Betriebe kennen ihre Bürokosten nicht

5. Juni 2003, 14:19
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Aktuelle Studie sieht 30 Prozent Sparpotenzial - Großteil der "Büro-Worker" nicht bereit ihren Schreibtisch zu teilen

Wien - Rund die Hälfte der Unternehmen kennt seine Bürokosten nicht. "Durch eine optimale Gestaltung des Büroraums können Österreichs Unternehmen bis zu 30 Prozent ihrer Büroausgaben einsparen", bestätigt Arbeitswissenschaftler Dieter Lorenz, der für die Wiener Büroplaner Bene Consulting 200 Unternehmen mit über 50 Büroangestellten befragte. "Desk Sharing" - also das Teilen seines Schreibtischs mit einem Kollegen - praktizieren derzeit nur 27 Prozent der Angestellten. Vom Rest können sich 82 Prozent der Befragten nicht vorstellen ihren Schreibtisch jemals zu teilen, ging aus der heute, Donnerstag, veröffentlichten Studie hervor.

Einzelbüros halten noch immer 69 Prozent der Befragten für die "ideale Büroform". "Früher waren es weit über 80 Prozent", relativiert Lorenz. Heute können sich jedoch schon 43 Prozent der Büroarbeiter auch die Arbeit in einem "Gruppenbüro mit offenen Strukturen" vorstellen. "Der Begriff Großraumbüro ist inzwischen negativ belegt, doch das Arbeiten in größeren Einheiten erhöht die Offenheit, das gegenseitige Vertrauen und fördert die Kreativität der Mitarbeiter", so Lorenz. Die Arbeit in Gruppenbüros erfordere aber längere und mehr Pausen, da in Gruppenbüros die Konzentration beeinträchtigt werde.

Veränderte Organisation

Vor allem aus Platzgründen aber auch aus finanziellen Überlegungen erwägen derzeit 23 Prozent der Betriebe eine Neugestaltung des Büroraums. In diesem Zusammenhang gaben 86 Prozent der Firmen an, dass "es in den vergangenen Jahren massive Veränderungen in ihrer Büro-Organisation gegeben hat".

Ein beträchtlicher Teil der Befragten (22 Prozent) glaubt, dass "Bürogebäude künftig an Bedeutung verlieren" werden. Minicomputer, Mobiltelefon, Computer und Auto würden in Zukunft den Büro-Arbeitsplatz ersetzen, gaben vor allem junge Kunden als Grund für den Wertewechsel an. Jedoch 50 Prozent der Verwaltungsarbeiter halten das Büro nach wie vor für wichtig und glauben, dass das Büro auch weiterhin "ein Fixpunkt im Leben eines Büroarbeiters ist".

Telearbeit nicht vergessen

Den Stellenwert der Telearbeit dürfe man aber keinesfalls unterschätzen. "Wir haben anfangs immer eine Über-Euphorie, dann sinkt das ganze in die Bedeutungslosigkeit (gemeint jetzt) und kommt dann langsam und schleichend immer mehr", meint Lorenz. In Zukunft werde es vermehrt "alternierende Telearbeit" geben - also das Wechseln zwischen Heimarbeit, mobiler Arbeit und Büroarbeit. "Desk Sharing" könne dabei helfen, rund 30 Prozent des Büroraumbedarf einzusparen.

"Die Büromiete macht derzeit maximal 30 Prozent der gesamten Bürokosten aus", erinnert Karl Friedl, Geschäftsführer der Bene Consulting. Hingegen machen die Personalkosten bis zu 50 Prozent aus, auch die Ausgaben für EDV können 20 Prozent der gesamten Büroaufwendungen betragen.

Die Bene Consulting, eine Tochter der niederösterreichischen Bene Gruppe, ist auf die Planung von Büroräumen spezialisiert und berät in dieser Funktion vor allem Unternehmen mit über 50 Büromitarbeitern. Im abgelaufenen Jahr erwirtschaftete die Bene Consulting mit 30 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,7 Mio. Euro in Österreich und Deutschland. (APA)

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    Dieses neuartige Büromöbel erlaubt kurze Nickerchen ebenso wie Arbeiten in entspannter Haltung - Rund die Hälfte der Unternehmen verschläft die Kontrolle ihrer Bürokosten

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