Neue Oberstufe

Ein Semester wird ein Modul

6. Dezember 2011, 18:54

Neue Oberstufe: Matura setzt alle Module positiv voraus

Wien - Immer, wenn es Großes zu verkünden gibt, marschiert die Trias aus Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und den Bildungssprechern von SPÖ und ÖVP, Elmar Mayer und Werner Amon, auf: Am Dienstag war es wieder so weit. Die "modulare Oberstufe" passierte den Ministerrat und soll ab 2013 stufenweise bis 2017 ab der 10. Schulstufe in allen 850 AHS und BMHS Einzug halten. Seit 2004 laufen bereits Schulversuche an 40 Standorten.

Modular heißt, dass künftig der Lernstoff in "Module" eingeteilt wird, ein Semester umfasst ein Kompetenzmodul. Das soll eine "kontinuierliche Leistungserbringung im gesamten Schuljahr" sichern. Das "Leistungsprinzip", betonte Schmied, hat besonderes Gewicht in der jetzigen Version, zumal bei der ersten Präsentation noch die Zahl der Fünfer, mit denen man aufsteigen darf, in den Fokus geraten war.

Die Reduktion der Zahl der Repetenten ist aber sehr wohl ein erklärtes Ziel der Oberstufenreform. Deren Zahl soll auf 4700 pro Jahr halbiert werden. Um das zu schaffen, werden die Schulen für Förderung von Schwächeren, aber auch besonders Begabten 35 Prozent mehr "Werteinheiten" (fünf Millionen Euro pro Jahr) bekommen. Negative Module können zweimal wiederholt werden, beim zweiten Antritt, wenn gewollt, bei einem anderen Lehrer.

Aufsteigen darf man mit zwei Nicht genügend, einmal in der gesamten Oberstufe darf das Prinzip 2+1 greifen - wenn die Lehrer zustimmen. Ein negatives Modul darf "mitgenommen" werden, muss aber spätestens vor dem Antritt zur Matura positiv absolviert werden. Ein Maturaantritt ist nur möglich, wenn ausnahmslos alle Module positiv abgelegt wurden. "Niemandem wird etwas geschenkt", betonte Amon. Das neue Modell sei sogar leistungsorientierter als heute. Immerhin könne derzeit ein Schüler durch die Aufstiegsklausel auch dann zur Reifeprüfung antreten, wenn er seine Defizite nicht ausgeglichen habe.

FPÖ und BZÖ kritisieren eine "Nivellierung nach unten", die Grünen die Unterfinanzierung des Modells. (nim, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)

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jepp eh
00
23.1.2012, 20:12
jaja

einerseits modulare Oberstufe andererseits Zentralmatura. Die Themen der modularen Oberstufen müssen nämlich schulintern in den Fachgruppen festgelegt werden. Wenn die werte Ministerin schon alles von oben diktiert und nur nach ihrer Inkompetenz entscheidet, dann sollte sie wenigstens konsequent sein, und die Themen auch vorgeben. Aber das stößt sich ja mit ihrer Pseudo-Individualisierung.

D/E
00
8.12.2011, 09:03
Interessant wäre es,

zu erfahren, ob die Module auch kumuliert werden können. Es ist ja eher unwahrscheinlich, dass jemand in English (das man ja kaum "modularisieren" kann) nach derm verhauten Wintersemester in der 6. plötzlich alles kann. Sagen wir, er/sie schafft das Wintersemestermodul nicht, das Sommersemester wieder nicht und im nächsten Jahr wird es auch nicht besser.

Steht dann jemand vor der Matura mit 3 Lernjahren Rückstand?

soisteshalt
01
8.12.2011, 09:58

Das würde aber dem Modulgedanken widersprechen, dass wirklich jedes Modul und damit wohl jedes Teilgebiet positiv absolviert werden muss.

Genau das halte ich ja für das wirklich tolle an dem System, dass es nicht mehr möglich sein wird von September bis April auf der faulen Haut zu liegen und dann mit 2 Moonaten Intensivnachhilfe mit einer guten Note auf die letzte Schularbeit, im Jahreszeugnis eine positive Note zu haben.

D/E
01
8.12.2011, 11:38
Ich fürchte, Sie haben sich vertippt, denn dass jedes

Modul positiv absolviert werden muss, ist ja offensichtlich eine der Grundforderungen.

Ich würde nur gerne wissen, wie man sich vorstellt, dass kein Schüler (solche gibt es und nicht zu knapp) auf die grandiose Idee kommt, einfach negative Module in einem Gegenstand oder zweien "liegenzulassen", dann im Abschlussjahr mit nicht bewältigbaren Defiziten herumzulaufen und so lange Psychoterror zu machen, bis ihm die Module nachgeworfen werden.

Schließlich kann sich das ja eine Bildungseinrichtung auch nicht leisten, jemanden bis zum letzten Jahr mitzuschleppen und ihn dann "nur wegen x" nicht zur Matura zuzulassen.

soisteshalt
00
8.12.2011, 22:18

OK, dann meinen wir eh das selbe.

ja, ich denke, es wird eine Masse von Schülern geben, weil es einfach einreißen wird, dass per (unterschwelliger) Weisung einfach beim 3./4. Versuch jeder durchgelassen werden muss bei den Differenzprüfungen.

<ironie>Das klappt ja derzeit an der NMS auch ganz gut - warum nicht auch in der AHS/BHS Oberstufe...und dann muss natürlich eine neue Studienordnung her, wo das selbe Prinzip gilt.</ironie>

mountaineer
00
7.12.2011, 17:35
ein quantensprung

für ein ganztägiges, kompetenzorientiertes, modulgesteuertes schulwesen mit neuen medien allerorten und allzeit,

damit die maturantinnen von morgen weniger wissen und können als je zuvor in der geschichte des österreichischen schulwesens.
von einem aufsatz mit durchdachten argumenten und einwandfreier rechtschreibung wird man dann nur mehr träumen können.

sennahoi63
00
23.12.2011, 21:44
Der Aufsatz!

Aufsätze in Kleinschreibung wären Ihnen aber schon genehm, oder? Und Sie haben in Ihrem letzten Satz glatt eine Präposition vergessen, deshalb gilt: Wer im Glashaus sitzt ...

soisteshalt
01
7.12.2011, 14:12
Modulsystem, welches keines ist - wieder nur "österreichische" Lösungen zum Ko****!

Ein wenig das, ein bißerl dies und zum Schluss kommt nur zusammengeflickter Murks heraus ohne Sinn und Ziel! Wenn ein Modulsystem, welches mM. in der Oberstufe sicher sehr sinnvoll umgesetzt werden kann, dann ein richtiges. Modulsystem und Klassenverband wiedersprechen sich. Dann gäbe es auch keine (verkürzte) Diskussion umd Sitzenbleiben mit 1,2,3,4,5.. Fünfer. Grundmodule, die jeder machen muss, Ergänzungs- und Vertiefungsmodule sowie für die Schwächeren zusätzliche Unterstützungsmodule. Dauer je 1 Semester. Ist man Halbzeit negativ -> Unterstützungsmodul. Ist ein Modul am Ende negativ, dann EINE Prüfungswiederholung und ansonsten ist (nur!) das Modul zu wiederholen. Kein Sitzenbleiben mit Mitnahme der Noten (-> totaler Schwachsinn!?)

G. Lavant
00
7.12.2011, 15:00

Das, was sie hier ansprechen, würde bedeuten, dass man nachdenken, überlegen, abwägen, Lehrer und Experten an einen Tisch bringen, die Konsequenzen bedenken, demokratische Entscheidungen fällen und ohne schielen auf Wählerstimmen oder internationale Statistiken und persönlichen Eitelkeiten umsetzen müsste.

Aber hey!
Wie sind in Österreich!
Wir brauchen den Event und den Aktionismus, nicht nur beim Schuhplatteln und Volksmusik, sondern auch in der Schulpolitik.

Wie brauchen das Geld für Jubelanzeigen in Zeitungen und Faceliftings fürs Fernsehen und wenn das nicht genug ist, auch einen Photoshop-Spezialisten fürs 16er-Bogen Plakate.

Das hat Priorität.

Seria
00
7.12.2011, 11:42

mann könnte den Berechtigungsschein für die Ausstellung des Maturazeugnisses zusammen mit dem Geburtsschein ausstellen

NPT
02
7.12.2011, 10:53
:(

Der Schwachsinn in unserem Bildungssystem kennt keine Grenzen - das wird wohl an den Protagonisten liegen! Warum lassen wir uns das Alles gefallen und jagen die Verantwortlichen nicht endlich zum Teufel!

Carla Sociale
12
7.12.2011, 10:27
Mir fehlen nur noch die Module "We are singing the alphabet.", "Die Grundrechenarten mit einem Computer-Algera-System" und "Mut zur Verwendung des Genitivs",

dann darf ich die Zentralmatura mit Auszeichnung bestehen.

Fränds
13
7.12.2011, 09:41

Sehe ich das richtig, dass ein Schüler dann beispielsweise jedes Semester in Mathematik durchfallen darf und dann plötzlich in der Maturaklasse alles können muss?

Klingt doch irgendwie ziemlich absurd und praxisfremd?

mgate
13
7.12.2011, 06:00
OMG - du armes Österreich!

Bitte, wie soll das funktionieren? Bei aufbauenden Unterrichtsinhalten sitzt dann ein Schüler, der null Ahnung hat, weil negatives Modul und schafft natürlich auch dieses Modul nicht usw. Vor der Matura kommt dann der große Knall oder das augenzudrückende Durchwinken?

... "Von nun an ging's bergab ...!"

RegR Borromäus Maschitz
12
7.12.2011, 05:34
bei der ersten evaluierung

werdens draufkommen, dass das modulsystem mit den parallelen zusatzmodulen zum nachlernen nicht funktionieren wird.

was wird also geschehen?

jenen lehrerInnen, die es gewagt haben, 5er zu geben, den kurs entziehen und einem geben, wo dann keine 5er mehr passieren.

oder überhaupt die note "5" abschaffen!

auch ein weg!

metalwoman
11
6.12.2011, 21:36

Wie soll das gehen, dass ein Schüler ein "Modul" nachholt, ohne Zeit zu verlieren? Das klappt ja oft nicht mal an der Uni. An vielen Schulen sind die Stundenpläne ja sehr dicht und man wird sicher nicht die Deutschstunde einer Klasse auf 4 Uhr nachmittags verlegen wollen, damit ein Schüler aus einer höheren Klasse auch teilnehmen kann. Wird es also darauf hinauslaufen, dass die Schüler halt nicht per se "wiederholen", sondern einfach mehr Zeit bis zur Matura brauchen? Toller Fortschritt.

Chat long
00
6.12.2011, 22:25
... und sehn betroffen: Gesetz gefasst, und viele Fragen offen ;-)

Wie ich das verstehe, besteht das "Wiederholen" nicht durch Anwesenheit im Unterricht des nicht "positiv gestellten" (sic! Frau BM - ich frag mich, woher sie diese Neuformulierungen hat und wozu sie dienen sollen...) Gegenstandes. Das wird wohl auch nicht möglich sein, denn ich bin überzeugt, dass die Modularisierung auch inhaltliche Verbindlichkeiten mit sich bringen wird, also Semester 1 Klasse 10 im Gegenstand A der Stoff X verbindlich durchzunehmen ist. Und dieser Stoff wird erst wieder ein Jahr später in der dann nächsten Klasse 10 geboten werden.
Das "Wiederholen" wird dann unter der Leitung eines "Lernbegleiters" stattfinden (Frage: wann?). Erst dann wird die "Wiederholungsprüfung" des Negativmoduls stattfinden können (Frage: wann?)

soisteshalt
17
6.12.2011, 21:48

Nein, es wird darauf hinauslaufen, dass man dann auch in der AHS/BHS-Oberstufe (wie schon in der NMS aktuell praktiziert!!) per Weisung spätestens bei der 2. Wiederholung einfach kein Nicht Genügend geben darf.

Damit tritt der Fall des Wiederholenmüssens von Modulen einfach in der Praxis nie auf und das Problem ist gelöst.

Ich garantiere ihnen, dass das spätestens nach den ersten Härtefall passiert, oder auch schon vorher einfach als Absicherung.

G. Lavant
01
6.12.2011, 21:45
Kein Problem: wir führen die Sonntagsschule ein

"Ursprünglich vermittelte die Sonntagsschule nicht nur religiöses Wissen, sondern half auch bei der Alphabetisierung unterprivilegierter Schichten. Diese Funktion hat sie bis heute noch in manchen unterentwickelten Ländern." (Wikipedia)

G. Lavant
02
6.12.2011, 21:32
Die Mathematik muss leistungsorientiert umgestellt werden

"Eine monoton steigende Funktion ist eine, die bergauf (vielleicht mit einem ebenen Teil) geht."

Wenn ihnen das zu sehr kopflastig ist, stellen sie sich eine Schildkröte auf einem Skateboard vor, wie sie von links nach rechts die Kurve eines Graphen entlang fährt.

Ich schreibe lieber nicht dazu, aus welchem kompetenzorientierten Lehrwerk das Zitat ist.

Aber: have fun with the aller-newest math.

soisteshalt
00
6.12.2011, 21:45
Das ist ja mehr als grauslich!!!

Ich bitte doch um Bekanntgabe, aus welchem "Bildungswerk" das entspringt?!

G. Lavant
02
6.12.2011, 22:00

Ich habe es aus einer Leseprobe "Angewandte Mathematik - Mit Kompetenz zur Reifeprüfung", S 130/131

(Ich versichere Ihnen: ich bin nicht der Autor)

02515151541
01
6.12.2011, 19:43
Danke das "Trio"

hat wieder mit Unfähigkeit geglänzt.
abgang...

I would prefer not to
00
6.12.2011, 19:40
Hä...?

"FPÖ und BZÖ kritisieren eine "Nivellierung nach unten""

Und warum stört sie das?
Kein Mensch, der lesen, schreiben oder auf Drei zählen kann, wählt diese Parteien.

stall
10
7.12.2011, 06:45
wir werden diese parteien wählen müssen

um diesem chaos ein ende zu bereiten.

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