Tränengas bei Demonstration in Kinshasa
Kinshasa - In der Demokratischen Republik Kongo ist die für Dienstag erwartete Verkündung des Ergebnisses der Parlaments- und Präsidentschaftswahl verschoben worden. Die Wahlkommission teilte am Dienstagabend über den Rundfunksender RTNC mit, die Verkündung des Ergebnisses werde um 48 Stunden auf Donnerstag verschoben.
In der Hauptstadt Kinshasa demonstrierten am Dienstag Oppositionsanhänger gegen die bereits verkündeten Teilergebnisse, wonach Staatschef Joseph Kabila klar im Amt bestätigt wurde. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor und trieb wiederholt Oppositionelle vor dem Hauptquartier der Partei Union für Demokratie und sozialen Fortschritt von Oppositionsführer Etienne Tshisekedi auseinander.
Etwa 20.000 Soldaten waren in den Kasernen von Kinshasa in Bereitschaft. Durch die ungewöhnlich ruhigen Straßen der Stadt fuhren Lastwagen mit Soldaten, die Gasmasken trugen.
Vorwurf der Wahlfälschung
Auch in London, Brüssel und Toronto demonstrierten Gegner Kabilas und warfen der kongolesischen Staatsführung Wahlfälschungen vor. In Brüssel, wo viele Kongolesen leben, wurden etwa hundert Demonstranten festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. In London gerieten mehrere hundert Demonstranten mit der Polizei aneinander. Im kanadischen Toronto wurden bei einer Demonstration von etwa 150 Teilnehmern, die Richtung US-Konsulat marschierten, Polizisten mit Dreck beworfen.
Nach einem am Dienstag in der Früh von der Wahlkommission verkündeten Teilergebnis lag Kabila mit 46,4 Prozent deutlich vor Tshisekedi, der demnach auf 36,2 Prozent kam. Die anderen Kandidaten lagen weit abgeschlagen. Bei dem Urnengang am 28. November kam es internationalen Beobachtern zufolge zu Unregelmäßigkeiten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden bei gewaltsamen Übergriffen im Zuge der Wahlen mindestens 18 Zivilisten getötet und etwa hundert schwer verletzt, die meisten von ihnen durch staatliche Sicherheitskräfte. (APA)