Millionen ergaunert

Rostschutz als Diesel verkauft

7. Dezember 2011, 13:30

Deutsche und österreichische Behörden haben eine großen Steuerbetrug mit Dieselkraftstoff aufgedeckt

Wien/München/Salzburg - Deutsche und österreichische Behörden haben eine großen Steuerbetrug mit Dieselkraftstoff aufgedeckt. Zollfahnder nahmen in beiden Ländern am Montag sieben Personen fest. Die Bande soll aus Polen bezogenes Rostschutzmittel in Deutschland zu Diesel umdeklariert und insgesamt rund sechs Millionen Liter Kraftstoff an Lkw-Tankstellen in Salzburg und Oberösterreich weiterverkauft haben. Damit wurden in Österreich von Juni bis Dezember 2,2 Millionen Euro an Mineralöl- und in Deutschland 2,5 Millionen Euro an Energiesteuern hinterzogen, berichteten das Zollfahndungsamt München und das Finanzministerium in Wien am Mittwoch.

Die Beamten hatten die Täter seit mehreren Monaten überwacht, weil sie im Verdacht standen, unversteuerten Kraftstoff in Verkehr zu bringen. Die Beschuldigten im Alter von 29 bis 54 Jahren ließen "RUST-Cleaner" produzieren und nach Oberbayern transportieren. In Fridolfingen im Landkreis Traunstein wurde das Rostschutzmittel zwischengelagert, umdeklariert und an Tankstellen in Österreich als Kraftstoff zu üblichen Preisen abgegeben. Die Tankstellen wussten nichts von der "Umwandlung", berichtete das Zollamt München.

Anfang dieser Woche kam es zu den Zugriffen: In Österreich wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Salzburg 14 Örtlichkeiten in Salzburg und Oberösterreich durchsucht. Vier Österreicher wurden festgenommen - drei in Salzburg, einer in Oberösterreich. Die Verdächtigen sitzen in der Justizanstalt Salzburg U-Haft. Neben umfangreichem Beweismaterial wurde 40.000 Euro an Bargeld sichergestellt. Diese Summe deckt zumindest einen Teil der entgangenen Mineralölsteuer. Etliche Konten sollen noch geöffnet werden.

In Bayern durchsuchten die Fahnder fünf Objekte - Privat- und Geschäftsräume sowie ein Firmengelände. Dort wurden drei Personen in Untersuchungshaft genommen. Es handelt sich offenbar um einen Deutschen, einen Polen und eine Lastwagenfahrer aus Slowenien.

Scheinfirmen für mutmaßlichen Betrug

Telefonüberwachungen und Observationen wurden angeordnet, bei den Hausdurchsuchungen stellten die Beamten auch iPhones und iPads sicher. Alle sieben Bandenmitglieder werden auch mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätten für den mutmaßlichen Betrug drei Scheinfirmen gegründet. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Die Herstellung des "RUST-Cleaners" in Osteuropa erfolgte bereits unter Berücksichtigung der späteren Angabe als Kraftstoff, teilte das Zollfahndungsamt München mit. Abweichungen der chemischen Zusammensetzung des Rostschutzmittels gegenüber regulärem Diesel waren dabei berücksichtigt worden. Dadurch war die spätere Verwendungsmöglichkeit als Treibstoff nicht beeinträchtigt.

Die Operation gegen die Bande erfolgte durch eine gemeinsame Ermittlungsgruppe der Zollfahndungsämter München, St. Pölten, Krems und Wiener Neustadt. Das Rostschutzmittel wurde in mindestens 200 Fällen als Diesel in Österreich weiterverkauft. "In diesem Fall ist der Rostschutz so hergestellt worden, dass es nur geringe Abweichungen zum Diesel der OMV gibt", erläuterte Amtsdirektor Michael Kalcher, Leiter der Zollfahndung Niederösterreich und österreichischer Teamleiter in dieser Causa.

Die Ermittlungen nahmen im Sommer bei einer Kontrolle eines auf dem Weg nach Österreich befindlichen Tanklastzuges durch Beamte des Hauptzollamtes Rosenheim ihren Lauf. Sie stellten Unregelmäßigkeiten in den Frachtpapieren fest. Es sei die Frage aufgetaucht, "wer braucht 30.000 Liter Rostreiniger, das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen", sagte Michael Kornprobst vom Zollfahndungsamt München. Nachforschungen in Polen hätten ergeben, dass ständig geliefert werde. Der Rostreiniger wurde in einem Labor bei München auf seine chemischen Substanzen untersucht. "Drei Proben erfüllten die Kriterien für Diesel, eine nicht", erläuterte Kornprobst. Sobald das steuerfreie Rostschutzmittel als Kraftstoff umgewidmet wird, bestehe in Deutschland Energiesteuerpflicht, in Österreich Mineralölsteuerpflicht. Für 30.000 Liter Diesel sei in Deutschland eine Steuer von 14.000 Euro zu entrichten, in Österreich rund 12.000 Euro. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
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Plato
00
8.12.2011, 06:44
Die selbe Kreativitaet fuer legale Wirtschaftsentwicklung ....

WuHa
00
7.12.2011, 17:55
Lieber Standard!

Deutsche und österreichische Behörden haben eineN großen Steuerbetrug - eineN - da ist das N verloren gegangen (sowohl in der fett gedruckten Zeile unter der Überschrift, als auch im ersten Satz des Artikels)

lechner sepp
00
7.12.2011, 18:09
N

eine Lastwagenfahrer aus Slowenien...

Und jedem seine eigene Busspur
00
7.12.2011, 16:07
Findige Kriminelle

Kommen auf solche Ideen. Das ist wohl nichts Neues. Durch ähnliche Geschäfte sind in Russland einige der grössten Oligarchen nach oben gekommen (öliger Dreck schwimmt nun mal oben auf).

randolf
08
7.12.2011, 15:40
Ja ja

Na ja, des besseren Verständnis hätte man in der Überschrift, "Diesel als Rostschutz beim Zoll vorbeigeschmuggelt", oder ähnliches benennen können, weil so fragt man sich die ganze Zeit, ok, warum tanke ich Diesel, wenn man mit Rostschutz auch fahren kann...

Weil sie haben ja Diesel produziert, als Rostschutz deklariert, dann importiert, zu diesel umdeklariert und verkauft...

Vorpotsky
00
7.12.2011, 19:04
Ich weiß nicht, ob ich das falsch verstehe

Aber ich glaube, man *kann* mit (diesem) Rostschutz fahren. Warum nicht tun?
-) Weil's verboten ist (analog Heizöl)
-) Weil's dem Motor eventuell doch nicht so gut tut

Markus1975
02
7.12.2011, 13:37
na hoffentlich

besteht ausreichend begründeter Tatverdacht für die Konten Öffnung in dieser Eile ... Sonst könnte man meinen, dass Grasser Rumpold und Co. eventuell anders behandelt werden von der Justiz

ikepod
11
7.12.2011, 13:19
Für 30.000 Liter Diesel sei in Deutschland eine Steuer von 14.000 Euro zu entrichten, in Österreich rund 12.000 Euro.

gehts noch einfacher?

zb. pro liter ?
ist der rechner gerade ausgefallen?
oder gibt es andere steuersätze, wenn man weniger verkauft?

Will Lightbody
03
7.12.2011, 12:59

"in diesem Fall ist der Rostschutz so hergestellt worden, dass es nur geringe Abweichungen zum Diesel der OMV gibt" - spricht das jetzt für die Fälscher oder gegen die OMV?

haarspalter
01
7.12.2011, 14:00

soll heißen, der tank eines dieselfahrzeugs rostet garantiert nie.

cecotto
10
7.12.2011, 15:14

womöglich weil er aus kunststoff ist ;)

M L3
00
7.12.2011, 13:07
Soll heißen, das das Zeug speziell hergastellt wurde und nur für den steuerschonenden Import falsch deklariert wurde

Anfangs dachte ich auch, daß irgendein chemisches "Gschloder", welches als Rostschutz vielelicht sogar Phosphate o.ä. enthält als Diesel verkauft wurde. Vielleicht war es ja auch nur ungefärbtes Heizöl.

Hustler
00
7.12.2011, 12:53
Finde den Fehler

Deutsche und österreichische Behörden haben eine großen Steuerbetrug mit Dieselkraftstoff aufgedeckt.

Der Feger
00
7.12.2011, 13:19
hab' eine gefunden

Semperitfan
00
7.12.2011, 15:55
ich auch

Alpha Centaurus
00
7.12.2011, 12:46
Na was jetzt?

Haben die Rostschutz verkauft oder haben die Diesel als Rostschutz deklariert verkauft. Ich versteh den Artikel nicht wirklich...

Club-der-dichten-Toten
00
7.12.2011, 13:44

Die haben Diesel in Polen als "Rostschutz" gekauft, diesen "Rostschutz" nach Deutschland bw. Österreich gebracht und ihn dann Tankstellen als Diesel weiterverkauft.

Eingesteckt haben sie sich die Mineralöl/Energiesteuer, die die Tankstelle (bzw. deren Kunden) zahlen mussten, die sie sich aber gegenüber Deutschland oder Österreich durch die Deklaration als "Rostschutz" erspart haben.

Club-der-dichten-Toten
02
7.12.2011, 12:29
Rostschutz als Diesel deklariert

Ist ja gut, dass die Redaktion Anregungen aufnimmt, aber ich fürchte, es war ja genau umgekehrt, oder?

Diesel wurde als Rostschutz deklariert...

Andersrum wär's ja eher unsinnig, oder?

Peter_23
12
7.12.2011, 12:43
Heizöl ist chemisch auch nur Diesel und ident

aber viel billiger, da steuerlich geringer. Deswegen fahren die Steuersparer auch mit Heizöl statt mit Diesel.

Anderer Berufsgruppen wie die Bauern betreiben diesen Steuerhinterzug sogar schon legal. Stichwort "Agrardiesel". Mal danach googeln und staunen.

PS: Dazu braucht es keine "Anregungen". Das lernt man in Schule, dass das chemisch fast das Gleiche Zeug ist und in den meisten, einfachen/älteren Dieselmotoren ohne Problem funktioniert.

Heavyweather
00
8.12.2011, 22:26

Auch im Auto schaut doch nie einer bei einer Kontrolle in den Tank...
Es gibt auch Zusätze die die Farbe neutralisieren. Ist aber nicht notwendig.

Club-der-dichten-Toten
00
7.12.2011, 13:46

Ja, das ist ohnehin bekannt darum geht's aber hier nicht...

M L3
00
7.12.2011, 13:05
Einfach ältere Dieselmotoren laufen doch sogar mit Salatöl, wenn es nicht zu kalt ist.

Peter_23
00
7.12.2011, 19:39
Da ist der Preisvorteil kaum vorhanden. Schauen Sie mal in einen Supermarkt was 10 Liter Gebinde Salatöl kosten und dann was 10 Liter normalen Hochsteuer-Diesel auf der Tankstelle.

Billiger ist hingegen das Alt-Speiseöl. Man muss nur die Brösel mit Filterpapier rausfiltern.

Horstl Schorschl
10
7.12.2011, 12:52
Heizöl ist eingefärbt und somit leicht erkennbar am Qualm...

der aus dem Auspuff strömt.

Club-der-dichten-Toten
00
7.12.2011, 14:14

Nein, die Farbe wird ja nicht mitverbrannt.

Erkennbar ist das nur, wenn man aus dem Tank eine Probe zieht und die anschaut.

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