Chatnachlese

"Europa ist ja keine Insel"

Chat | 7. Dezember 2011, 13:52

Attac-Ökonomin Karin Küblböck über Steueroasen, Panik vor Ratings und die Fehlkonstruktion der Eurozone

Attac-Ökonomin Karin Küblböck ist in einer Woche, in der in Sachen Krisenbewältigung wieder einmal Entscheidendes angekündigt wurde, im derStandard.at-Chat zu Gast. In Österreich steht demnächst die Einschätzung der Bonität durch die Ratingagentur Moody’s bevor. S&P hat gerade nahezu die gesamte Eurozone in Bausch und Bogen mit der Herabstufung "bedroht".

Für Karin Küblböck ist damit klar: "Die große Panik vor diesen Ratings zeigt, dass die Politik der letzten Jahre in die vollkommen verkehrte Richtung gelaufen ist." Staatsfinanzierung – so meint sie - dürfe nicht von irrationalen Märkten abhängig gemacht werden. Auch die Fehlkonstruktion der Eurozone werde deutlicher denn je.



Gesamteuropäisch gesehen habe "die Realwirtschaft" massive Probleme. Die großen realwirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den Staaten sind für Küblböck auch eine Kernursache für die Krise und führt ein von linker Ökonomen-Seite häufig genanntes Argument ins Treffen: "Länder wie Spanien oder Griechenland haben eine Deindustrialisierung erlebt, weil sie mit Produkten etwa aus Deutschland, das starkes Lohndumping betrieben hat, nicht mithalten konnten, und das Instrument der Abwertung wurde mit der Euroeinführung genommen."

Was den Bankensektor betrifft, so würde Küblböck gerne die Frage stellen, ob ein gewinnorientierter Bankensektor in einer Gesellschaft sinnvoll sei. Die Alternative: Die Bereitstellung von Krediten und die Verwaltung von Spareinlagen könnten so etwas wie ein öffentliches Gut sein – und eben nicht gewinnorientiert. Gerettet hätte sie vermutlich auch nicht alle. "Ob jede einzelne Bank gerettet werden hätte müssen, bezweifle ich. Wichtiger finde ich jedoch, dass an die Rettung der Banken kaum Bedingungen geknüpft wurden, wie etwa die Einschränkung von bestimmten Geschäftspraktiken, die Auszahlung von Boni und Dividenden, oder die Schließung von Niederlassungen in Steueroasen. Das rächt sich jetzt." (red, derStandard.at, 7.12.2011)
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