Kaum werden ökologische Bedingungen für Förderungen diskutiert, wird schon die Argumentationskeule der "Versorgungssicherheit" ausgepackt
Das Vorhaben, die Direktförderungen der EU für die Landwirtschaft ab 2014 zu ökologisieren, löst naturgemäß geteilte Reaktionen aus. Geld soll es nur noch geben, wenn maximal 70 Prozent einer Kulturart und mindestens drei Pflanzenarten angebaut werden. Grünland wird geschützt, und es müssen mindestens sieben Prozent der Fläche als ökologische Vorrangflächen bereitgehalten werden. Gleichzeitig sollen Kleinbauern besser unterstützt und Zuschüsse für Großbetriebe gedeckelt werden.
Seitens der bisherigen Kritiker des agrarischen europäischen Fördersystems wird dieser Plan nahezu einhellig begrüßt. Der neue Bauernbund-Chef Jakob Auer wiederum kritisierte gleich nach seiner Wahl am verwichenen Samstag die "bürokratischen Greening-Maßnahmen": Es brauche eine produzierende, keine stillgelegte Landwirtschaft.
Kaum werden ökologische Bedingungen für Förderungen diskutiert, wird also schon die Argumentationskeule der "Versorgungssicherheit" ausgepackt: Selbstverständlich muss es eine Balance zwischen Produktivität und Ökologisierung geben. Aber eines darf nicht passieren: Dass die Begehrlichkeiten einer industrialisierten Produktion über das Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft gestellt werden.
In anderen Bereichen der Wirtschaft sind Umweltauflagen eine Selbstverständlichkeit. Es wäre nicht einzusehen, warum ausgerechnet im Agrarsektor die maximale Produktivität das allein bestimmende Maß sein sollte. (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)