Stagnation drückt auf den Sommertourismus

5. Juni 2003, 12:45
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Sparverhalten führt zu Urlaubsform "Balkonien" - Hoffnung liegt nun bei Osteuropa-Gästen

Wien - Der österreichische Tourismus hat in der per Ende April abgelaufenen Wintersaison 2002/03 trotz Konjunkturflaute, Irak-Krieg und Reisekrise ein neues Rekordergebnis erzielt. Für den Sommer sind die Aussichten auf Grund der anhaltenden Wirtschaftsschwäche aber eher verhalten.

Der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, rechnet bestenfalls mit einer Stagnation der nominellen Umsätze und der Nächtigungen. Berücksichtigt man die Inflation, sei mit einem 2- bis 2,5-prozentigem Minus zu rechnen, meint Smeral: "Ein Halten der Ergebnisse des Vorjahres wäre bereits ein Erfolg." Auf den Sommertourismus werde dabei vor allem Wirtschaftsstagnation in Nord- und Westeuropa und im Besonderen die schlechte Wirtschaftssituation und das rückläufige Realeinkommen in Deutschland, mit knapp 50 Prozent der Nächtigungen der wichtigste Herkunftsmarkt, drücken.

"Die Leute geben weniger aus"

"In rezessiven Zeiten setzt ein Sparverhalten ein, die Leute geben weniger aus", bemerkte Smeral. Wird der Urlaub aus dem Sparstrumpf finanziert, werde zunächst am Urlaubsort gespart, in einem weiteren Schritt die Aufenthaltsdauer verkürzt, dann im Nahbereich und schließlich in "Balkonien" geurlaubt, erläuterte Smeral. Da Österreich aber als sicheres Urlaubsland gelte, könne die Alpenrepublik im Wettbewerb mit anderen Ländern wie etwa Spanien, Griechenland und Türkei, die ebenfalls mit Rückgängen in diesem Sommer rechnen müssten, einiges wettmachen und Marktanteile dazugewinnen, glaubt Smeral. Rückgänge könnten auch teilweise durch die wachsende Zahl der Urlauber aus osteuropäischen Ländern ausgeglichen werden, wo das Wirtschaftswachstum (BIP) mit durchschnittlich 3,5 Prozent deutlich über den westeuropäischen Niveau liege. Allerdings sei der Anteil der Gäste aus Osteuropa an den Gesamtnächtigungen mit 3 bis 4 Prozent noch relativ klein.

Durch die Lungenkrankheit Sars würde zwar insgesamt der Auslandstourismus zurückgehen, doch direkte Auswirkungen auf den österreichischen Tourismus sieht Smeral nicht. Die von Sars betroffenen Gebiete stellen nur etwa 2 Prozent der gesamten touristischen Herkunftsländer dar. Keine kurzfristigen, aber längerfristige Auswirkungen erwartet der Tourismusexperte hingegen von der in vielen europäischen Ländern geführten Pensionsdebatte. Durch die Pensionsreformen sei europaweit mit Einbußen im Lebenseinkommen zu rechnen, was sich ab 2010 auf das Reiseverhalten auswirken werde, meint Smeral.

Der schwache Dollarkurs zeige derzeit zwar keine Auswirkungen auf den Reiseverkehr zwischen Europa und USA, in Laufe der nächsten Zeit würden sich die Wechselkurse aber sicherlich auf die Urlaubsströme schlagen. (APA)

Siehe

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