Die Minister kommen nach Durban

Jörn Ehlers, Franko Petri/ WWF Österreich, 7. Dezember 2011, 13:03

Heute und in den nächsten Tagen trudeln nach und nach die zuständigen Regierungsvertreter aus über 190 Staaten ein

Die Spannung steigt. Heute und in den nächsten Tagen trudeln nach und nach die zuständigen Minister aus über 190 Staaten ein, um dem Verhandlungsprozess vielleicht doch noch ein Stück weit voranzubringen. Denn alles was bisher verhandelt wurde, kann durch die zuständigen Minister wieder über den Haufen geworfen werden.

Als Vorboten der "hohen Politik" finden sich mehr und mehr Journalisten ein, und nach und nach werden die Computerarbeitsplätze im Tagungscenter knapp obwohl es Hunderte davon gibt. Die ganz große Nachricht haben sie bislang noch nicht zu verkünden und so mancher wundert sich über das doch eher zurückhaltende Interesse zuhause. Wenn es um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit geht, dürfte es der Klimagipfel mit all seinen technischen Details schwer haben, sich gegen Euro-Rettung, Afghanistan-Konferenz und Thomas Gottschalks letzte ZDF-Show zu behaupten.

Der Bedeutung des Themas tut das keinen Abbruch, aber es ist wichtig sich immer wieder vor Augen zu führen, dass hinter den Diskussionen um so für Laien unverständliche Abkürzungen wie LCP, LCA, MVR oder CDP eine der größten Herausforderungen der Menschheit steht.

Unabhängig was hier in Durban am Ende herauskommt, eines ist schon jetzt klar: Der Klimawandel ist leider weitaus schneller als die Politik. In 17 Jahren Klimadiplomatie hat man es nicht geschafft, den Treibhausgasausstoß weltweit zurückzufahren. Im Gegenteil: Wissenschaftler des Global Climate Projects, haben gerade die voraussichtlichen Treibhausgasemissionen vorgestellt. Sie gehen davon aus, dass auch in diesem Jahr mit einer Zunahme von drei Prozent zu rechnen ist. Ganz vorne liegt China. Im Land des Drachen stieg der Ausstoß um rund zehn Prozent. Aber auch am anderen Ende der Welt legten die Emissionen deutlich zu. Die USA verzeichneten einen Anstieg um vier Prozent.

(Video: Yanil Hou von WWF China erklärt, warum sich China in die richtige Richtung bewegt und die Hoffnung geweckt hat, die Regierung könnte eine bindende Vereinbarung zur Reduktion von Treibhausgasen unterzeichnen.)

Die Zahlen sind umso bedrohlicher, wenn man bedenkt, dass der Treibhausgasausstoß in den 90er Jahren "nur" etwa ein Prozent zugelegt hat. Was die Klimabilanz der einzelnen Staaten angeht haben sie es durch die Wirtschaftskrise offensichtlich nur geschafft den Anstieg ein wenig zu verlangsamen. Dies wird sicher auch noch eine Weile so weitergehen. Will man jedoch das von der Weltgemeinschaft proklamierte Zwei-Grad-Ziel erreichen, wird es höchste Zeit, den Gipfel der Verschmutzung in den nächsten Jahren zu erreichen. Danach müssen die Emissionen kontinuierlich und drastisch sinken. Ob Durban dazu einen Beitrag leisten kann bleibt abzuwarten. Besonders Canada hat sich hier in Durban einen Namen als Blockierer der Klimaverhandlungen gemacht. Ein Steckbrief sucht den kanadischen Premierminister und den Umweltminister des Landes, weil sie „den Verhandlungsprozess entführt haben". Die Belohnung sind 100 Milliarden Dollar - genau die Summe, die für den Grünen Klimafonds vorgesehen ist. Hört man sich in den Gängen um, sind die meisten Teilnehmer eher skeptisch. Doch wir sollten nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen. Tot Gesagte leben bekanntlich länger und hoffentlich gilt das auch für das Kyoto-Protokoll, den derzeit weltweit wichtigsten Vertrag der Staatengemeinschaft, der uns alle betrifft.


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WWF

kommentar
00
8.12.2011, 11:50

" und so mancher wundert sich über das doch eher zurückhaltende Interesse zuhause. "

Ich wundere mich über die zurückhaltenden Berichte, mir ist keine Zeitung untergekommen, die die Klimakonferenz zum Thema auf der ersten Seite gemacht hätte, und im Standard habe ich die betreffenden Artikel gefunden, indem ich DURBAN ins Suchfeld eingegeben habe. Liebe Leute, kann man dieses wichtige Thema bitte prominenter platzieren?

Daniel Solwand
00
8.12.2011, 00:15
Damit das Interesse in der Bevölkerung wieder steigt würde ich vorschlagen, die Dramatik zu steigern und das zwei Grad Ziel auf ein oder auf ein halbes grad abzusenken. Ein Versuch ist es wert

Wenn von vorhinein schon klar ist das die Klimakonferenzen scheitern, was sie ja auch tun, warum werden sie dennoch abgehalten und die Delegierten unnötiger Weise, CO2 intensiv nach Durban bestellt?
Welche Kosten verursachen die Klimakonferenzen und wie viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze?
Oder was würde es kosten, brach liegendes Ackerland in den Trockengebieten zu bewässern, um sie wieder bewirtschaften zu können?
Was kostet es, den Regenwald zu schützen und wieder aufzuforsten?
Unsere Politiker sollte endlich die Menschenrechte und den Umweltschutz ernst nehmen, und nicht ständig verlogen um das dämliche Klimaziel rumtänzeln und ständig versuchen, die eigene Bevölkerung und die Schwellenländer zu gängeln.

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