Radikale Suffragette

12. Juni 2003, 01:00
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Ein Porträt zum 75. Todestag der Frauenstimmrechts-
Kämpferin Emmeline Pankhurst

"Wie schade, dass sie nicht als Bub geboren wurde", hörte Emmeline ihren Vater sagen, als sie sechs war. Ein Satz, der sie Zeit ihres Lebens bewegte und möglicherweise ihre Politisierung verstärkt hat.

Emmeline Pankhurst gehörte zusammen mit ihren Töchtern Christabel (1880 – 1928) und Sylvia (1882 – 1960) zu den führenden Frauen der englischen Stimmrechtsbewegung. 1989 gründete Emmeline in London die "Liga für Frauenrechte" und 1903 gemeinsam mit Christabel und Sylvia die als radikal geltende "Women´s Social and Political Union" (WSPU). Das Verfassen von Petitionen für das Wahlrecht der Frauen, die Forderung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit, ein gleiches Ehe- und Scheidungsrecht für beide Geschlechter standen genauso auf ihrer Tagesordnung wie die Stürmung von konservativen Wahlveranstaltungen, was zahlreiche Verhaftungen nach sich zog. In den Jahren 1908 und 1909 waren alle drei im Hungerstreik und wurden zwangsernährt.

Als die Suffragettenkämpfe 1911 in England eskalierten – die Frauen schlugen Scheiben ein und legten Brände - meinte Emmeline Pankhurst: "Wir wollten keine unnötig starken Argumente benutzen. Wenn das Argument der Steine ausreicht, wollen wir uns darauf beschränken". Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem sie zum Waffenstillstand aufgerufen hatte, gründete sie die "Women’s Party". In ihren letzten Lebensjahren hielt sie Vorträge in den USA und Kanada.

Politische Sozialisation

Geboren am 14. Juli 1858 in Manchester, wächst Emmeline in einem liberalen Elternhaus auf. Ihr Vater, Robert Goulden, war ein erfolgreicher Geschäftsmann mit radikalen politischen Ideen und ihre Mutter, Sophia Crane, eine leidenschaftliche Feministin, die Emmeline zu Suffragetten-Treffen in den frühen 1870er-Jahren mitgenommen hat. Sie gibt ihr die "Zeitschrift für Frauenwahlrecht" zu lesen und bereits mit vierzehn bezeichnet sich Emmeline selbst als Suffragette. Mit fünfzehn kommt sie in die Pariser Ecole normale, wo sie Sprachen, Chemie und Buchhaltung lernt. Die fortschrittlichen Lehrerinnen bestärken sie in ihrer Überzeugung, dass das Frauenwahlrecht die sozialen Missstände beseitigen könne. Denn, so meint sie, Frauen könnten Elend sehen, eine Gabe, die Männern fremd sei.

1878 kehrt sie nach Manchester zurück und lernt kurz darauf den um 23 Jahre älteren Rechtsanwalt Richard Pankhurst kennen, der ebenfalls ein Befürworter des Frauenwahlrechts war. Sie haben gemeinsam fünf Kinder, von denen der älteste Sohn Frank an Diphterie stirbt. Nach 19 Ehejahren stirbt auch ihr Mann im Alter von 63 Jahren und hinterlässt außer guter Erinnerungen auch einen Berg Schulden. Um ihre vier Kinder ernähren zu können, tritt sie eine Stelle als Standesbeamtin an. Gleichzeitig kämpft sie in jeder freien Minute für das Frauenstimmrecht.

Emmeline Pankhurst starb am 14. Juni 1928 in London. (dabu)

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    Emmeline Pankhurst bei einer ihrer Verhaftungen.
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    Suffragette Emmeline Pankhurst: Geboren am 14. Juli 1858 in Manchester, gestorben am 14. Juni 1928 in London.
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    Emmeline Pankhurst bei einer Stimmrechtsdemo.
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    Demonstration mit Pankhurst für das Frauenwahlrecht in London.
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