Steuer-Ungleichheit beim Stiftengehen

6. Dezember 2011, 18:17
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Trotz dräuender Krise bleiben die Spenden in Österreich auf hohem Niveau - Für den Fundraisingverband hängt das mit der steuerlichen Absetzbarkeit zusammen - für die man sich noch mehr Möglichkeiten wünscht

Wien - Die Schweizer haben nicht nur ein deutlich besseres Fußballnationalteam, sie sind auch deutlich spendabler. 121 Euro erübrigt statistisch gesehen ein Einwohner jedes Jahr an gemeinnützige Organisationen - in Österreich sind es 54 Euro. Unzufrieden ist man beim Fundraisingverband, einer Dachorganisation von 150 NGOs, dennoch nicht: Der Trend gehe nämlich in die Richtung, dass Spender regelmäßiger und üppiger Geld aus ihrer Geldtasche oder vom Bankkonto transferieren.

In absoluten Zahlen findet sich zwischen 2011 und 2010 noch kein großer Unterschied, wie der am Dienstag präsentierte "Spendenbericht" des Verbandes zeigt. So wie im (Rekord-)Vorjahr sollen es 460 Millionen Euro werden.

Allerdings: Rechnet man die Naturkatastrophen heraus, also das Erdbeben in Haiti und die Flut in Pakistan für das Jahr 2011 sowie Fukushima und die Dürre in Ostafrika 2011, zeigt sich ein deutlicher Anstieg (siehe Grafik).

Um fünf Prozent mehr Geld wurde bei dieser Betrachtungsweise gespendet. Für Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraisingverbandes, liegt das neben der größeren Bereitschaft, regelmäßig zu spenden, auch an der seit 2009 gültigen steuerlichen Absetzung von Spenden. Dass ab 1. Jänner auch Gelder für Umweltorganisationen und die Freiwilligen Feuerwehren von dieser Steuerbegünstigung erfasst sind, begrüßt Lutschinger. Dass aber Tierschutz weiter ausgeklammert bleibt, hält er für Willkür.

Noch einen weiteren staatlichen Anreiz wünscht er sich. "Wir sind mittlerweile in Europa beinahe das letzte Land, in dem es keine Steuererleichterung für gemeinnützige Stiftungen gibt, wie sie für eigennützige Stiftungen existieren." So entstehe die absurde Situation, dass man mit einer Einmalspende beispielsweise an das Rote Kreuz Steuern sparen kann. Zahlt man aber die gleiche Summe in eine Stiftung für die Organisation, geht man leer aus.

Wer sich Geld vom Staat zurückholt, ist übrigens altersmäßig klar getrennt. Wie erste Ergebnisse einer Studie der WU Wien zeigen, haben junge Wohltäter eher geringes Interesse. Von den unter 30-Jährigen nahmen nur knapp drei Prozent die Möglichkeit in Anspruch. Sind Spenderin und Spender älter als 64 Jahre, kümmert sich dagegen fast ein Viertel um die Steuerminderung.

Werner Beutelmeyer, Chef des Meinungsforschungsinstitutes Market, machte den NGOs bei der Pressekonferenz am Dienstag Mut. Die Krise bringe zwar "herausfordernde Zeiten für die Organisationen". Aber gerade ältere Personen verfügen durchaus über Kapital: "Das Geld ist da." (moe, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2011)

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    grafik: der standard
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