Neue Oberstufe: Matura setzt alle Module positiv voraus
Wien - Immer, wenn es Großes zu verkünden gibt, marschiert die Trias aus Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und den Bildungssprechern von SPÖ und ÖVP, Elmar Mayer und Werner Amon, auf: Am Dienstag war es wieder so weit. Die "modulare Oberstufe" passierte den Ministerrat und soll ab 2013 stufenweise bis 2017 ab der 10. Schulstufe in allen 850 AHS und BMHS Einzug halten. Seit 2004 laufen bereits Schulversuche an 40 Standorten.
Modular heißt, dass künftig der Lernstoff in "Module" eingeteilt wird, ein Semester umfasst ein Kompetenzmodul. Das soll eine "kontinuierliche Leistungserbringung im gesamten Schuljahr" sichern. Das "Leistungsprinzip", betonte Schmied, hat besonderes Gewicht in der jetzigen Version, zumal bei der ersten Präsentation noch die Zahl der Fünfer, mit denen man aufsteigen darf, in den Fokus geraten war.
Die Reduktion der Zahl der Repetenten ist aber sehr wohl ein erklärtes Ziel der Oberstufenreform. Deren Zahl soll auf 4700 pro Jahr halbiert werden. Um das zu schaffen, werden die Schulen für Förderung von Schwächeren, aber auch besonders Begabten 35 Prozent mehr "Werteinheiten" (fünf Millionen Euro pro Jahr) bekommen. Negative Module können zweimal wiederholt werden, beim zweiten Antritt, wenn gewollt, bei einem anderen Lehrer.
Aufsteigen darf man mit zwei Nicht genügend, einmal in der gesamten Oberstufe darf das Prinzip 2+1 greifen - wenn die Lehrer zustimmen. Ein negatives Modul darf "mitgenommen" werden, muss aber spätestens vor dem Antritt zur Matura positiv absolviert werden. Ein Maturaantritt ist nur möglich, wenn ausnahmslos alle Module positiv abgelegt wurden. "Niemandem wird etwas geschenkt", betonte Amon. Das neue Modell sei sogar leistungsorientierter als heute. Immerhin könne derzeit ein Schüler durch die Aufstiegsklausel auch dann zur Reifeprüfung antreten, wenn er seine Defizite nicht ausgeglichen habe.
FPÖ und BZÖ kritisieren eine "Nivellierung nach unten", die Grünen die Unterfinanzierung des Modells. (nim, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)