Israels Inlandsgeheimdienst befürchtet Anschläge auf Sharon

5. Juni 2003, 12:50
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Fanatisierte Siedler wünschen dem Premier das gleiche Schicksal wie jenes von Rabin

Jerusalem - Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Beth befürchtet nach dem Nahost-Gipfel von Akaba Anschlagsversuche antiarabischer Fanatiker auf Ministerpräsident Ariel Sharon oder andere ranghohe Regierungsmitglieder. Hinter geschlossenen Türen hätten extremistische Siedler geäußert, Sharon müsse "den gleichen Weg gehen wie (der 1995 von einem jüdischen Rechtsextremisten ermordete Ministerpräsident Yitzhak) Rabin". Angesichts dieser Befürchtungen müsse der Personenschutz für Sharon und seine Minister voraussichtlich verschärft werden, hieß es am Donnerstag in Jerusalem.

Zehntausende hatten am Vorabend in Jerusalem gegen die Umsetzung des internationalen Friedens-Fahrplans (Roadmap) und die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates demonstriert. Rund 40.000 Siedler aus dem besetzten Westjordanland begannen mit einer Reihe von Protestaktionen. Der ultrarechte Verkehrsminister Avigdor Lieberman hat unterdessen vor einem Bürgerkrieg in Israel gewarnt, sollten jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten geräumt werden.

Der Siedler-Rat hatte Sharons Gipfeltreffen mit US-Präsident George W. Bush und dem palästinensischen Premier Mahmud Abbas am Donnerstag in Akaba als "demütigende Zeremonie" bezeichnet. Israel habe dem "palästinensischen Terror nachgegeben". Die Regierung Sharon sei dabei, "die Fehler der Osloer Verträge zu wiederholen". Sharon hatte sich in Akaba zur Räumung nicht genehmigter Siedler-Vorposten und Kleinsiedlungen in den besetzten Gebieten verpflichtet, wie es der Friedens-Fahrplan verlangt.

Sharons Ankündigung, Israel werde "umgehend" mit dem Abbau von Siedler-Vorposten beginnen, ist für die USA nach den Worten von Außenminister Colin Powell nur "ein Anfang". Damit werde den Palästinensern gezeigt, dass die Israelis bereit seien, "Dinge zu tun, zu denen sie vor diesem Gipfeltreffen nicht bereit waren", sagte Powell am Mittwoch in der jordanischen Hafenstadt. Experten des US-Außenministeriums und des Geheimdienstes CIA sollen verifizieren, dass sich Israel an die Vorgaben des Fahrplanes hält und die völkerrechtswidrige Siedlungstätigkeit in den besetzten Gebieten einstellt. (APA)

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