Sprachevolution

Auch Schimpansen ordnen Tonhöhen Helligkeiten zu

6. Dezember 2011, 22:31
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    foto: primate research institute, universität kyoto

    Sechs Schimpansen und 33 Menschen nahmen an dem Experiment teil. Die Resultate deuten darauf hin, dass es auch bei den Affen die Assoziation zwischen höheren Tönen und helleren Farben gibt.

Wie der Mensch assoziieren die Affen helle Töne mit hellen Farben und tiefe Töne mit dunklen Schattierungen

Nicht nur für Menschen, auch für Schimpansen sind hohe Töne hell und tiefe Töne dunkel. Das haben Forscher der Charite und der Humboldt-Universität in Berlin gemeinsam mit Experten aus Japan erstmals in einer Studie belegt, die nun im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht wurde. Wenn wir von hellen oder dunklen Tönen sprechen, so ist dies nicht nur eine Redensart. Stattdessen spiegelt die Verknüpfung von helleren Farben mit höheren Tönen eine natürliche Eigenschaft unserer Sinnesverarbeitung wieder.

Werden Menschen gefragt, welcher Klang Ihrer Meinung nach am besten zu einer bestimmten Farbe passt, so antworten fast alle, dass ein hoher Ton besser zu einer hellen Farbe passt, während ein tiefer Ton besser mit einer dunklen Farbe harmoniert. Weiterhin werden beispielsweise hohe Töne spitzen, kleinen Formen zugeordnet, während tiefe Töne eher zu runden, großen Formen zu passen scheinen. Einige Menschen, sogenannte Synästheten, erleben derlei Assoziationen zwischen verschiedenen Sinneskanälen sogar explizit: Sie sehen beispielsweise tatsächlich Farben oder Formen, sobald sie Musik hören. Für die meisten Menschen sind diese Assoziationen allerdings implizit; also nicht immer bewusst.

Zum ersten Mal haben Forscher nun untersucht, ob auch Tiere systematische Assoziationen zwischen verschiedenen Sinneskanälen machen. Vera Ludwig, Ikuma Adachi und Tetsuro Matsuzawa konnten belegen, dass auch Schimpansen höhere Töne mit helleren Farben verknüpfen. Die Studie wurde am Primate Research Institute der Universität Kyoto in Japan durchgeführt.

Relevant für die Sprachevolution

Die Studie hat Relevanz für unser Verständnis der Evolution von Sprache. Einige Theorien gehen davon aus, dass die ersten Wörter unserer Vorfahren nicht zufällig waren, sondern dass es eine systematische Beziehung zwischen dem Klang eines Wortes und seiner Bedeutung gab. Beispielsweise könnten heller klingende Worte, wie mil, für hellere Objekte gebraucht worden sein, und dunkler klingende Worte, wie mol, für dunklere Objekte.

"Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass der gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse bereits systematische Assoziationen zwischen Klang und visuellen Eigenschaften kannte. Somit ist es zumindest möglich, dass das erste Vokabular unserer Vorfahren hierdurch geprägt war", sagt Vera Ludwig, Doktorandin am Forschungsbereich Mind and Brain der Charité, am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Berlin School of Mind and Brain, die die Studie durchgeführt hat.

Sechs Schimpansen und 33 Menschen

Für die Studie lernten sechs Schimpansen und 33 Menschen eine Aufgabe auf einem berührungsempfindlichen Bildschirm. Schimpansen und Menschen führten das Experiment unter gleichen Bedingungen durch. Die Teilnehmer sahen auf der Mitte des Bildschirmes kleine Quadrate aufblinken. Ihre Aufgabe war es, jeweils zu erkennen, ob das Quadrat weiß oder schwarz war und eine entsprechende Antwort-Taste auf dem Bildschirm zu drücken. Fast gleichzeitig mit der Darstellung des Quadrates wurde ein hoher oder ein tiefer Hintergrund-Ton gespielt. Dieser war irrelevant für die eigentliche Aufgabe.

Die Schimpansen machten mehr Fehler beim Klassifizieren der Farben, wenn der Ton nicht zur Farbe des Quadrates "passte" (tiefer Ton und weiß, hoher Ton und schwarz), als wenn diese harmonierten (heller Ton und weiß, tiefer Ton und schwarz). Die Menschen machten keine Fehler. Sie waren jedoch langsamer beim Kategorisieren der Farben, wenn diese nicht zum Ton passte. Dieser Effekt beim Menschen ist bereits aus früheren Studien bekannt. "Unsere Resultate deuten darauf hin, dass es auch bei Schimpansen die Assoziation zwischen höheren Tönen und helleren Farben gibt", erklärt Vera Ludwig. (red)

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11 Postings
Börek Obama
00
9.12.2011, 02:27

komisch dass im alten griechenland die hohen töne nohc die tiefen waren weil orgeln bauartbedingt so aufgebaut waren, dass die tiefen töne oben und die hohen unten waren ... naja hoch und tief ist ein erlernter begriff

Fredl Huber
00
7.12.2011, 17:33
die vermischung von „hellen“ mit „hohen“ tönen ist ja auch schon symptomatisch…

bilde ich mir das nur ein, oder werden töne mit gleicher höhe nicht auch zwischen „hell“ und „dunkel“ unterschieden? so wie eine trompete „heller“ klingt als eine oboe. oder die sägezahnschwingung „heller“ als die sinusschwingung.

molemi
 
22
7.12.2011, 09:51
Anmerkung

Dass kleine Objekte hohen Tönen, große tiefen Tönen zugeordnet werden ist kein Wunder, schließlich haben kleine Objekte wie ein Stück Holz einfach eine höhere Resonanzfrequenz wenn man drauf haut als große.
Die Assoziation von "hell" (Farbe) mit "hoch" (Ton) erscheint interessant, ich kann hier keine Motivation aus der physischen Welt verbinden, aber es ist heikel davon weiteres abzuleiten: Die Beschreibung von Tönen als "hoch" gegenüber "tief" ist nicht universell. In den meisten Kulturen Afrikas werden Töne entlang der Skala von "groß - klein" eingeordnet. Ein generelles Problem solcher Versuche ist, dass sie immer mit Personen aus der sogenannten "westlichen" Kultur gemacht werden (zu denen ich musikalisch Japan inzwischen hinzuzähle).

Kowosch
 
00
8.12.2011, 01:01
"Ein generelles Problem solcher Versuche ist, dass sie immer mit Personen aus der sogenannten "westlichen" Kultur gemacht werden..."

Hm, aber die Schimpansen werden Sie wohl nicht dieser "westlichen Kultur" zuordnen, oder?

Was die andere Primatenart angeht, kann ich Ihren Einwand ja verstehen...

Wäre sicher interessant, wie Sprecher einer tonalen Sprache (z.B. Thai, Kantonesisch oder die KhoiSan) in diesem Test "abschnitten".

Utrillitn
00
7.12.2011, 09:38

Welches Bild zeigt jetzt den Schimpansen ?

Fredl Huber
01
7.12.2011, 08:46

Humor+ für die völlig deplazierte verlinkung zum ungarischen mineralölkonzern "MOL" :D

Zhdophanti
00
7.12.2011, 12:14

WTF?

Fredl Huber
00
7.12.2011, 17:07

schauns einmal in die letzte zeile des vierten absatzes!

Zhdophanti
00
9.12.2011, 01:03

Das meint ich ja damit, wie kommt das da rein, Werbevertrag mit MOL? ;)

Magic Washroom
14
7.12.2011, 05:11
1. unabhängig von der frage ob "helle" oder "dunkle" töne evolutionär entstanden sind und nicht sozial erlernt - das beispiel hier mit synästheten impliziert, dass es hier ähnlich gelagert ist und diese töne mit farben, formen "richtig" in verbindung

bringen können. synästheten haben kein intuitives, richtigeres wissen über bestimmte objekte. das zeigt auch schon, dass manche synästheten bestimmte noten mit rot in verbindung bringen, andere mit blau, wieder andere mit grün, etc.

2. ist der versuch mit größter skepsis zu betrachten - denn die schimpansen musste ja erst ihre aufgabe erlernen. wie kann hier ausgeschlossen werden, dass hier nicht soziales wissen des lehreres weitergegen wurde?

und wer bestimmt ob es ein "fehler" ist, wenn der "falsche" ton zur jeweiligen tase gespielt wird. dieses "falsch" ist doch auch nur eine interpretation.

und die ergebnisse der vergleichsgruppe sind hinfällig, weil die anders reagiert haben

ein wissenschaftlich schlechter versuch.

Fredl Huber
00
7.12.2011, 19:10
nicht umsonst wurde das „falsch“ unter anführungszeichen gesetzt!

wenn sie den artikel genau gelesen hätten, hätten sie es verstanden. beide primatenarten haben „gelernt“ bei hellen oder dunklen farben eine bestimmte aktion auszuführen (sie zu klassifizieren). wie dieses klassifizieren konkret ausschaut, geht leider weder aus dem artikel, noch aus dem abstract hervor, aber es könnte so einfach sein wie „tippe nur auf die hellen quadrate, um eine belohnung zu erhalten“.

diese aufgabe kann man richtig oder falsch machen. und es zeigte sich offensichtlich, dass schimpansen mehr fehler machen, wenn ein zusätzlicher akustischer reiz mit einer bestimmten qualität (tonhöhe) korrespondiert. menschen machten zwar keine fehler, aber sie hatten bei der aufgabe längere reaktionszeiten, beim „falschen“ ton.

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