Schweiz in der Rezession

5. Juni 2003, 12:39
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BIP um 1 Prozent eingebrochen - Massive Korrektur für Vorquartal - Rückgang der Investitionen, Einbruch der Exporte

Bern - Die Schweiz durchläuft eine Rezession. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im ersten Quartal 2003 um 1,0 Prozent eingebrochen. Für das Vorquartal stutzte das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) den Wert massiv von +1,4 auf -0,7 Prozent zurück.

An den jüngsten Zahlen gibt es nichts mehr zu rütteln: Die Schweizer Wirtschaft hat nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000, den Skandalen um Bilanzbetrügereien und dem weltweiten Konjunktureinbruch nicht nur stagniert, sondern ist in die Rezession geschlittert.

Rezession bereits 2001

Bereits 2001 steckte die Schweiz definitionsgemäß nach mehreren negativen Quartalen erstmals seit Anfang der 90er-Jahre in einer Rezession. Davon wollten allerdings weder Politik noch Wirtschaft sprechen, und sie verwiesen auf den starken Konsum und die sich bescheiden positiv entwickelnde Binnenwirtschaft.

"Für das abgelaufene Winterhalbjahr müssen wir nun von einer rezessiven Phase sprechen", sagte seco-Chefökonom Aymo Brunetti am Donnerstag vor den Medien in Bern. Neu stecke nach der Industrie auch der Dienstleistungssektor in einer Rezession und die Detailhandelszahlen als wichtige Komponente des Konsums seien schwach.

Damit ist das Szenario eines "Double-Dip" (zweiter Einbruch nach einer kurzen Phase der Erholung) eingetreten. Ökonomen waren sich bei ihren Prognosen uneinig: Die Bandbreite reichte von +0,2 bis- 1,3 Prozent.

Privater Konsum nimmt zu

Die privaten Haushalte haben zwar im ersten Quartal erneut 1,2 Prozent mehr konsumiert. Dieses Wachstum geht hauptsächlich auf Ausgaben für das Wohnen, die Gesundheit und die Ernährung zurück. Der Staatskonsum ist ebenfalls gestiegen, und zwar um 1 Prozent.

Weiter geschrumpft sind dagegen die Investitionen (minus 1,3 Prozent). Das sind Nachwehen der Überinvestitionen zu Zeiten des Börsenbooms, und die Gewinnaussichten der Unternehmen haben sich weiter verschlechtert, wie Brunetti sagte. Der Bau investierte zwar 2,2 Prozent mehr, die Ausrüstungsinvestitionen brachen jedoch um 4,4 Prozent ein.

Noch trister ist das Bild im Außenhandel. Die Importe stiegen vor allem wegen dem Pharmasektor real um 5,1 Prozent, die Exporte brachen im Vergleich zum vorangehenden Quartal um kaum je gesehene 9,1 Prozent ein.

"Rascher Aufschwung nicht zu erwarten"

Seco-Chefökonom Brunetti macht denn auch klar, dass eine Verbesserung von der Ausland-Konjunktur kommen müsse. Inzwischen habe sich die Lage nach dem Irak-Krieg zwar verbessert. "Ein rascher Aufschwung ist aber nicht zu erwarten."

Das seco sei für das zweite Halbjahr "vorsichtig optimistisch" für eine leichte Verbesserung und halte an seiner Prognose eines Null-Prozent-Wachstums fest. Ob die Schweiz immer noch in der Rezession stecke, könne er nicht sagen: "Wir haben für das zweite Quartal noch keine harten Daten".

Aufwärts gehen soll es im nächsten Jahr. Das seco prophezeit nach wie vor ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent. Allerdings räumte Brunetti ein, dass in letzter Zeit generell die Konjunkturprognosen auch im Ausland systematisch daneben gelegen seien und schon mehrfach der Aufschwung für "in einem halben Jahr" angekündigt worden sei. (APA/sda)

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