Exportschwäche verstärkt zähe Konjunkturflaute

5. Juni 2003, 19:00
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Wifo-Monatsbericht: Nur noch Exporte nach Südosteuropa "lebhaft"

Wien - In Österreich stagniert die Konjunktur: Für eine Belebung der Investitionstätigkeit der Unternehmen gebe es keine Hinweise, die Konsumnachfrage der privaten Haushalte dürfte nur verhalten steigen, heißt es Juni-Monatsberichts des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo).

Die Wirtschaft der Eurozone stagniere, Deutschland könnte bereits zum zweiten Mal seit 2001 in einer Rezession sein. In der nun seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Krise der europäischen Wirtschaft komme vor allem das Fehlen der Binnennachfrage zum Ausdruck. Die Investitions- und Konsumschwäche werde jetzt durch eine Dämpfung des Exports infolge der Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro verstärkt.

Wachstumsdämpfung von 0,5 Prozent des BIP

Die Wechselkursverschiebungen würden mit einer Verzögerung von zwei bis drei Quartalen in der Produktion wirksam. Im dritten Quartal 2003 dürfte die Wachstumsdämpfung in der Eurozone bereits 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, so das Wifo unter Hinweis auf den Eurogrowth-Indikator.

Im Jänner und Februar 2003 lag der Warenexport im Durchschnitt nominell um nur noch gut zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Nachfrage aus dem EU-Binnenmarkt und aus Mittelosteuropa sei bereits rückläufig gewesen, die Exporte nach Südosteuropa hätten sich dagegen lebhaft entwickelt, so das Wifo.

Euro-Aufwertung

Die österreichischen Exporteure lieferten primär in die Eurozone bzw. in Länder mit stabilem Wechselkurs zum Euro. Sie seien deshalb von der Euro-Aufwertung vor allem indirekt - etwa über Zulieferbeziehungen zur deutschen Exportindustrie - betroffen. Die Aufwertung des Euro und die Beruhigung auf den Weltmärkten für Rohöl bewirkten eine merkliche Verlangsamung der Inflation.

Ein allgemeiner und anhaltender Rückgang der Preise auf Verbraucherebene (Deflation) sei für die EU insgesamt derzeit wenig wahrscheinlich, für einzelne Mitgliedsländer wie Deutschland aber nicht auszuschließen. In Österreich verlangsamte sich der Preisauftrieb im April auf +1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Einschätzung des Wifo wird sich die Verringerung der Energiekosten fortsetzen.

Die Abschwächung des Wachstums der österreichischen Warenausfuhr beeinträchtige auch die Investitionstätigkeit und die Produktion der Unternehmen der Sachgütererzeugung. So lässt der Wifo-Konjunkturtest für die Sachgütererzeugung für das erste Quartal 2003 auf eine Stagnation der Produktion gegenüber dem Vorjahr schließen - dafür spreche auch der Rückgang der Industriebeschäftigung (Jänner bis April minus 2,25 Prozent gegenüber dem Vorjahr). (DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2003,red)

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Wifo

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