbindungen schuld seien oder warum sich Akkus zu rasch entladen.
Harmlos
Diese relativ harmlos klingende Erklärung steht allerdings im Widerspruch zu einem Patentantrag des Softwareherstellers im Vorjahr. Darin heißt es, dass die Technologie Mobilfunker bei der "Analyse von Werbezielgruppen und Urheberrechten" unterstütze, berichtet Computerworld. Die Betreiber könnten den Prozessor des Handys so einstellen, dass er "die Auswahl von Inhalten, Ortsdaten und Aktivitäten von Apps lesen und entsprechende Werbebotschaften dafür bestimmen könnte" - Funktionen, die eindeutig nicht nur zur Technikdiagnose dienen, sondern erfassen, was Handybenutzer gerade machen.
Verbesserung von Netzwerk- und Handyleistung
In einem Interview spielt der Marketingchef von Carrier IQ den Patentantrag herunter: Diese Funktionen seien künftigen Produkten vorbehalten, keines der jetzigen Angebote von Carrier IQ könnte dies bieten, erklärte Andrew Coward. Der Einsatz von Carrier IQ würde sich auf die Verbesserung von Netzwerk- und Handyleistung konzentrieren.
Verbandsklagen
Inzwischen gibt es wenigstens drei Verbandsklagen sowohl gegen die US-Betreiber AT&T, Sprint und T-Mobile sowie die Hersteller von Smartphones, darunter HTC, Samsung, Motorola und Apple. Diese würden mit Installation und Einsatz von Carrier IQ gegen eine Reihe von US-Gesetzen verstoßen. (spu)